Tuttosport
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Gela schießt spät, aber gnadenlos - Derthona zerbricht in zehn Minuten

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball wieder einmal bewies, dass er kein gerechtes Spiel ist, sondern ein launischer Geschichtenerzähler. 50.589 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion von Derthona sahen eine Partie, die 73 Minuten lang nach Punkteteilung roch - und dann in ein zehnminütiges Inferno für die Gastgeber überging. Am Ende stand ein klares 0:3 gegen Gela, das sich so mühelos las, wie es auf dem Rasen keineswegs war.

"Wir waren 70 Minuten voll im Plan", knurrte Derthonas Trainer Max Italy nach dem Schlusspfiff, "und dann, ja, dann haben wir kollektiv beschlossen, das Verteidigen einzustellen." Ein Satz, der so ehrlich war, dass man fast applaudieren wollte - wenn man nicht gerade Anhänger des Heimteams wäre.

Dabei hatte Derthona gar nicht schlecht begonnen. Schon in der 11. Minute prüfte der 19-jährige David Beckham (ja, ein Namensvetter, aber kein Glamour-Boy) Gelas Torwart Willem Veeder mit einem kernigen Schuss aus 20 Metern. Kurz darauf verfehlte Cesare Centrale das Ziel nur um eine Schuhspitze. Die Gastgeber spielten mit Mut, Ballbesitz auf Augenhöhe - 47 Prozent - und einer ordentlichen Portion Leidenschaft. Nur Tore, die waren Mangelware.

Gela dagegen wirkte wie ein geduldiger Gast: höflich, unaufgeregt, aber stets bereit, wenn sich eine Gelegenheit bot. Javier Garcia testete Torhüter Salvatore Tiriolo gleich mehrfach (10., 50., 56., 63. Minute) - stets ohne Erfolg. "Ich wollte einfach nicht der Typ sein, der wieder daneben schießt", grinste Garcia später, nachdem sein Teamkollege Gawriil Tregubow ihm die Show gestohlen hatte.

Denn dann kam Minute 74. Ein ruhiger Angriff über die linke Seite, David Martin flankte scharf in den Strafraum - und Tregubow drosch den Ball humorlos unter die Latte. 1:0 Gela. Derthona taumelte, und ehe Trainer Italy an eine Auswechslung denken konnte, rappelte es erneut: Nur vier Minuten später stand Tregubow wieder goldrichtig, diesmal nach feiner Vorarbeit von Marco Frechaut. 2:0 - zwei Schüsse, zwei Treffer, zwei Stichwunden mitten ins Herz der Heimfans.

Und als ob das nicht genug wäre, setzte Niels Wegener in der 80. Minute den endgültigen Schlusspunkt. Aus 18 Metern, mit rechts, trocken ins Eck - Tregubow hatte diesmal den Pass gegeben. Gela spielte nun wie von der Leine gelassen, und Derthona wirkte wie ein Boxer, der nach dem dritten Niederschlag versteht, dass der Ringrichter nicht mehr zählen wird.

"Wir wollten eigentlich erst ab der 70. Minute pressen", erklärte Gela-Coach Michael Müller mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Taktikgenie und Schadenfreude pendelte. "Das hat ganz gut funktioniert." In der Tat: Während Derthona noch die Köpfe hängen ließ, rollte eine Angriffswelle nach der anderen auf Tiriolos Tor zu. 16 Schüsse auf den Kasten, 54 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die die Überlegenheit der Gäste untermauerten.

In der Nachspielzeit durfte Garcia noch einmal aus spitzem Winkel abziehen, doch diesmal rettete Tiriolo spektakulär. Ein Trostpflaster, das zumindest die Heimfans kurz aufatmen ließ. "Wir haben wenigstens schön verloren", meinte ein älterer Fan auf der Tribüne, "und das ist ja auch etwas."

Gela feierte dagegen ausgelassen, Tregubow wurde von seinen Mitspielern mit Wasser überschüttet. "Ich dachte, nach dem ersten Tor sei das Spiel vorbei", scherzte der Doppeltorschütze, "aber meine Beine hatten andere Pläne." Eine Aussage, die Gelas Abend perfekt zusammenfasste: lässig, effizient und eiskalt.

Für Derthona bleibt die Erkenntnis, dass man mit 70 guten Minuten eben kein Spiel gewinnt. Trainer Italy versprach dennoch Besserung: "Wir werden wieder aufstehen. Vielleicht schon nächste Woche. Oder übernächste." Man gönnte ihm diesen Hauch von Galgenhumor.

So endete ein Spiel, das lange ausgeglichen schien, aber in einem späten Sturm versank. Derthona hatte Mut, Gela hatte Geduld - und am Ende drei Tore in sechs Minuten. Fußball kann grausam sein. Doch für alle, die ihn lieben, war es ein herrlicher Abend voller Dramatik, Ironie und einer Lektion in Effizienz.

Und während die letzten Zuschauer das Stadion verließen, hörte man irgendwo einen kleinen Jungen sagen: "Papa, wann schießen wir auch mal so Tore?" Der Vater seufzte und antwortete: "Wenn Gawriil Tregubow für uns spielt, mein Sohn. Wenn er für uns spielt."

14.08.643996 09:13
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