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Es war einer dieser Abende, an denen Statistiker verzweifeln und Romantiker triumphieren. 32.896 Zuschauer im Stadio Pino Zaccheria sahen eine AS Foggia, die den Ball liebte - und Gela, das lieber Tore schoss. Am Ende stand ein 1:2 (0:2) aus Sicht der Gastgeber, und Trainer Santa Feee sah aus, als hätte sie gerade herausgefunden, dass Ballbesitz keine Punkte gibt. Foggia begann mit viel Schwung, mit einer offensiven Ausrichtung, die schon in der ersten Minute klar war: Angriff ist die beste Verteidigung - manchmal aber auch die beste Einladung für Konter. Bereits nach drei Minuten prüfte Tommaso Sartori Gästetorwart Caio Nene mit einem satten Linksschuss. "Da dachte ich: Wenn das so weitergeht, nehmen wir sie auseinander", sagte Sartori später mit einem gequälten Lächeln. Es ging aber nicht so weiter. Gela, taktisch ebenso offensiv, aber effizienter, nahm nach und nach das Heft in die Hand. In der 16. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz: Rechtsverteidiger Jozef Kona, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich gar kein Stürmer ist, drosch den Ball aus vollem Lauf ins rechte Eck. Foggias Keeper Archie Almond streckte sich vergeblich. "Ich hab nur den Wind gespürt", murmelte Almond nach dem Spiel. Neun Minuten später folgte der nächste Schlag: Serhat Aydemir, eigentlich Innenverteidiger und normalerweise mit dem eigenen Strafraum beschäftigt, köpfte nach einer butterweichen Flanke von Julian Martins das 0:2. Das war so überraschend, dass selbst Gela-Trainer Michael Müller auf der Bank kurz die Stirn runzelte - und dann grinste. "Wir üben das nie. Vielleicht sollten wir", sagte er später augenzwinkernd. Foggia reagierte mit Wut, Herz und, nun ja, noch mehr Ballbesitz. Bis zur Pause standen 55 Prozent auf der Statistiktafel, aber das half wenig. Gela blieb gefährlicher, schoss insgesamt 16-mal aufs Tor - viermal so oft wie die Gastgeber. Feee schickte ihre Spieler mit den Worten in die Kabine: "Ihr dürft den Ball auch mal loslassen, der kommt schon wieder!" Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Foggia rannte, kombinierte, suchte Lücken, fand aber nur die massige Abwehr um Aydemir und Francisco Dominguez. Müller ließ seine Mannschaft klug zurückfallen, vertraute auf schnelle Flügelspieler wie Javier Vazques und Filipe Meira, die immer wieder gefährlich auf Almonds Kasten schossen. Zwischendurch wurde es ruppiger: Domenico Marano sah bei Foggia schon in der 24. Minute Gelb, Gela sammelte im zweiten Durchgang gleich drei Verwarnungen - Postiga (68.), Lisztes (71.) und Semedo (75.) hielten das Foulspiel offenbar für eine neue Kunstform. "Manchmal muss man eben Farbe bekennen", scherzte Müller trocken. In der 84. Minute dann endlich ein Lichtblick für Foggia: Mirko di Catanzaro, der junge Linksverteidiger mit Offensivdrang, traf nach Vorarbeit von Simone Trevisan mit einem strammen Schuss zum 1:2. Das Stadion erwachte, Santa Feee sprang an der Seitenlinie auf und brüllte: "Jetzt glaubt dran!" - doch Gela antwortete prompt mit zwei weiteren gefährlichen Abschlüssen, als wolle man sagen: "Träumen darf man, aber bitte nicht zu viel." Die Schlussphase gehörte wieder den Gästen, die trotz Pressing und vollem Einsatz keine weiteren Treffer erzielten, aber die Partie clever zu Ende spielten. Als Schiedsrichter Mazzolini nach 93 Minuten abpfiff, fiel Michael Müller seiner Bank in die Arme. "Wir wussten, Foggia hat Qualität, aber wir hatten heute einfach mehr Mut zum Risiko", erklärte der Trainer später mit einem Lächeln, das verriet, dass er genau das geplant hatte. Foggia-Coach Feee hingegen sprach von "einem Lehrstück in Sachen Effizienz". "Wir hatten den Ball, sie die Tore - das ist die einfache Mathematik des Fußballs", sagte sie und verschwand Richtung Kabine, während einige Fans höhnisch riefen: "Mehr Ballbesitz, bitte!" Am Ende stand eine bittere Erkenntnis: 55 Prozent Ballbesitz, vier Schüsse aufs Tor, aber nur ein Treffer - Fußball bleibt eben kein Schönheitswettbewerb. Gela dagegen feierte den ersten Auswärtssieg der Saison, und Aydemir grinste, als man ihn nach seinem Tor fragte: "Ich wollte eigentlich klären, aber dann war der Ball halt drin." Ein Spiel, das zeigt: Nicht immer gewinnt der, der den Ball hat. Sondern manchmal der, der weiß, was er damit anfangen soll. Und irgendwo in den Katakomben des Stadions soll Santa Feee leise gesagt haben: "Nächstes Mal spielen wir vielleicht einfach mal hässlich." - Ein Satz, der nach einem Abend wie diesem erstaunlich schön klingt. 26.04.643997 01:12 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack