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Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Stadionkiosk zu heiß lief. 43.500 Zuschauer im ausverkauften Gela-Stadion sahen ein Champions-League-Play-off-Hinspiel, das mit jeder Minute mehr nach Fußballfest roch. Am Ende hieß es 3:1 für Gela - ein Ergebnis, das Trainer Michael Müller mit einem gelassenen "Ich hätte nichts dagegen, wenn das Rückspiel genauso läuft" kommentierte. Dabei begann der Abend für die Gastgeber mit einem gehörigen Dämpfer. Schon in der 11. Minute traf Mario Berjon für die Herzliya Yellows - ein flinker Mittelfeldstratege mit einem Drang zum Risiko, der nach feinem Zuspiel von Rafael Brito den Ball trocken ins rechte Eck setzte. "Da haben wir uns wohl noch gegenseitig vorgestellt auf dem Platz", knurrte Gelas Innenverteidiger Tahsin Caliskan später. Tatsächlich wirkte die Abwehr in dieser Phase, als würde sie eher an die Abendplanung nach dem Spiel denken. Doch Gela schüttelte sich kurz, dann legte der Offensivmotor los. Pablo Tarrega - jener stoisch wirkende Mittelstürmer, der selten lächelt, aber regelmäßig trifft - glich in der 21. Minute aus. Nach Vorarbeit von Niels Wegener netzte er eiskalt ein, als wolle er sagen: "So, das war’s jetzt mit der Nervosität." Nur sieben Minuten später drehte Javier Vazques die Partie. Der flinke Linksaußen nahm einen Querpass von Ignacio Barbosa direkt und drosch ihn mit solcher Entschlossenheit unter die Latte, dass selbst Gäste-Keeper Cristian Barbu nur den Kopf schütteln konnte. "Wir wussten, dass Gela stark über die Flügel kommt, aber das war wie eine Lawine", seufzte Herzliya-Trainer Kula Shaker nach dem Spiel. Sein Team hatte zu diesem Zeitpunkt bereits alle Hände voll zu tun, die Angriffswellen der Hausherren abzuwehren. 15 Torschüsse verzeichnete Gela insgesamt - ein deutlicher Hinweis, wer hier das Heft in der Hand hielt. Die Yellows, die laut Taktikzettel von Beginn an defensiv und auf Konter ausgerichtet waren, kamen kaum zu Entlastungsangriffen. Ganze zwei Schüsse aufs Tor - einer davon war der Treffer von Berjon. Danach: Funkstille. Der Ballbesitz war mit 52 zu 48 Prozent zwar ausgeglichen, doch der Eindruck auf dem Rasen war ein anderer. Während Gela mit Offensivdrang und Pressing arbeitete, standen die Gäste tief und hofften auf Wunder - oder wenigstens auf den Halbzeitpfiff. Nach der Pause wechselte Müller den gelbverwarnten Jozef Kona aus und brachte Bernardo Ochoa. "Ich wollte nicht, dass er sich selbst abschießt", grinste der Coach. Herzliya reagierte ebenfalls, brachte frische Beine - aber keine frischen Ideen. Und so kam, was kommen musste: In der 57. Minute schloss Tarrega erneut ab, wieder nach Vorlage von Wegener. Ein klassischer Doppelpack, bei dem Präzision und Timing passten wie Maßanzug und Manschettenknopf. 3:1 - und das Stadion tobte. Von den Gästen kam danach nur noch wenig Widerstand. Ihr Pressing griff zu spät, ihre langen Bälle fanden höchstens die Werbebande. Trainer Shaker raufte sich mehrfach die Haare, während Müller entspannt an der Seitenlinie stand, die Hände in den Taschen, als wolle er sichergehen, dass ihm das Glück nicht entwischt. In der 79. Minute durfte dann noch Neuzugang Serhat Aydemir ran - und kassierte prompt Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", meinte der Verteidiger hinterher mit einem Augenzwinkern. Müller lachte: "Wenn er so weitermacht, merkt ihn garantiert jeder." Die Schlussphase war dann Schaulaufen. Gela spielte die Partie souverän herunter, gönnte sich noch ein paar Distanzschüsse (Cochran, Martins - beide knapp vorbei), und ließ den Ball durch die eigenen Reihen laufen. Die Fans sangen, die Ersatzspieler grinsten, und irgendwo in der Trainerkabine dürften schon die Rückspielpläne gekritzelt worden sein. Statistisch betrachtet war es ein klarer Fall: mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote (57 zu 43 Prozent), mehr Ideen. Aber man musste kein Statistikfreund sein, um zu erkennen, wer an diesem Abend den Ton angab. Selbst Herzliyas Kapitän Benyamin Neumann sagte fair: "Gela war einfach wacher. Uns fehlte der Mut, sie zu ärgern." So geht Gela mit einem komfortablen 3:1 ins Rückspiel - und darf vom großen Wurf träumen. Trainer Müller fasste es trocken zusammen: "Wir haben heute viel richtig gemacht. Aber ich kenne den Fußball - nächste Woche kann alles ganz anders aussehen." Vielleicht. Doch an diesem lauen Maiabend in Gela sah alles nach einer Mannschaft aus, die genau weiß, wohin sie will - und einem Publikum, das schon jetzt davon träumt, bald wieder die Champions-League-Hymne zu hören. 04.01.644000 18:33 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum