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Man hatte den Eindruck, als hätte AS Mailand an diesem Pokalabend im San Siro vergessen, dass es sich um ein Achtelfinale handelte. 43.500 Zuschauer sahen ein Spiel, das eher wie ein vorsaisonales Freundschaftstreffen wirkte - zumindest aus Sicht der Gastgeber. Gela hingegen spielte, als ginge es um ihr Leben. Am Ende stand ein glasklares 0:3 (0:1) auf der Anzeigetafel, und die Gäste aus Sizilien zogen verdient in die nächste Runde ein. Dabei fing alles noch halbwegs ordentlich an. Mailand setzte, wie Trainer Onerom Jackson später betonte, "von Beginn an auf Offensive". Zumindest auf dem Papier. In der Realität war der Offensivgeist so unsichtbar wie ein Espresso ohne Koffein. Nach nur acht Minuten kassierte der 17-jährige Linksverteidiger Filippo Carli die erste Gelbe Karte - ein Zeichen jugendlicher Nervosität oder übertriebener Leidenschaft, je nachdem, wen man fragte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", murmelte Carli nach dem Spiel, während er an seinem Energydrink nippte. Gela hingegen war hellwach. In der 19. Minute zirkelte Gawriil Tregubow den Ball nach Vorarbeit von Samuel Perlman ins Netz - ein Schuss, der so trocken kam, dass selbst der Mailänder Rasen kurz den Atem anhielt. 0:1, und es fühlte sich schon da deutlich an. "Wir wussten, dass sie früh Druck machen", erklärte Jackson. "Wir wussten nur nicht, dass sie es so konsequent tun würden." Mailand fand offensiv kaum statt. Zwei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände, oder besser gesagt: flüstern leise Entschuldigungen. Noach Dag versuchte es zweimal (51. und 63. Minute), beide Male ungefährlich. "Ich hab’s probiert", sagte der 33-Jährige mit einem Schulterzucken. "Aber manchmal ist das Tor kleiner als sonst." Gela dagegen schien Spaß zu haben. Filipe Meira, Javier Vazques und Pablo Tarrega feuerten aus allen Lagen. Und kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, legte Innenverteidiger Tahsin Caliskan nach - ja, ein Innenverteidiger! Nach einer Ecke stand er goldrichtig und schob den Ball in der 46. Minute über die Linie. 0:2, und auf der Mailänder Trainerbank wurde es still. Nur acht Minuten später machte Tarrega endgültig alles klar. Der bullige Mittelstürmer nutzte eine Flanke von Serhat Aydemir und köpfte unhaltbar zum 0:3 ein. Das Stadion verstummte - bis auf die 500 mitgereisten Gela-Fans, die ihre Stimmen vermutlich bis heute nicht wiedergefunden haben. Von da an verwaltete Gela das Ergebnis mit einer stoischen Ruhe, die man sonst nur bei sizilianischen Großmüttern beim Brotbacken sieht. Trainer Michael Müller grinste nach Abpfiff: "Wir haben einfach Fußball gespielt. Vielleicht war das der Unterschied." Statistisch unterstrich alles das klare Bild: 14 Schüsse aufs Tor für Gela, nur zwei für die Mailänder. Ballbesitz fast ausgeglichen, aber was nützt 48 Prozent, wenn man nicht weiß, wohin mit dem Ball? Auch in den Zweikämpfen war Gela überlegen - 58 Prozent gewonnene Duelle, und das ohne übertriebene Härte. Lediglich Aydemir sah kurz vor der Pause Gelb, nachdem er einem Mailänder Stürmer etwas zu deutlich den Weg erklärte. In der Schlussphase gönnte sich Müller den Luxus, durchzuwechseln: David Martin kam für Julian Martins, später Niels Wegener für Philippe Graves. Beide fügten sich nahtlos ein, als wären sie schon immer Teil eines Systems, das erstaunlich einfach klang - aber perfekt funktionierte. AS Mailand hingegen wirkte ratlos. Trainer Jackson verschwand nach dem Schlusspfiff wortlos in den Katakomben, nur um zehn Minuten später zurückzukehren und auf der Pressekonferenz zu sagen: "Wir haben Lehrgeld bezahlt. Vielleicht eine ganze Jahresmiete." Ob das junge Team daraus lernt, bleibt abzuwarten. Ein wenig Mut machte immerhin die Szene in der 85. Minute, als der 17-jährige Carli trotz des Debakels noch einmal beherzt nach vorne stürmte - nur um dann den Ball ins Seitenaus zu dreschen. Der Applaus der Fans war mehr Mitleid als Anerkennung, aber immerhin: Er klang ehrlich. Gela darf nun vom Viertelfinale träumen, und Müller kündigte schon an: "Wenn wir so weiterspielen, müssen die anderen sich warm anziehen." In Mailand dagegen wird man sich fragen, wie man aus einem offensiven Konzept derart defensive Statistiken basteln konnte. Vielleicht hilft ja ein Trainingslager - oder ein Espresso mit doppelt Koffein. 18.09.643996 03:05 |
Sprücheklopfer
Vielleicht ist ja jemand aus der Uwe-Seeler-Traditionself dabei.
Stefan Effenberg auf die Frage nach Verstärkungen beim FC Bayern