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Es war einer dieser Abende, an denen der Ball scheinbar magnetisch angezogen wurde - allerdings nur von Spielern in Gelb. 43.500 Zuschauer im stimmungsvollen Stadion von Gela sahen am Dienstagabend einen 2:0‑Heimsieg ihrer Mannschaft gegen den SC Florenz. Das Ergebnis war so verdient wie ein Espresso nach einem langen Tag: kräftig, klar und mit einem Hauch Bitterkeit für die Gäste. Von der ersten Minute an zeigte Gela, dass man keine Lust auf Magerkost hatte. Schon nach fünf Minuten prüfte Jeno Lisztes den Florenzer Torhüter Ivar Lassen mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze - der Keeper parierte noch, doch es war ein Vorgeschmack. "Wir wollten gleich zeigen, wer hier kocht", grinste Trainer Michael Müller nach dem Spiel. "Und diesmal war’s kein lauwarmes Menü." Florenz hingegen begann durchaus mutig. Der 25‑jährige Dirk Voigt feuerte gleich zweimal in den Anfangsminuten aufs Tor, als wolle er die Heimfans schocken. Doch Gelas Torwart Caio Nene blieb unbeeindruckt, klatschte die Bälle weg und rief seinen Verteidigern etwas zu, das entfernt wie ein Rezept klang: "Mehr Salz in der Suppe!" Nach einer halben Stunde war es dann so weit: Vitorino Postiga spielte einen dieser Pässe, die man eigentlich rahmen müsste - perfekt in den Lauf von Niels Wegener. Der 27‑jährige zentrale Mittelfeldmann nahm Maß, schlenzte den Ball in der 33. Minute ins lange Eck und ließ die Tribünen beben. 1:0. "Ich hatte kurz überlegt, ob ich nochmal quer lege", sagte Wegener hinterher, "aber dann dachte ich: Wenn du’s nicht probierst, wirst du’s nie wissen." Postiga grinste daneben: "Ich wusste, dass er schießt. Er schießt immer, wenn ich laufe." Florenz wirkte geschockt. Und das lag nicht nur am Gegentor, sondern auch an der Gelben Karte für Innenverteidiger Benjamin Fergusson kurz vor der Pause, der bei einem Zweikampf etwas zu deutlich erklärte, was er von Gelas Offensivdrang hielt. "Er wollte den Ball treffen", murmelte Trainer Mario Weinzettl später und hob die Schultern. "Nur stand da halt jemand im Weg." Nach der Pause wechselte Weinzettl den jungen Tommaso Centrale aus und brachte mit Gianluca Gallo einen frischen Stürmer. Doch auch das brachte keine Wende. Gela blieb druckvoll, fast wie ein Konzert, das nur eine Melodie kennt - Angriff. Zwischen der 50. und 70. Minute prasselten Schüsse im Minutentakt auf das Tor der Gäste. Mal Wegener, mal Vazques, mal Meira - 25 Torschüsse standen am Ende auf dem Statistikblatt. In der 64. Minute fiel schließlich die Entscheidung: Wieder war es Postiga, der mit Übersicht den Ball in den Lauf von Filipe Meira spitzelte. Der Portugiese schob mit der Ruhe eines erfahrenen Kellners ein - 2:0. "Ich sah, dass der Torwart schon auf dem Weg nach links war", erklärte Meira später, "also dachte ich mir: Dann geh ich halt rechts vorbei." Florenz versuchte es in der Schlussphase noch einmal, aber selbst die Hereinnahme von Gallo brachte keinen Offensivschub. Sechs Torschüsse insgesamt - und keiner wirklich gefährlich. Gelas Abwehr, angeführt vom souveränen Serhat Aydemir, ließ kaum etwas zu. "Wir haben gefühlt jeden langen Ball abgefangen", meinte Aydemir. "Ich hatte fast Mitleid mit ihrem Stürmer. Fast." In den letzten Minuten gönnte Müller seinen Stammspielern Applauswechsel: Lindström kam für Lisztes, Kona für Ochoa, Tregubow für Cochran - und das Publikum klatschte begeistert. Mit 55,6 Prozent gewonnener Zweikämpfe und knapp 51 Prozent Ballbesitz war Gela nicht nur optisch überlegen, sondern auch statistisch Herr im eigenen Haus. Trainer Müller zeigte sich nach Abpfiff gewohnt trocken: "Das war solide. Kein Feuerwerk, aber immerhin haben wir diesmal das Streichholz gefunden." Weinzettl hingegen sprach von einer "Lernlektion": "Wenn du 90 Minuten hinterherläufst, lernst du, wie teuer Fehler sind." So ging ein Abend zu Ende, an dem Gela mit Leidenschaft und Präzision überzeugte und Florenz mit Fragezeichen im Gepäck nach Hause fuhr. Der Sieg katapultiert Gela weiter in die obere Tabellenhälfte, während Florenz sich fragt, ob man in der Kabine vielleicht mal neue Schuhe braucht - oder einfach einen neuen Plan. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions: "Schöner Fußball - so wie früher, nur mit WLAN." Mehr muss man über diesen Abend eigentlich nicht wissen. 07.11.643999 21:37 |
Sprücheklopfer
Wer Erster ist, hat immer recht. Ich habe also recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.
Otto Rehhagel