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Wenn 43.500 Fans an einem Dienstagabend ins Stadion kommen, um einen italienischen Erstligaklassiker wie Gela gegen US Cittadella zu sehen, dann erwartet man Drama, Leidenschaft - und im besten Fall ein paar Tore. Immerhin Letzteres bekamen sie: ein 1:1, das weniger nach Fußballlehrbuch als nach Improvisationstheater aussah - mit zwei Hauptdarstellern, die sich in der Anfangsphase gegenseitig die Show stahlen. Schon in der 10. Minute brachte Lucas Cochran die Gastgeber in Führung. Der 32-jährige Rechtsaußen von Gela hatte sich zuvor schon mit einem Schuss warmgeschossen (Minute 9), ehe er nach Vorarbeit des Innenverteidigers Serhat Aydemir - ja, Innenverteidiger! - den Ball trocken ins Netz drosch. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Cochran nach dem Spiel. "Serhat meinte vorher noch, ich solle mich nicht so weit vorne rumtreiben - jetzt darf er mir wohl den nächsten Kaffee zahlen." Doch die Antwort aus Cittadella kam prompt und klangvoll: Nur neun Minuten später glich Nathan Callaert aus. Der belgische Linksaußen des Gastes verwertete eine Vorlage von Tim Goosens, ebenfalls Flügelspieler, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, dass Außenbahnen überbewertet sind. Trainer Michael Schuller klatschte an der Seitenlinie so heftig, dass der vierte Offizielle kurz nachfragte, ob alles in Ordnung sei. "Das war genau der Angriff, den wir trainiert haben - also fast", sagte Schuller später mit einem Augenzwinkern. Danach entwickelte sich ein Spiel, das man getrost als "abwechslungsreich" bezeichnen kann - wenn man höflich ist. Beide Teams hatten Chancen, beide Keeper - Albert Valente auf Seiten Gelas und Servet Kaloglu bei Cittadella - bekamen reichlich zu tun. 23 Torschüsse insgesamt, fast gleich verteilt (11:12), zeugen von offenem Visier. Der Ballbesitz? Ebenfalls ausgeglichen - 48,6 zu 51,4 Prozent. Statistiker würden sagen: Ein Musterbeispiel für Balance. Zuschauer sagten eher: "Könnte ein bisschen mehr passieren." Kurz vor der Pause holte sich Gelas Mittelfeldmann Vitorino Postiga noch eine gelbe Karte ab, offenbar aus purer Nostalgie für die alten Zeiten des harten italienischen Spiels. Trainer Michael Müller reagierte prompt: Postiga durfte zur Halbzeit in der Kabine bleiben, Tahsin Caliskan kam - und Gela stellte auf etwas mehr Stabilität um. "Ich wollte kein Risiko eingehen", erklärte Müller hinterher. "Vitorino hat ja schon mit dem Schiedsrichter diskutiert, bevor er überhaupt gefoult hatte." In der zweiten Hälfte blieb das Bild ähnlich: Gela etwas druckvoller, Cittadella clever konternd. Javier Vazques und Pablo Tarrega prüften Kaloglu mehrfach (39., 43., 79., 83.), auf der anderen Seite blieb Nathan Callaert Gelas Albtraum, schoss aus allen Lagen (19., 23., 26., 28., 40.). "Ich dachte, der Junge hat einen eingebauten Schussdrang", bemerkte Gelas Coach Müller trocken. Die Schlussphase gehörte den Wechselspielern - zumindest namentlich. In der 83. Minute kam Gawriil Tregubow für den erschöpften Cochran und sorgte sofort für Wirbel, allerdings mehr verbal als fußballerisch. "Ich wollte das Spiel anheizen", sagte er nach Abpfiff. "Aber der Schiri wollte wohl kein Feuer." Auch Cittadella wechselte fröhlich durch: Mitrofan Makarow, Kusma Simin und Gabri de la Sota durften sich noch zeigen - wobei Letzterer nach seiner Einwechslung (80.) prompt den Ball beim ersten Kontakt ins Seitenaus beförderte. Am Ende blieb es beim gerechten Remis. Beide Trainer gaben sich diplomatisch, aber zwischen den Zeilen klang es unterschiedlich. "Wir wollten den Sieg, haben aber den Punkt verdient", meinte Müller, während Schuller konterte: "Wir wollten den Punkt und hätten den Sieg verdient." Ein klassischer Fall von Perspektivfrage. Unterm Strich war es ein Spiel, das niemandem wehtat, aber auch niemanden vom Sitz riss. Die Fans applaudierten pflichtbewusst, die Spieler klatschten sich ab, und die Statistik schrieb ein weiteres 1:1 in die Geschichtsbücher. Oder, wie Gelas Torhüter Albert Valente beim Hinausgehen murmelte: "Manchmal ist 1:1 das gerechteste aller Ergebnisse - und das langweiligste." Vielleicht bringt der 8. Spieltag ja wieder ein bisschen mehr Chaos. 30.05.643997 17:43 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack