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Gela stürmt ins Pokal-Viertelfinale - Tigri Cremonesi ohne Biss

Manchmal erzählen die Zahlen die Geschichte besser als jedes Adjektiv: 16 zu 8 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, 2:0 am Ende. Gela war an diesem Pokalabend die reifere, direktere und - ja, auch das - abgeklärtere Mannschaft. 40.000 Zuschauer im Cremona-Stadion sahen, wie die Tigri Cremonesi trotz anständiger Moral nie wirklich zubeißen konnten.

Es begann eigentlich vielversprechend für die Gastgeber. In der dritten Minute prüfte Georges Gramont Gästetorhüter Pattrick Gabriel mit einem satten Schuss aus halbrechter Position. Gabriel, mittlerweile 34 und mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat, wischte den Ball seelenruhig zur Ecke. "Ich hab’ den Wind gerochen", grinste er später. Leider sollte das schon der stürmischste Moment der Tigri-Offensive bleiben.

Denn nach einer guten Viertelstunde übernahm Gela. Trainer Michael Müller hatte seine Elf offensiv eingestellt, und die Gäste kombinierten mit Lust und Tempo. In der 24. Minute fiel das logische 0:1: Innenverteidiger Tahsin Caliskan, der sich bei einer Ecke einfach mal in den Strafraum mogelte, nickte den Ball nach Flanke von Jeno Lisztes wuchtig ins Netz. Ein Innenverteidiger mit Torinstinkt - nicht alltäglich. "Ich bin halt vielseitig", meinte Caliskan nach dem Spiel und zuckte dabei mit den Schultern, als würde er das jeden Samstag machen.

Tigri-Trainer Alexander Probost reagierte an der Seitenlinie mit einem Gesichtsausdruck zwischen Kopfschütteln und mildem Entsetzen. Seine Elf spielte weiterhin defensiv, als ginge es um das Torverhältnis in der Liga, nicht ums Überleben im Pokal. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Probost hinterher, "leider standen wir zu kompakt - nämlich alle im eigenen Strafraum."

Kurz vor der Pause wurde es noch einmal hitzig: Gelas Verteidiger Serhat Aydemir sah Gelb, und die Stimmung auf den Rängen kochte kurz hoch. "Der Schiri hatte wohl Frühlingsgefühle", murmelte ein Zuschauer in Block D, nachdem auch der Cappuccino übergekocht war.

Zur zweiten Halbzeit brachte Probost Teodor Gregersen für den angeschlagenen Ignacio Carvalho - eine Maßnahme, die zumindest frischen Elan versprach. Doch kaum hatte man sich wieder gesetzt, klingelte es erneut: In der 53. Minute kombinierte sich Gela sehenswert durch die linke Seite. Julian Martins flankte butterweich, und Javier Vazques, der schon zuvor mehrfach gefährlich aufgetaucht war, vollendete per Direktabnahme zum 0:2. "Das war ein bisschen wie im Training", lachte Vazques. "Nur dass da keiner jubelt, wenn ich treffe."

Danach spielte Gela die Partie routiniert herunter. Die Gäste wirkten, als hätten sie noch ein bis zwei Gänge im Tank, während Tigri Cremonesi sich mühte, wenigstens ein Ehrentor zu erzwingen. Gramont scheiterte erneut (55.), Daniel Tristan ebenfalls (59., 75.), und als Alfonso Viana in der 87. Minute einen Distanzschuss knapp über den Querbalken setzte, war klar: Heute sollte es einfach nicht sein.

Die Statistik untermauerte den Eindruck: 47,8 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, 52,2 für Gela - knapp, aber inhaltlich eindeutig. Die Gäste gewannen mehr Zweikämpfe (52,7 Prozent) und wirkten in jeder Phase entschlossener. Selbst der späte Wechsel von Lucas Cochran auf Julien Matthieu (68.) brachte noch einmal frischen Wind auf der rechten Seite, während Tigri längst die Köpfe hängen ließ.

"Wir haben zu brav gespielt", sagte Kapitän Viana nach dem Abpfiff. "Manchmal muss man auch mal ein bisschen unhöflich sein." Trainer Probost nickte dazu schweigend - vielleicht, weil er wusste, dass das Pokal-Abenteuer seiner Mannschaft an diesem Abend zu höflich, zu brav, zu vorsichtig verlaufen war.

Auf der anderen Seite gönnte sich Gela-Coach Müller einen seltenen Moment der Selbstzufriedenheit: "Ich sag’s ungern, aber wir waren heute einfach besser. Und das ist ein schönes Gefühl."

Das Stadion leerte sich langsam, die Flutlichter glühten noch ein paar Minuten nach, und irgendwo auf der Haupttribüne summte jemand "Always look on the bright side of life" - vielleicht als Trost für Tigri Cremonesi. Für Gela dagegen strahlt die Pokal-Zukunft hell - und wer weiß, vielleicht war dieser Abend der Beginn einer kleinen Sensationsgeschichte.

Schlusswort? Vielleicht dies: Wer den Mut hat, mit einem Innenverteidiger das Toreschießen zu beginnen, darf ruhig vom Finale träumen.

18.03.643994 15:20
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Giovanni Trappatoni
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