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Ein Samstagabend in Bergamo, Flutlicht, 36.000 Zuschauer, und am Ende ein Ergebnis, das im Stadion wie ein kollektiver Albtraum wirkte: Atletica Bergamo verliert am 13. Spieltag der 1. Liga Italien mit 0:4 gegen Gela. Ein Spiel, das so einseitig war, dass man sich fragte, ob die Gastgeber versehentlich auf "freundschaftlich" gestellt hatten, während Gela im "Wettkampfmodus" blieb. Schon nach einer Viertelstunde begann das Unheil. In der 16. Minute schlenzte Gelas Rechtsaußen Julien Matthieu den Ball nach Vorarbeit von David Martin ins lange Eck - ein Treffer, so präzise, dass Bergamos Torhüter Jacopo Castello nur noch resigniert hinterherblickte. "Ich hab’ ihn kommen sehen - leider zu spät", seufzte Castello später mit einem bitteren Lächeln. Nur sechs Minuten später klingelte es erneut. Filipe Meira, der rechte Mittelfeldspieler Gelas, zog einfach mal ab - und traf. Filipe Semedo hatte den Ball von links mustergültig in die Mitte geschoben, Meira bedankte sich mit einem trockenen Abschluss. Die Heimfans rieben sich die Augen: Zwei Torschüsse, zwei Tore - Effizienz, die man in Bergamo an diesem Abend nur auf der Gästeseite fand. In der 36. Minute schließlich machte Javier Garcia das, was Mittelstürmer eben tun: Er stand goldrichtig. Nach einem feinen Zuspiel von Marco Frechaut drückte er das Leder über die Linie. 0:3 - und noch nicht einmal Halbzeit. Auf der Trainerbank von Atletica Bergamo sollen sich zu diesem Zeitpunkt einige fragende Blicke gesammelt haben. Trainer Michael Müller von Gela stand dagegen mit verschränkten Armen und dem Ausdruck tiefer Zufriedenheit an der Seitenlinie. "Wir haben das gespielt, was wir trainiert haben - Ball, Raum, Ziel", erklärte er später trocken und fügte mit einem schelmischen Grinsen hinzu: "Und manchmal hilft’s auch, wenn man einfach besser ist." Die zweite Halbzeit begann, als hätte Bergamo sich vorgenommen, wenigstens die Ehre zu retten. Der Ballbesitz - 44 Prozent insgesamt - fühlte sich für die Tifosi phasenweise nach mehr an, weil die Hausherren endlich am Spiel teilnahmen. Doch ihre drei Torschüsse blieben harmlose Erinnerungen an eine Offensive, die nie wirklich stattfand. Gela dagegen blieb gnadenlos. 14 Schüsse auf das Tor, 55,9 Prozent Ballbesitz, 56,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die so klar waren wie das Ergebnis. In der 80. Minute setzte Filipe Semedo den Schlusspunkt, als er nach Vorlage von Matthieu von der linken Seite in den Strafraum zog und den Ball ins rechte Eck jagte. Ein Linksverteidiger als Torschütze - sinnbildlich für die totale Dominanz der Gäste. "Das war heute ein Tag, an dem alles gepasst hat", meinte Semedo später in der Mixed Zone, noch mit Grasflecken auf dem Trikot. "Wir haben früh getroffen, wir haben Spaß gehabt - und wir sind einfach gelaufen, gelaufen, gelaufen." Sein Trainer Müller nickte zufrieden: "Genau das wollte ich sehen: Laufen, denken, treffen." Auf der anderen Seite klang es weniger euphorisch. Ein sichtlich frustrierter Bergamo-Kapitän Brandon Arnaud sagte: "Wir haben eigentlich offensiv gespielt, aber irgendwie war der Ball immer weg, wenn wir ihn hatten." Eine treffende Zusammenfassung eines Abends, an dem die Lombarden zwar mit offensiver Ausrichtung begannen, aber nie wirklich offensiv wirkten. In der 89. Minute gönnte Müller seinem Doppeltorschützen Semedo den verdienten Applaus und wechselte Jeno Lisztes ein - eine Szene, die fast schon feierlich wirkte. Während die Gästefans jubelten, verließen viele Bergamo-Anhänger das Stadion schweigend. "So ein Spiel darf uns nicht passieren", sagte ein ernüchterter Atletica-Coach (der lieber anonym bleiben wollte) nach Abpfiff. "Wir haben versucht, offensiv zu bleiben, aber Gela hat uns einfach ausgekontert - obwohl sie gar nicht auf Konter gespielt haben. Das ist fast schon eine Kunstform." Und so bleibt ein Abend, der in Bergamo als böser Traum in die Vereinschronik eingehen dürfte, während Gela mit breiter Brust nach Hause fährt. Vier Tore, vier verschiedene Vorlagengeber, ein Trainer, der kaum die Miene verzog - kurzum: eine Lehrstunde in Effizienz. Vielleicht hätte man in Bergamo den Gästen wenigstens den Ball überlassen sollen, um ihn später wiederzufinden. Doch Gela hatte an diesem Abend anderes vor - nämlich Fußball zelebrieren. Und das taten sie mit einer Präzision, die selbst italienische Espresso-Maschinen neidisch machen könnte. Schlusswort: Wenn man 0:4 verliert und der Gegner am Ende trotzdem höflich bleibt, ist das fast schon ein Trost. Fast. 30.03.643994 10:42 |
Sprücheklopfer
Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.
Rolf Rüssmann