Tuttosport
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Gela verschenkt Sieg nach furioser erster Halbzeit - 3:3 gegen AS Varese

Es war ein lauer Sommerabend in Gela, aber auf dem Rasen brannte die Luft. 43.500 Zuschauer im Stadio Comunale sahen ein Spiel, das man getrost in zwei Akte teilen konnte: ein Gela im Rausch vor der Pause - und ein Gela im Kater danach. Am Ende hieß es 3:3 gegen AS Varese, ein Resultat, das beiden Trainern Anlass zum Kopfschütteln gab - wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Den Auftakt machte ausgerechnet ein Innenverteidiger. In der vierten Minute stieg Tahsin Caliskan nach einer Ecke von Javier Deco höher als alle anderen und köpfte wuchtig zum 1:0 ein. "Ich weiß selbst nicht, warum ich da vorne war - vielleicht war der Ball magnetisch", grinste Caliskan später. Gela spielte mit offenem Visier, 56 Prozent Ballbesitz, 14 Schüsse aufs Tor - und die Zuschauer wähnten sich in einem Heimspiel aus besseren Zeiten.

Doch Varese antwortete prompt: In der 13. Minute zirkelte Tyler Nicksay nach feinem Zuspiel von Fabio Cervicati den Ball unhaltbar ins Eck. Trainer Georg Wagner, ohnehin ein Freund lauter Gesten, brüllte "So spielt man Fußball!" in Richtung seiner Ersatzbank. Die Freude währte allerdings nicht lang. Nur neun Minuten später schlenzte György Miriuta, der unermüdliche Ungar im linken Sturm, den Ball nach Vorarbeit von Marco Frechaut zum 2:1 in die Maschen.

Als Pablo Tarrega in der 42. Minute nach schönem Kombinationsspiel über Niels Wegener das 3:1 erzielte, war das Stadion ein Tollhaus. "Wir haben sie schwindelig gespielt", meinte Trainer Michael Müller in der Halbzeitpause - zu diesem Zeitpunkt wohl noch überzeugt, dass seine Männer das Ding nach Hause bringen würden.

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht gelegentlich sadistische Züge hätte. Nach dem Seitenwechsel drehte Varese plötzlich auf, als hätte jemand den Espresso doppelt gezuckert. Joseph Schuster, der bullige Mittelstürmer der Gäste, netzte in der 60. Minute nach Pass von Innenverteidiger Timo Schlotterbeck ein - und acht Minuten später erneut, diesmal nach Zuspiel von Nicksay. Der zweite Treffer war ein Musterbeispiel für Entschlossenheit: Ballannahme, Drehung, Schuss - 3:3.

"Wir haben in der Kabine gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil. Und plötzlich dachten wir: Vielleicht verlieren wir ja gar nicht", lachte Schuster später.

Die Schlussphase bot dann mehr Nervenspiel als Feinkost. Gela drückte, Tarrega scheiterte mehrfach - in der 82. und 89. Minute parierte Vareses Keeper Toni Sjölund spektakulär. "Ich schwöre, der Ball wollte einfach nicht rein", stöhnte Tarrega nach Abpfiff, während sein Trainer neben ihm in die Notizmappe starrte, als fände sich darin die Erklärung für alles.

Müller war nach dem Spiel sichtlich angefressen: "Wir haben in der ersten Halbzeit alles richtig gemacht und danach alles vergessen. Vielleicht hätten wir einfach in der Pause im Stadion bleiben sollen." Sein Kollege Wagner dagegen sprach von "einem Punkt, der sich wie ein Sieg anfühlt".

Die Statistiken erzählen die Geschichte nüchtern, aber nicht weniger spannend: 14 Torschüsse für Gela, 9 für Varese. Ballbesitz 57 zu 43 Prozent. Beide Teams kämpften mit offener Klinge, die Gelben Karten - drei an der Zahl - waren eher Auszeichnungen für Einsatzfreude als für Bösartigkeit. Gela spielte offensiv, nahezu ohne Pressing, während Varese sich auf Konter und späten Druck verließ. Und genau das brachte ihnen am Ende die Punkteteilung.

Eine kuriose Szene gab es in der 39. Minute: Vareses Hans Ostrander musste verletzt raus, Xabi Barbosa kam - und brachte sofort frischen Wind. Trainer Wagner lobte ihn trocken: "Er hat wenigstens nicht gleich wieder was gebrochen."

Als der Schlusspfiff ertönte, blieb das Gefühl, dass sich beide Teams irgendwie um den Lohn gebracht haben. Gela, weil es das Spiel nicht zumachte. Varese, weil es sich in der ersten Halbzeit überrennen ließ. Und die Zuschauer? Die gingen zufrieden nach Hause - schließlich hatten sie sechs Tore, Drama und ein bisschen Wahnsinn gesehen.

Oder wie es ein alter Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn Gela so weiter spielt, brauche ich bald Herztabletten. Aber wenigstens keine Schlaftabletten mehr."

Ein 3:3, das nach viel mehr schmeckte - und nach Wiederholung ruft.

07.03.644003 04:13
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