Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Gela schießt Genua vom eigenen Rasen - ein Lehrstück in Effizienz

40.000 Zuschauer hatten sich an diesem lauen Juniabend im Stadio Luigi Ferraris eingefunden, um den SC Genua beim 7. Spieltag der 1. Liga Italien zu unterstützen. Sie gingen mit der Hoffnung auf einen Heimsieg - und verließen das Stadion mit gesenkten Köpfen. Denn was Gela dort mit Genua veranstaltete, war weniger Fußballspiel als chirurgische Demonstration: 0:3 hieß es am Ende, und das Ergebnis war noch schmeichelhaft.

Dabei hatte Genua eigentlich mehr vom Spiel. 57 Prozent Ballbesitz, ein ruhiger Aufbau, viele Querpässe. Nur: Torgefahr war ein Fremdwort. Ganze zwei Schüsse fanden den Weg aufs Tor, beide eher aus der Kategorie "Versuch war’s wert". Trainer Mario Roth stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen am Spielfeldrand und murmelte: "Wir haben den Ball gut laufen lassen - leider meistens im Kreis." Ein Satz, der den Abend perfekt zusammenfasst.

Ganz anders die Gäste aus Gela. Trainer Michael Müller hatte seine Mannschaft von Beginn an offensiv eingestellt, und schon in den ersten Minuten brannte es mehrfach im Strafraum der Genuesen. Eric Jonsson prüfte Keeper Morgan Winston bereits nach zwei Minuten, Pablo Tarrega scheiterte kurz darauf ebenfalls an ihm. "Da war ich noch wach", grinste Winston später, "aber nach dem 0:1 wurden wir ein bisschen schläfrig."

Das 0:1 fiel in der 34. Minute - und war so etwas wie eine Symphonie aus Präzision und Tempo. Linksverteidiger Jeno Lisztes, sonst eher als Abräumer bekannt, schickte einen butterweichen Pass in den Lauf von Javier Vazques. Der 32-jährige Linksaußen ließ sich nicht zweimal bitten und schob eiskalt ein. Gela jubelte, Genua schaute betreten. "Das war kein Zufall", erklärte Vazques später. "Wir wussten, dass sie hinten zu viel Raum lassen. Wir haben das trainiert - und ja, ich hab’s selbst kaum geglaubt, dass es so gut klappt."

Genua versuchte in der Folge, Ordnung zu finden, aber Gela blieb brandgefährlich. Noch vor der Pause sah Innenverteidiger Tahsin Caliskan Gelb, und kurz darauf musste er verletzungsbedingt raus - oder vielleicht, wie ein Kollege spöttelte, "weil seine Nerven schon Gelb-Rot gesehen hatten". Francisco Dominguez kam und machte dort weiter, wo Caliskan aufgehört hatte: kompromisslos, lautstark, unübersehbar.

Nach der Pause dauerte es keine fünf Minuten, bis Gela endgültig die Weichen stellte. Javier Deco, der rechte Mittelfeldmann mit der Präzision eines Uhrwerks, servierte diesmal für seinen Namensvetter Vazques - und der schnürte in der 49. Minute den Doppelpack. Zwei Minuten später wiederholte sich die Szene fast spiegelbildlich: Deco flankte, diesmal auf Eric Jonsson, der per Direktabnahme zum 0:3 traf. Ein Doppelschlag, der das Stadion verstummen ließ.

"Ich dachte, wir hätten kurz die Zeit angehalten", sagte Genuas Verteidiger Bradley Greenwald später mit bitterem Humor. "Nur die Gelaner haben’s nicht gemerkt."

Danach war das Spiel im Grunde entschieden. Genua spielte weiter mit, als ginge es um Ballbesitzpunkte, während Gela eiskalt blieb. 14 Torschüsse für die Gäste sprechen eine deutliche Sprache, ebenso wie die Zweikampfquote: 57 Prozent zugunsten des Auswärtsteams. Selbst in der Schlussphase, als Genuas Carlos Aldecoa in der 79. Minute noch einmal halbwegs gefährlich abschloss, blieb Gela cool. Torwart Albert Valente musste kaum eingreifen, schien aber jederzeit bereit - und winkte nach dem Schlusspfiff lässig in die Kurve.

Trainer Müller war entsprechend zufrieden: "Wir haben diszipliniert gespielt, klug gepresst - und vorne die Qualität ausgenutzt. Vazques war heute eine Klasse für sich." Sein Kollege Roth suchte indes nach positiven Aspekten: "Wir haben den Ballbesitz gewonnen", sagte er mit einem gequälten Lächeln. "Nur leider keine Punkte."

In der Kabine von Gela ging es laut her - Musik, Jubel, Umarmungen. "Wir feiern heute ein bisschen", verriet Torschütze Jonsson, "aber nicht zu viel. Nächste Woche wartet wieder Arbeit."

Und Genua? Die Spieler schlichen vom Platz, während die Fans höflich, aber deutlich pfiffen. Vielleicht, weil sie das Gefühl hatten, dass 57 Prozent Ballbesitz eben nicht alles sind. Oder weil sie ahnten, dass dieser Abend ein Weckruf sein musste.

Denn wer so wenig aus so viel macht, muss sich nicht wundern, wenn der Gegner aus wenig alles macht.

Am Ende blieb nur das nüchterne Fazit: Gela glänzte durch Effizienz, Genua durch Statistik. Und während die Gäste jubelnd in den Mannschaftsbus stiegen, saß Mario Roth noch lange auf der Bank - stumm, den Blick auf den Rasen gerichtet. Vielleicht suchte er dort den Ballbesitz, den seine Mannschaft so liebevoll gepflegt hatte. Doch der war längst weg - zusammen mit drei Punkten.

27.12.644002 17:35
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der Trainer wird uns schon auf den Boden zurückholen. Morgen wird es den längsten Waldlauf der Geschichte geben!
Jan-Aage Fjörtoft bei Eintracht Frankfurt unter Felix Magath nach einem 4:0-Sieg
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager