// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Wenn 43.500 Zuschauer an einem lauen Maiabend ins Stadio Comunale di Gela pilgern, hoffen sie auf Fußball-Unterhaltung. Was sie am 2. Spieltag der 1. Liga Italien zu sehen bekamen, war allerdings kein spannender Krimi, sondern eher eine gut geölte Heim-Maschine, die den Gegner in seine Einzelteile zerlegte. Gela besiegte den hoffnungslos überforderten Aufsteiger Derthona mit 5:0 - und das war, man muss es so sagen, eher schmeichelhaft für die Gäste. Schon nach neun Minuten setzte Javier Vazques den ersten Stich. Nach Pass von Niels Wegener zog der 32-jährige Linksaußen trocken ab. Der Ball küsste den Innenpfosten und zappelte im Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Vazques hinterher, "aber wenn’s läuft, dann läuft’s." Trainer Michael Müller, sonst ein Mann der nüchternen Worte, kommentierte nur: "Das sah aus wie einstudiert - war’s aber sicher nicht." Derthona versuchte in der Anfangsphase mitzuhalten, hatte sogar etwas mehr Ballbesitz (am Ende 51 Prozent), aber das war so wirkungsvoll wie ein Regenschirm im Orkan. Die zwei Torschüsse der Gäste - einer in der 12., einer in der 51. Minute - gingen allesamt in Richtung Nebelmeer. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee, wohin damit", gab Kapitän Vincenzo Grifo selbstkritisch zu. In der 25. Minute folgte der Treffer zum 2:0. Außenverteidiger Mattias Lindstrom, sonst eher mit Grätschen als mit Treffern beschäftigt, zog nach feiner Vorarbeit von Javier Deco einfach mal ab. Der Ball flog in einem perfekten Bogen ins lange Eck - ein Tor, das man in Gela so schnell nicht vergessen wird. Deco, der Assistgeber, klopfte seinem Kollegen lachend auf die Schulter: "Ich sag’s dir, Mattias, du hättest früher Stürmer werden sollen!" Kurz vor der Pause musste Gela allerdings einen Dämpfer hinnehmen: David Martin verletzte sich bei einem Zweikampf und wurde durch Julian Martins ersetzt. Martins, 32 Jahre alt und mit der Routine eines Profis, fügte sich nahtlos ein - und sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Nach dem Seitenwechsel schien Derthona kurzzeitig mutiger zu werden, stellte auf Offensive um und brachte den jungen Pierpaolo Isca. Doch Mut allein reicht nicht, wenn der Gegner eine Tormaschine ist. In der 65. Minute erhöhte Pablo Tarrega nach mustergültiger Vorlage von Martins auf 3:0. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend. Tarrega sah danach Gelb in der 87. Minute, aber das störte niemanden mehr - seine Tore wiegten schwerer als jede Karte. Und dann folgte die Gala der beiden Javiers. Erst traf Javier Deco in der 79. Minute nach einem Eckball von Francisco Dominguez zum 4:0. Drei Minuten später revanchierte sich Deco und legte für Vazques auf, der mit seinem zweiten Treffer des Abends den 5:0-Endstand besiegelte. Trainer Müller, nach dem Spiel sichtbar zufrieden, erklärte: "Wir haben nicht mehr Ballbesitz gebraucht, wir haben Präzision gebraucht. 20 Schüsse aufs Tor sprechen für sich." Und tatsächlich - Gela spielte zielstrebig, taktisch klar (offensive Ausrichtung, aber mit Struktur), während Derthona in seinem Konterspiel hoffnungslos verhungerte. Sein Pendant Steffen Jänike stand hingegen ratlos an der Seitenlinie. "Wir wollten kompakt stehen und schnell umschalten", sagte er nach der Partie, "aber nach dem dritten Tor war das wie Kartenhaus im Wind." Ein Reporter fragte, ob er etwas Positives mitnehmen könne. "Ja", antwortete Jänike trocken, "wir haben pünktlich angefangen." Der Rest war Schaulaufen. Gela kombinierte, als ginge es um das Trainingsspiel vor Saisonbeginn. Selbst Innenverteidiger Dominguez probierte sich am gegnerischen Strafraum, musste aber mit Gelb (69.) leben, nachdem er einen Konter rustikal stoppte. Als Schiedsrichter Rossi in der 90. Minute abpfiff, blieb Derthona nur der Trost, dass Fußball manchmal grausam, aber gerecht ist. Und Gela? Die zeigten, dass sie in dieser Saison einiges vorhaben. "Wenn wir so weiterspielen", meinte Doppeltorschütze Vazques verschmitzt, "muss der Platzwart bald neue Tornetze bestellen." Ein Abend, an dem alles passte - zumindest für die Hausherren. Derthona wird diese fünf Gegentore wohl noch eine Weile in den Beinen spüren. Und Gela? Die genießen den Moment - mit einem Lächeln, das so breit ist wie das Ergebnis. 23.08.644000 07:16 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme