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Gela überrollt Florenz - Tarrega tanzt, Weinzettl verzweifelt

47781 Zuschauer im ehrwürdigen Artemio-Franchi-Stadion rieben sich am Samstagabend verwundert die Augen. Was als gewöhnlicher Heimauftritt des SC Florenz begann, endete als fußballerischer Albtraum und als Gala-Vorstellung des Außenseiters Gela. 0:5 hieß es am Ende - und man muss sagen: es hätte schlimmer kommen können.

Denn Gela spielte von der ersten Minute an so, als hätte man die Kabinentür mit Espresso statt Motivation geöffnet. Schon nach gerade einmal 60 Sekunden donnerte Tiago Almeida den Ball ins florentinische Netz. "Ich war selbst überrascht, wie frei ich stand", grinste der portugiesische Stürmer später. Florenz’ Keeper Ivar Lassen dürfte das weniger lustig gefunden haben - er hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal seine Handschuhe richtig eingerieben.

Doch Gela beließ es nicht beim frühen Schock. In der 14. Minute zirkelte Pablo Tarrega nach feinem Zuspiel von Niels Wegener den Ball unhaltbar ins lange Eck - 0:2. Trainer Mario Weinzettl raufte sich schon da die Haare. "Wir wollten eigentlich ruhig aufbauen und Geduld haben", murmelte er nach dem Spiel, "aber Gela hatte offensichtlich kein Interesse am Warten."

Florenz mühte sich redlich, kam zu sechs Torschüssen, die allerdings so harmlos waren, dass Gelas Torhüter Albert Valente vermutlich in Ruhe hätte Sudoku spielen können. In der 20. Minute versuchte Rene Anderson sein Glück aus der Distanz, wenig später der junge Luca Bonifati - aber Valente pflückte alles, was in seine Richtung flog, mit stoischer Ruhe herunter.

Gela dagegen zelebrierte Angriffslust: 17 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz und eine Effizienz, die jedem Statistikliebhaber Freudentränen in die Augen trieb. Nach der Pause wurde es noch bitterer für die Gastgeber. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, traf Vitorino Postiga nach einer Ecke von Timo Schlotterbeck - das 0:3 in der 47. Minute. Florenz’ Defensive wirkte dabei so geordnet wie ein italienischer Straßenverkehr an einem Montagmorgen.

Die Fans von Florenz versuchten, ihre Mannschaft mit Gesängen aufzuwecken. Doch auf dem Feld schien eher Gela wach zu sein. Besonders Pablo Tarrega hatte offenbar beschlossen, dass zwei Tore noch kein Abendwerk sind. In der 85. Minute war er nach Vorarbeit von Marco Frechaut zur Stelle - 0:4. Nur zwei Minuten später legte er, bedient von Niels Wegener, noch einen drauf. Ein lupenreiner Hattrick über zwei Halbzeiten hinweg - und ein Albtraum für Florenz. "Ich liebe solche Nächte", sagte Tarrega danach mit einem verschmitzten Lächeln. "Manchmal spürt man einfach, dass alles gelingt."

Trainer Michael Müller von Gela, sonst eher sachlich, erlaubte sich nach Abpfiff einen Scherz: "Wir wollten früh treffen - Tiago hat das ein bisschen zu wörtlich genommen." Müller hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, ließ sie mit Mut und Wucht nach vorne spielen. Pressing war zwar offiziell "NO", aber man hatte eher den Eindruck, dass Gela jeden Ball als Einladung verstand, sofort wieder anzugreifen.

Bei Florenz herrschte dagegen betretenes Schweigen. "Wir haben zu brav gespielt", gab Kapitän Rene Anderson zu. "Vielleicht hätten wir einfach mal jemanden umgrätschen sollen." Tatsächlich zeigte die Statistik: Florenz gewann nur 45 Prozent der Zweikämpfe - das ist in einem Spiel, in dem man permanent hinterherläuft, schlicht zu wenig.

Weinzettl versuchte, in der 75. Minute mit gleich drei Wechseln frischen Wind zu bringen. Yilmaz, Agirre und Pauleta kamen - aber der Wind blieb aus. Stattdessen lugte Müller auf der Gegenseite verschmitzt zur Uhr, brachte noch den 18-jährigen Enzo Ricci - fürs Debüt und das Gefühl, Teil eines perfekten Abends zu sein.

Als Schiedsrichter Lucarelli nach 93 Minuten abpfiff, stand auf der Anzeigetafel ein 0:5, das den Spielverlauf ziemlich genau abbildete. "Das war heute eine Lehrstunde in Effizienz", sagte ein Florenzer Fan mit Galgenhumor. "Leider auf der falschen Seite."

Man darf gespannt sein, wie Florenz auf dieses Debakel reagiert. Trainer Weinzettl versprach, "die Woche sehr, sehr lang werden zu lassen". Gela hingegen reist mit breiter Brust nach Hause - und mit einem Tarrega, der vermutlich auch im Bus noch von Toren träumt.

Vielleicht ist das schönste Zitat des Abends aber von Gelas Kapitän Wegener: "Wir sind keine Zauberer", sagte er, "aber heute haben wir ein bisschen gezaubert."

Und wer das gesehen hat, wird ihm kaum widersprechen.

19.01.644003 21:15
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Ich kann es mir als Verantwortlicher für die Mannschaft nicht erlauben, die Dinge subjektiv zu sehen. Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, dann werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen.
Erich Ribbeck
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