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Manchmal reicht ein Halbzeitpfiff, um ein Spiel neu zu schreiben. 45 Minuten lang hatte Gela gegen Ivrea zwar alles im Griff, aber nichts Zählbares vorzuweisen. Dann, kaum war der zweite Durchgang angepfiffen, explodierte das Spiel - und Ivrea wurde zum bedauernswerten Statisten in einem einseitigen Pokaldrama, das am Ende 4:0 endete. Vor 43.500 Zuschauern, die anfangs eher höflich klatschten als begeistert jubelten, dominierte Gela von Beginn an das Geschehen. 21 Torschüsse standen am Ende für die Gastgeber zu Buche - Ivrea brachte es auf exakt null. Trainer Michael Müller grinste nach dem Schlusspfiff: "Ich hatte irgendwann das Gefühl, wir könnten auch mit verbundenen Augen aufs Tor schießen. Irgendwann muss ja einer reingehen." Dass der Knoten tatsächlich platzen würde, war spürbar. Schon in der Anfangsphase prüfte Gawriil Tregubow den Torhüter Floro gleich mehrfach. In der 2., 6. und 9. Minute flog der Ball bedrohlich nah am Pfosten vorbei - und jedes Mal schüttelte Tregubow den Kopf, als wolle er sagen: "Na warte, beim nächsten sitzt er." Ivrea dagegen? Stand tief, verteidigte anständig, aber ohne jede Entlastung. Der Ballbesitz sprach Bände: 65 Prozent für Gela, 35 für die Gäste - und selbst diese Zahl schmeichelte Ivrea. Ihr Trainer wirkte an der Seitenlinie wie ein Tourist, der gerade merkt, dass er im falschen Museum gelandet ist. Die erste Halbzeit endete 0:0, und im Stadion machte sich ein kollektives Raunen breit. "Das kann ja heiter werden", murmelte ein älterer Fan, der sein Bier schon halb leer hatte. Doch kaum war die Pause vorbei, da schlug Gela zu: In der 46. Minute traf Vitorino Postiga nach Vorlage von David Martin - ein trockener Schuss aus 18 Metern, Torwart Floro streckte sich vergeblich. Ab da war es, als hätte jemand die Handbremse gelöst. Ivrea taumelte, Gela kombinierte. In der 67. Minute legte Marco Frechaut nach - und das nach schöner Vorarbeit von Ignacio Barbosa. Frechaut grinste danach in die Kameras: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du 20 Mal schießt, darf auch mal einer reingehen." Kurz darauf musste Innenverteidiger Serhat Aydemir verletzt ausgewechselt werden, aber selbst das brachte Gela nicht aus dem Rhythmus. Ersatzmann Tahsin Caliskan fügte sich nahtlos ein - und sah aus, als würde er lieber vorne noch ein Tor machen, so oft wie er sich in die Angriffe einschaltete. Ivrea schaffte es in 90 Minuten nicht, auch nur einen einzigen Schuss auf das Tor von Gela-Keeper Caio Nene abzugeben. Der musste sich am Ende mit Dehnübungen beschäftigen, um nicht einzurosten. "Ich hab mehr mit den Balljungen gesprochen als mit meinen Verteidigern", witzelte Nene nach Abpfiff. In der Schlussphase wurde es dann bitter für die Gäste. Erst erhöhte Tregubow in der 89. Minute auf 3:0 - endlich hatte er seine persönliche Serie abgeschlossen. Und kaum hatten die Fans aufgehört zu jubeln, legte erneut Frechaut in der 91. Minute das 4:0 nach, diesmal mustergültig bedient von Postiga. Es war das perfekte Ende eines Abends, der von Geduld, Dominanz und purem Offensivdrang erzählt. Trainer Müller wirkte zufrieden, aber nicht euphorisch. "Das war ordentlich, aber wir hätten zur Pause schon führen müssen. Wir haben das Spiel kontrolliert, aber manchmal kontrollierst du so sehr, dass du vergisst, Tore zu schießen." Ivreas Mannschaft verließ den Platz mit hängenden Köpfen. Ein Verteidiger soll, wie man hörte, im Tunnel geflüstert haben: "Zum Glück ist das kein Hin- und Rückspiel." Man kann es ihm nicht verdenken. Das Publikum verabschiedete die Hausherren mit stehenden Ovationen, und selbst einige Gästefans applaudierten anerkennend - wohl wissend, dass man an diesem Abend Teil eines Spiels war, das nur eine Richtung kannte. Am Ende bleibt eine klare Bilanz: Gela 4, Ivrea 0, Torschüsse 21:0, Ballbesitz 65:35 - eine Statistik, die fast so deutlich klingt, wie das Ergebnis aussieht. Und wenn man ehrlich ist, hätte es auch doppelt so hoch ausgehen können. "Wir fahren jetzt heim, schlafen drüber und hoffen, dass der Bus wenigstens nicht so wackelt wie unsere Abwehr", sagte Ivreas Kapitän mit einem gequälten Lächeln. Vielleicht war es eine Lehrstunde, vielleicht einfach nur ein schlechter Tag. Für Gela jedoch war es ein Fest. Und für alle, die dabei waren, ein Abend, der bewies: Geduld ist eine Tugend - aber vier Tore in 45 Minuten sind einfach schöner. 18.05.643997 23:14 |
Sprücheklopfer
Gerade diesen Nike-Spot sehe ich sehr negativ. Es beginnt jetzt die Reisezeit. Stellen Sie sich nur vor, die Kinder beginnen jetzt auf den Flughäfen mit Bällen herumzudribbeln.
Berti Vogts