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Ein lauer Maiabend, 43.500 Zuschauer, Flutlichtglanz über dem Stadion von Gela - und ein Spiel, das kaum angepfiffen war, als die Gäste aus Foggia schon das erste Mal den Ball aus den Maschen holen mussten. Ganze 56 Sekunden waren gespielt, als Pablo Tarrega, der bullige Mittelstürmer mit der Aura eines Mannes, der lieber Tore als Worte schießt, zum 1:0 traf. "Ich dachte, der Schiedsrichter pfeift noch", murmelte Foggias Keeper Lubos Chlup später, 17 Jahre jung und mit großen Augen in sein erstes richtiges Desaster hineingeraten. Trainer Michael Müller von Gela stand schon da mit verschränkten Armen, leicht spöttischem Lächeln: "Wir wollten früh Druck machen. Dass es so wörtlich genommen wird, war auch mir neu." Der Druck blieb - und Foggia fand kaum Atem. Nach 19 Minuten zirkelte Linksverteidiger Jeno Lisztes den Ball ins lange Eck, als wäre er seit Jahren heimlicher Stürmer. Vorlage kam von Lucas Cochran, der rechte Flügel, der an diesem Abend mindestens zwei Abwehrreihen gleichzeitig beschäftigte. In der 36. Minute dann wieder Tarrega - natürlich Tarrega. Der Spanier, 31, nahm eine feine Hereingabe von Daniel Fabbri mit der Brust, drehte sich und drosch den Ball unter die Latte. 3:0, und zur Pause war das Spiel im Grunde entschieden. Müller gönnte sich ein Grinsen: "Wir haben noch nie so früh so viel richtig gemacht. Ich wusste gar nicht, wie sich das anfühlt." Foggia versuchte es nach der Pause mit "balanciertem Angriffsspiel" - so stand es jedenfalls im Taktikzettel von Trainer Charly Chicago. In der Realität sah das eher nach tapferem Überleben aus. Der Ballbesitz? Fast ausgeglichen - 53 zu 47 Prozent -, aber was nützt das, wenn man nur einmal aufs Tor schießt? Ja, einmal! In der 89. Minute versuchte es der 18-jährige Fabrizio Gravina aus 30 Metern. Der Ball flog in Richtung Parkhaus, und Gelas Torhüter Albert Valente bekam nicht einmal Gelegenheit, sich die Handschuhe schmutzig zu machen. Dafür durften die Fans von Gela weiter jubeln: In der 66. Minute stürmte Außenverteidiger Bernardo Ochoa nach vorn, als sei er Neymar persönlich, und vollendete nach Pass von Niels Wegener zum 4:0. Acht Minuten später kam Wegener, frisch eingewechselt, erneut als Vorlagengeber in Erscheinung - diesmal für Marco Frechaut, der zum 5:0-Endstand traf. Zwischendurch verteilte der Schiedsrichter drei Gelbe Karten an Gela, wohl aus reiner Langeweile, und eine an Foggias Mirko di Catanzaro, der immerhin versuchte, das Spiel zu unterbrechen - meist mit den Beinen des Gegners. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Coach Chicago später, "aber offenbar waren wir zu kompakt - direkt auf einem Haufen." Die Statistik sprach ohnehin Bände: 24 Torschüsse für Gela, einer für Foggia. Tacklingquote? 60 zu 40 Prozent zugunsten der Hausherren. Und das, obwohl Trainer Müller nach dem 3:0 in der Halbzeit den Einsatz seiner Mannschaft laut Taktikprotokoll auf "WEAK" drosselte - wohl um den Rasen zu schonen. In der Mixed Zone lachte Tarrega, als er auf seine zwei Tore angesprochen wurde: "Ich hab’ versucht, nicht zu übertreiben. Aber wenn der Ball so lieb zu mir ist, kann ich ja schlecht nein sagen." Neben ihm stand der junge Chlup, tapfer, aber niedergeschlagen: "Ich hab viel gelernt heute. Zum Beispiel, dass fünf Gegentore auch eine Art Erfahrung sind." Gela spielte den Ball in den letzten Minuten mit der Nonchalance einer Mannschaft, die sich ihrer Sache sicher ist. "Wir hätten auch noch ein sechstes machen können", meinte Frechaut, "aber irgendwann wurde es unhöflich." Die Fans sahen das anders - sie sangen, tanzten und feierten ihre Mannschaft, als hätte sie gerade den Scudetto gewonnen. Für Foggia blieb nur der stille Rückzug in die Kabine und ein Trainer, der versuchte, das Positive zu sehen: "Wir haben immerhin keine Rote Karte bekommen", sagte Chicago trocken. Und so endete ein Abend, an dem Gela Fußball zelebrierte und Foggia zuschaute. 5:0, ein Ergebnis, das wie ein Ausrufezeichen in der Tabelle steht. Vielleicht das schönste Zitat kam am Schluss von Trainer Müller, als er schon halb im Tunnel verschwand: "Manchmal läuft alles wie gemalt - nur dass wir diesmal den Pinsel hatten." Ein Spiel, das man in Gela so schnell nicht vergisst - und in Foggia wahrscheinlich auch nicht. 08.02.644000 11:52 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum