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Gela zerlegt Bergamo - 7:0! Ein Fußballabend zwischen Genie und Mitleid

Es gibt Spiele, die man nach 90 Minuten vergisst. Und es gibt Spiele wie dieses: Gela gegen Atletica Bergamo, 30. Spieltag der 1. Liga Italien, 43.500 Zuschauer, Flutlicht, frischer Rasen - und ein Ergebnis, das so deutlich war, dass selbst das Stadionbier kurzzeitig den Preis senkte. 7:0 hieß es am Ende, und das war noch schmeichelhaft für die Gäste.

Schon nach sechs Minuten schwante den Bergamasken Böses. Pablo Tarrega, Gela-Stürmer und erklärter Freund des frühen Feierabends, schlenzte den Ball nach feiner Vorarbeit von Innenverteidiger Tahsin Caliskan ins Eck. "Ich dachte, er flankt", grinste Caliskan später, "aber Pablo schießt einfach immer. Auch beim Einwurf."

Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem Gela Fußball lehrte und Bergamo zuschaute. In der 29. Minute durfte sich dann Linksverteidiger Jeno Lisztes in die Torschützenliste eintragen - ein satter Linksschuss nach Vorlage von Philippe Graves, der an diesem Abend der Architekt des Offensivfestes war. "Wenn Philippe den Ball hat, riecht’s nach Gefahr", sagte Trainer Michael Müller später, "und manchmal auch nach verbrannter Netzhaut beim gegnerischen Torwart."

Mit 2:0 ging’s in die Pause, und wer dachte, Gela würde sich nun zurücklehnen, wurde bitter enttäuscht - oder bestens unterhalten, je nach Vereinsfarbe. Nach einer Stunde begann das, was man nur als kontrollierte Explosion bezeichnen kann: Caliskan köpfte nach einer Graves-Ecke zum 3:0 (61.), eine Minute später traf Javier Vazques zum 4:0. "Ich wollte eigentlich den Pfosten treffen", gab Vazques selbstironisch zu, "aber der Ball hatte andere Pläne."

Und weil’s so schön war, legte der flinke Flügelstürmer gleich doppelt nach: In der 70. und 75. Minute machte er den Hattrick perfekt - beide Male nach butterweicher Vorlage von Marco Frechaut, der zur Halbzeit eingewechselt worden war. "Marco hat frische Luft reingebracht", lobte Müller, "und wahrscheinlich auch den letzten Rest Motivation aus Bergamo rausgezogen."

Die Gäste? Nun ja. Charly Chicago, ihr Trainer, stand stoisch an der Linie, die Arme verschränkt, den Blick leer. Sein Team hatte exakt einen Torschuss - in der 88. Minute, Louis Bernard probierte’s, doch Gelas Torhüter Willem Veeder musste sich kaum bewegen. "Ich hab den Ball gehört, bevor ich ihn gesehen habe", witzelte der Keeper später.

Den Schlusspunkt setzte schließlich Niels Wegener in der Nachspielzeit (91.), der nach Vorarbeit von Tarrega locker zum 7:0 einschob. "Ich wollte eigentlich in die Kabine laufen, aber Pablo hat mich angeschrien: ’Lauf!’ - also hab ich halt getroffen", lachte Wegener.

Die Statistik sprach ohnehin Bände: 26 Torschüsse für Gela, ein einziger für Bergamo. 57 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, Zweikampfquote klar vorn. Der Rest war Kunst.

Auch der Schiedsrichter hatte einen ruhigen Abend - zwei harmlose Gelbe für Martins (39.) und Lisztes (73.), beide eher aus Langeweile als aus Bosheit. "Ich wollte dem Schiri zeigen, dass ich noch da bin", sagte Martins und grinste breit.

Nach Abpfiff applaudierten die Fans minutenlang, und selbst einige Gästespieler klatschten mit. "Manchmal muss man anerkennen, dass der Gegner einfach besser ist", murmelte Bergamos junger Torhüter Rolando Cossu, 17 Jahre alt, nach seinem Debüt. "Oder dass man einfach permanent unter Beschuss steht."

Trainer Müller hingegen zeigte sich ungewohnt bescheiden. "Wir haben gut gespielt", sagte er, "aber das nächste Spiel beginnt wieder bei null." Dann zwinkerte er und fügte hinzu: "Na gut, vielleicht bei zwei."

Und so bleibt dieser Abend in Gela einer jener seltenen, an denen alles gelingt - vom ersten Pass bis zum letzten Witz in der Kabine. "Wir hätten wohl noch stundenlang spielen können", meinte Graves zum Schluss, "aber irgendwann wurde’s selbst mir zu peinlich."

Ein 7:0, das nicht nur in die Statistik, sondern auch in die Vereinsanekdoten eingeht. Und irgendwo in Bergamo wird Trainer Chicago heute Nacht noch leise murmeln: "Offensive Ausrichtung war vielleicht… zu offensiv."

So ist Fußball - manchmal grausam, manchmal großartig. Und manchmal beides zugleich.

31.12.643996 05:47
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So schnell wie ich heute gelaufen bin, konnte mich keine Kamera einfangen.
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