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Gela tanzt - Brescia stolpert: 3:0 und ein Abend zum Genießen

Im Stadio Comunale von Gela war an diesem lauen Maiabend alles angerichtet für Fußball mit Schaumkrone: Flutlicht, 43.500 gut gelaunte Zuschauer, und zwei Mannschaften, deren Selbstverständnis kaum unterschiedlicher hätte sein können. Auf der einen Seite Gela, offensiv eingestellt, spielfreudig und unter Trainer Michael Müller in blendender Verfassung. Auf der anderen US Brescia, die mit breiter Brust und einem offensiven Plan anreisten - und dann doch wie ein Cabrio im Gewitter dastanden.

Schon nach wenigen Minuten war klar, dass Brescias Offensivdrang nur auf dem Papier existierte. Zwar gehörte ihnen mit 52 Prozent der Ballbesitz, doch was sie damit anfingen, war ungefähr so gefährlich wie ein nasser Strohhalm. Zwei kümmerliche Schüsse aufs Tor - das war die gesamte Ausbeute. Gela dagegen feuerte 21 Mal Richtung Kasten, als wollten sie den Ball eher durch pure Willenskraft ins Netz zwingen.

In der 20. Minute platzte der Knoten. Julian Martins, der quirlige Linksaußen, zog nach Doppelpass mit Javier Deco nach innen und hämmerte den Ball aus 16 Metern unter die Latte - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Martins später in der Mixed Zone. "Wenn du so triffst, tust du auch nicht so, als wäre das geplant." Trainer Müller ergänzte trocken: "Julian trifft den Ball manchmal mit dem linken, manchmal mit dem Glück - heute mit beidem."

Kaum hatte Brescia sich gesammelt, klingelte es erneut. Zehn Minuten später fand Martins mit einem butterweichen Pass Lucas Cochran auf der rechten Seite. Der Veteran nahm den Ball volley, der Ball küsste noch die Unterkante der Latte - 2:0. Cochran rannte jubelnd zu den Fans, formte ein Herz mit den Händen und brüllte: "Für meine Oma! Sie hat gesagt, ich soll mal wieder treffen!" Ob die gute Frau später vor Freude den Fernseher umarmte, ist nicht überliefert.

Nach der Pause machte Gela weiter, als wollten sie den Gegner endgültig in Einzelteile zerlegen. Nur die Chancenverwertung verhinderte ein Desaster für Brescia. Torwart Nevio Viana rettete mehrfach spektakulär, während seine Vorderleute ratlos wirkten. Trainer Müller brachte nach 45 Minuten Jeno Lisztes für den gelbverwarnten Lindstrom - eine Maßnahme, die mehr mit Schadensbegrenzung als mit Notwendigkeit zu tun hatte. Später folgten noch Jozef Kona und Daniel Fabbri, die das Mittelfeld stabil hielten, während Niels Wegener nach einer Gelben Karte vorsichtshalber vom Feld durfte.

Brescia versuchte es weiter mit gepflegtem Offensivfußball, aber das war wie ein Versuch, mit einem Kaffeelöffel ein Loch in Beton zu graben. Ihr gefährlichster Moment kam in der 82. Minute, als Zvonimir Damjanovic aus 20 Metern abzog - Gelas Keeper Caio Nene tauchte ab und kratzte den Ball aus dem Eck. Der Applaus des Publikums galt weniger Brescia als Nenes artistischer Parade.

Dann die 89. Minute: Vitorino Postiga, der heimliche Taktgeber Gelas, schickte Pablo Tarrega mit einem Pass durch die Abwehr, der so präzise war, dass man ihn rahmen könnte. Tarrega blieb cool, schob den Ball an Viana vorbei - 3:0, Deckel drauf. "Ich hab kurz überlegt, ob ich querlege", sagte Tarrega hinterher, "aber dann dachte ich: Wenn du so lange rennst, darfst du auch selbst abschließen."

Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Deco versuchte sich noch an einem artistischen Schlenzer (93.), verfehlte knapp, grinste aber dabei, als hätte er gerade einen Freistoß ins Kreuzeck gezirkelt. Trainer Müller stand an der Seitenlinie, verschränkte die Arme und murmelte: "So darf’s öfter laufen."

Das Publikum feierte seine Mannschaft mit stehenden Ovationen, während Brescia-Spieler Marco Bellini den Kopf schüttelte: "Wir hatten den Ball, aber keine Idee. Und ohne Idee ist Ballbesitz nur Statistik." Treffender kann man es kaum sagen.

Am Ende blieb ein klarer 3:0-Erfolg für Gela, der in seiner Souveränität fast beängstigend war. Drei Tore, drei verschiedene Torschützen, drei Gelbe Karten - Zahlen, die zeigen: Müller hat seine Elf perfekt austariert. Der Coach wirkte nach dem Spiel gelöst wie selten: "Wir haben den Plan umgesetzt, den Gegner laufen lassen und unsere Chancen genutzt. Und ja - ich gönn mir heute Abend ein Glas Rotwein."

Fazit: Ein Abend, an dem Gela zeigte, dass Effizienz manchmal schöner anzusehen ist als Ballbesitz-Geschiebe. Brescia dagegen wird sich fragen, wie man mit so viel Ball und so wenig Biss heimfahren kann. Vielleicht hilft ihnen ja ein kräftiger Espresso - oder zwei - beim Verarbeiten.

22.05.644000 16:56
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