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Wenn 43.500 Zuschauer an einem lauen Maiabend ins Stadion kommen, hoffen sie auf Drama. Gela lieferte - zumindest für die Heimfans - ein Schauspiel, das an eine gut geölte Maschine erinnerte. Der 3:0-Sieg gegen den FC Udinese am 12. Spieltag der 1. Liga Italien war so souverän, dass selbst Trainer Michael Müller am Ende etwas ratlos grinste: "Ich hätte gern noch ein bisschen Spannung gehabt, aber meine Jungs haben das früh erledigt." Tatsächlich dauerte es nur 20 Minuten, bis Julian Martins, der flinke Linksfuß mit der Ruhe eines Schachspielers, die Partie eröffnete. Nach einem schönen Zuspiel von Rechtsverteidiger Bernardo Ochoa zog Martins trocken ab - 1:0. Der Jubel? Eher ein erleichtertes Aufatmen. Udinese hatte bis dahin zweimal aufs Tor geschossen, doch Gelas Torhüter Caio Nene hatte mehr Langeweile als Arbeit. Nur zehn Minuten später kam das, was man in Gela inzwischen als "Barbosa-Moment" bezeichnet: Ignacio Barbosa, der rechte Mittelfeldspieler mit der Präzision eines Uhrwerks, hämmerte den Ball nach Vorarbeit von Martins zum 2:0 ins Netz. Das Stadion tobte, und Udineses Trainer Emiliano Dicetutto sah schon da aus, als überlege er, ob er morgen lieber Golf spielen sollte. "Wir waren in der ersten Halbzeit einfach zu höflich", sagte Dicetutto später. "Vielleicht hätten wir sie öfter mal stören sollen - oder überhaupt." Udinese beschränkte sich auf Konter, die so gefährlich wirkten wie eine nasse Streichholzschachtel. Nur fünf Torschüsse brachte der Gast zustande - gegen 25 von Gela, die Ballbesitzwerte (59 zu 41 Prozent) sprachen Bände. Nach der Pause versuchte Dicetutto mit frischen Ideen, das Ruder herumzureißen. Aber kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, klingelte es erneut: In der 48. Minute traf David Martin zum 3:0, nach Vorarbeit von - wer sonst - Barbosa. Müller jubelte nicht mal mehr groß, sondern drehte sich zu seinem Banknachbarn und murmelte: "Wenn’s läuft, dann läuft’s." Danach war’s nur noch Kür. Gela spielte, Udinese lief hinterher. Martins hatte Lust auf mehr, versuchte es immer wieder - ganze neun Torschüsse gingen auf sein Konto. Hätte er etwas mehr Zielwasser getrunken, hätte er den Ball wohl auch mit verbundenen Augen reingeschoben. In der 52. Minute wurde es kurz ungemütlich: Ochoa, der Vorlagengeber zum ersten Tor, verletzte sich bei einem Zweikampf und musste raus. Für ihn kam Jozef Kona, der sich prompt eine Gelbe Karte abholte - offenbar als Zeichen, dass auch er sich bemerkbar machen wollte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", grinste Kona später in der Mixed Zone. Udinese wechselte dreimal, brachte frische Kräfte, darunter Rolando Pugliese und Mattia Tomasi, doch der Effekt blieb aus. Gela kontrollierte das Geschehen mit der Gelassenheit einer Mannschaft, die wusste: Hier brennt nichts mehr an. Selbst als Udinese in der 81. und 89. Minute noch ein paar müde Schüsschen abgab, applaudierten die Heimfans eher mitleidig. Trainer Müller lobte nach dem Spiel vor allem die Balance seines Teams: "Wir haben nicht überdreht, einfach Fußball gespielt. Das klingt banal, ist aber das Schwierigste." Dicetutto hingegen nahm’s mit Galgenhumor: "Ich habe meinem Torwart gesagt, dass er wenigstens eine schöne Aussicht hatte. Drei Tore kassieren ist nie schön, aber wenigstens hatte er viel Sonne im Gesicht." Statistisch war’s ein Klassenunterschied: 25:5 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dominanter Ballbesitz. Selbst die Passquote des Heimteams schien an diesem Abend von einer höheren Macht geführt. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit Sprechgesängen - und einem Gefühl, dass Gela in dieser Saison noch Großes vorhat. In der Kabine soll Barbosa beim Ausziehen gesagt haben: "Ich hab’ heute gar nicht geschwitzt." Martins habe nur gelacht und geantwortet: "Warte bis nächste Woche." Ein Abend, der zeigte, dass Fußball nicht immer Drama braucht, um zu begeistern. Manchmal reicht Präzision, Spielfreude - und ein Gegner, der höflich genug ist, zuzusehen. Und so ging Gela in den Mai, während Udinese wohl noch lange überlegt, wo der Ball eigentlich die ganze Zeit war. 15.10.643999 18:59 |
Sprücheklopfer
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