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Gela und Catania liefern sich ein 2:2-Feuerwerk der verpassten Chancen

Es war ein lauer Maiabend im Stadio di Gela, 43.500 Zuschauer, eine Atmosphäre zwischen Romanze und Raserei - und am Ende ein Spiel, das niemand so recht gewinnen wollte. 2:2 hieß es nach 90 intensiven Minuten zwischen Gela und AS Catania, und ehrlich gesagt: Das war das gerechteste aller Ergebnisse, auch wenn beide Trainer das natürlich ganz anders sahen.

Dabei begann alles, als hätte Catania beschlossen, den Gastgebern einmal zu zeigen, was Effizienz bedeutet. In der 7. Minute nahm der 21-jährige Miguel Gutierrez einen Pass von Peter Behrendt so elegant an, dass selbst die Tauben auf der Haupttribüne kurz den Flug stoppten. Ein Haken, ein Schlenzer - 0:1. Gela-Trainer Michael Müller sprang auf, riss die Arme hoch und brüllte etwas, das entfernt wie "Das war abseits!" klang, aber wohl eher ein emotionales Ventil war.

Zwei Minuten später antwortete Gela mit der Kaltschnäuzigkeit eines Teams, das gar nicht nachgedacht hat. Julian Martins, der linke Mittelfeldmann mit der Präzision eines Uhrwerks, verwandelte eine Vorlage von Lucas Cochran zum 1:1. "Ich habe einfach draufgehauen", grinste Martins später. "Wenn ich nachdenke, geht der Ball meistens ins Fangnetz."

Danach entwickelte sich ein munteres Hin und Her. Catania hatte mehr Ballbesitz (55 Prozent), Gela dafür mehr Wumms - 13 Torschüsse gegenüber 10. Besonders auffällig: Gela-Verteidiger Tahsin Caliskan versuchte sich gleich zweimal als Fernschütze, was Müller später trocken kommentierte: "Er wollte wohl zeigen, dass er auch mal aufs Tor trifft - zur Abwechslung nicht den Gegner."

In der 14. Minute sah dann Mattias Lindstrom Gelb, nachdem er offenbar vergessen hatte, dass man den Ball und nicht das Schienbein attackieren sollte. Kurz darauf musste er verletzt runter, Filipe Semedo kam - und Gela stabilisierte sich.

Nach der Pause blieb Catania taktisch balanciert, während Gela zunehmend nach vorne schob. Und prompt passierte, was in solchen Momenten fast immer passiert: Man fängt sich einen Konter. In der 65. Minute war es wieder Miguel Gutierrez, der nach feinem Zuspiel des jungen Andre Alberman eiskalt vollstreckte. 1:2 - und Catania jubelte, als wäre der Klassenerhalt schon sicher. "Ich habe einfach Spaß am Laufen", sagte Gutierrez später. "Und wenn am Ende ein Tor dabei rauskommt, ist das Bonus."

Doch Gela gab nicht auf. Müller brachte in der 67. Minute Niels Wegener für den müde gewordenen Dominguez, was sich später als goldrichtig erwies. Wegener brachte frischen Wind ins Zentrum, und die Gastgeber drehten auf. In der 79. Minute war es dann wieder Julian Martins, der nach einer butterweichen Flanke von Rechtsverteidiger Bernardo Ochoa das 2:2 markierte. "Bernardo hat gesagt: Lauf einfach rein, ich mach den Rest", erzählte Martins. "Also bin ich halt gelaufen."

Catania wankte, Gela drückte. Pressing auf Anschlag, Einsatz auf Maximum - die Statistiken belegen es: In den letzten zehn Minuten verzeichnete Gela fünf Torschüsse, Catania keinen einzigen. Doch weder Pablo Tarrega noch Niels Wegener oder Vitorino Postiga konnten den Ball über die Linie bringen. Besonders Wegener hämmerte in der 91. Minute einen Schuss so knapp drüber, dass selbst Catania-Keeper Vittek nach Luft schnappte.

Nach Abpfiff sah man zwei Trainer, die beide fanden, man hätte mehr verdient. "Wir haben das Spiel bestimmt", behauptete Albern Albert, Catanias Coach, mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der den Ballbesitz für einen Pokal hält. Müller konterte: "Ballbesitz bringt dir halt nix, wenn du ihn nicht ins Tor trägst."

Das Publikum jedenfalls bekam eine Show geboten, die alles hatte: frühe Tore, späte Hoffnung, Gelbe Karten und jede Menge Emotionen. Als Julian Martins in der 89. Minute ausgewechselt wurde, stand das Stadion Kopf - Standing Ovations für den Mann des Abends.

Unterm Strich bleibt: ein gerechtes 2:2, zwei Doppelpacker, zwei Mannschaften mit Herz und ein Spiel, das keiner vergessen wird - schon gar nicht die Fans, die noch Minuten nach dem Schlusspfiff "Forza Gela!" und "Catania per sempre!" durch die Nacht riefen.

Oder, um es Gela-Trainer Müller in seiner unnachahmlichen Art sagen zu lassen: "Wenn alle Spiele so laufen, krieg ich zwar graue Haare, aber wenigstens sind sie verdient."

06.04.644000 09:47
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