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Es war ein lauer Maiabend im Stadio di Gela, 43.500 Zuschauer, die Sonne über dem Mittelmeer - und ein Heimteam, das wusste, was es wollte. Gela besiegte am 25. Spieltag der 1. Liga Italien den Gast aus Derthona mit 2:0 (1:0) und zeigte dabei nicht nur Ballkontrolle, sondern auch eine gute Portion Geduld, Witz und Abgeklärtheit. Trainer Michael Müller grinste nach dem Schlusspfiff zufrieden: "Wir haben heute nicht nur Fußball gespielt, wir haben Fußball gedacht." Von der ersten Minute an war klar, wer hier den Ton angibt. Gela startete druckvoll, als hätte jemand die Pausentaste bei Derthona gedrückt. Bereits nach zwei Minuten prüfte Javier Deco den Gästetorwart Cristian Spezzano mit einem beherzten Schuss - der erste von insgesamt 15 Versuchen aufs Tor. Derthona kam in der Anfangsphase kaum über die Mittellinie, und wenn, dann nur, um den Ball gleich wieder zu verlieren. Der erste Treffer ließ trotzdem auf sich warten - zumindest bis zur 18. Minute. Niels Wegener, der heimliche Taktgeber im Mittelfeld, spielte einen dieser genialen Pässe, die so aussehen, als hätte man sie mit dem Zirkel gezeichnet. Gawriil Tregubow startete auf rechts, nahm den Ball im Lauf mit und schob eiskalt ein. 1:0. Der Jubel? Laut, aber kontrolliert. "Ich wollte eigentlich in die andere Ecke schießen", scherzte Tregubow später, "aber der Ball hat beschlossen, dass er lieber hier rein will." Derthona reagierte wie ein verschreckter Tourist, der plötzlich mitten im Verkehr steht: hektisch, planlos, aber bemüht. Ein Schuss von Edoardo Uffugo in der 9. Minute und zwei harmlose Versuche von Domenico Berardi waren alles, was die Gäste in der ersten Halbzeit zustande brachten. Ihre defensive Grundordnung - fünf Mann hinten, lange Bälle nach vorn - wirkte so altmodisch, dass man fast erwartet hätte, jemand würde gleich den Libero zurückrufen. Nach der Pause dasselbe Bild: Gela kontrollierte Ball und Gegner. Derthona versuchte es mit Kontern, blieb aber in der eigenen Ideenlosigkeit hängen. In der 60. Minute musste Vincenzo Grifo nach einem Zweikampf verletzt raus - ein herber Schlag für den ohnehin lahmenden linken Flügel. Coach Müller von Gela nutzte die Gelegenheit, um frische Kräfte zu bringen: Ignacio Barbosa ersetzte Javier Deco und brachte neuen Schwung über rechts. "Ich habe Ignacio gesagt, er soll einfach Spaß haben", grinste Müller später. "Er hat das wohl etwas zu wörtlich genommen - und Derthona gleich zweimal schwindlig gespielt." In der Schlussphase hatte Gela dann endgültig alles im Griff. Der Ballbesitz von 56 Prozent wirkte höher, so dominant war die Heimelf. Nur einmal, in der 67. Minute, blitzte kurz Gefahr auf, als Derthonas junger Stürmer Pierpaolo Isca plötzlich frei zum Schuss kam. Doch Torwart Albert Valente fischte den Ball aus der Ecke, als hätte er einen Magneten im Handschuh. In der 84. Minute gab’s dann noch eine kleine Portion Dramatik: Gela-Verteidiger Jeno Lisztes sah Gelb, nachdem er sich beim Tackling mehr in den Gegner als in den Ball verliebt hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich, "aber der Ball war halt schnell." Und dann - die 88. Minute. Ignacio Barbosa, der Einwechselspieler, spielte quer auf Daniel Fabbri, der zentral lauerte. Ein kurzer Blick, ein präziser Schuss - 2:0. Der Jubel kannte keine Grenzen. Fabbri rannte Richtung Eckfahne, rutschte im Jubel auf den Knien und zeigte in den Nachthimmel von Gela. "Das war pure Freude", sagte er später, "und ein bisschen Erleichterung - ich wollte endlich auch mal in die Statistik." Derthona hingegen stand am Ende da wie ein Schüler, der die Hausaufgaben nicht gemacht hat und trotzdem überrascht ist, dass der Lehrer fragt. Vier Torschüsse, kein Treffer, kaum Struktur - das war zu wenig. Die Statistik sprach ohnehin Bände: 15:4 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, zweikampfstärker - Gela war in allen Belangen überlegen. Taktisch blieb Müller bei seiner ausgewogenen Marschroute, während Derthona trotz aller Defensivversuche nie das richtige Gleichgewicht fand. "Wir haben unseren Plan gehabt und ihn umgesetzt", fasste Müller zusammen. "Und dass wir am Ende nicht in Schönheit gestorben sind, sondern in Effizienz gewonnen haben - das gefällt mir fast noch besser." Ein Satz, den man so wohl nur von einem Trainer hören kann, dessen Team gerade den perfekten Heimabend erwischt hat. Und Derthona? Die fuhren zurück mit der Erkenntnis, dass man mit langen Bällen und kurzer Hoffnung in dieser Liga nicht weit kommt. Ein Reporter neben mir meinte augenzwinkernd: "Wenn Derthona so weitermacht, wird der Busfahrer bald der beste Mann des Teams - der hat wenigstens Richtungssinn." Ein böser Scherz vielleicht, aber an diesem Abend nicht ganz falsch. 26.03.644000 01:42 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum