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Es war einer dieser Abende, an denen man als Udinese-Fan schon nach einer halben Stunde ahnte, dass der Fernseher heute früh ausgeschaltet werden würde - oder im Stadion, dass man lieber beim Pausenbier bleiben sollte. Vor 36.977 Zuschauern im Stadio Friuli zerlegte Gela die Hausherren mit 5:0 (2:0) und zeigte dabei eine Effizienz, die fast unhöflich wirkte. Dabei hatte Trainerin Jessica Köthur ihr Team eigentlich gut eingestellt: 51,7 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse, viel Laufarbeit. Nur - der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Und wenn man vorn die Dinger nicht macht, klingelt’s hinten. So auch in der 19. Minute, als Gawriil Tregubow nach Vorlage von Rechtsverteidiger Jozef Kona die Führung erzielte. Ein Angriff über rechts, eine Drehung, ein Schuss - und Torhüter Luis Herbst sah aus, als hätte er den Ball erst gehört, als er schon im Netz zappelte. "Wir waren eigentlich ganz gut drin", sagte Kapitän Leonardo Iezzi später mit leerem Blick. "Dann machen die aus dem Nichts das 0:1 - und danach war’s, als hätten wir aufgehört, an uns zu glauben." Das 0:2 ließ nicht lange auf sich warten. In der 30. Minute zog Ignacio Barbosa von der rechten Seite nach innen, ließ einen Verteidiger aussteigen und schlenzte den Ball wunderbar ins lange Eck. Julian Martins hatte den Angriff eingeleitet, Barbosa vollendete - und Gela jubelte, als wäre der Klassenerhalt schon sicher. "Wir wollten offensiv spielen, nicht mauern", grinste Gästecoach Michael Müller nach dem Spiel. "Und ehrlich gesagt: Wenn du in Udine fünf Tore schießt, darfst du auch mal grinsen." Das tat er zurecht. Denn nach der Pause setzte sich das Schauspiel fort - oder aus Udinese-Sicht: der Albtraum. In der 68. Minute legte Barbosa nach, diesmal ohne Assist, einfach aus 18 Metern draufgehalten. 0:3, und man hatte das Gefühl, die Zeitlupe sei schneller als die Heimabwehr. Aber Gela hatte noch nicht genug. In der 76. Minute traf Mittelstürmer Pablo Tarrega nach feinem Zuspiel von Marco Frechaut - und sechs Minuten später legte er gleich noch einen drauf, diesmal nach Vorlage des eingewechselten Javier Deco. 0:5! Die Gäste schossen sich in einen Rausch, während Udineses Verteidiger kollektiv die Orientierung verloren. "Ich dachte kurz, der vierte sei schon der letzte", stöhnte Udineses Innenverteidiger Lukas Rogocz später. "Aber dann kam noch einer. Da wünscht man sich, der Schiedsrichter hätte Mitleid." Selbst statistisch war das Ergebnis fast grotesk: Udinese hatte mehr Ballbesitz, aber Gela doppelt so viele Torschüsse (16 zu 8). Während die Gastgeber brav auf Sicherheit spielten, agierten die Sizilianer mit offenem Visier - offensiv ausgerichtet, aggressiv, aber nie unfair. Drei Gelbe (Caliskan, Martins, Aydemir) auf Seiten der Gäste waren eher der Preis für Leidenschaft als für Härte. Udinese dagegen schaffte es lediglich zu einer Verwarnung - Guillermo Gomes in der 44. Minute. Einen kurzen Moment der Unruhe gab es, als Barbosa in der 77. Minute verletzt ausgewechselt werden musste. Doch Ersatzmann Deco fügte sich perfekt ein - er bereitete das 0:5 vor. "Ignacio hat sich wohl nur leicht gezerrt", beruhigte Trainer Müller später. "Aber wenn du zwei Tore machst, darfst du auch mal früher duschen." Auf der anderen Seite reagierte Köthur mit einer späten Auswechslung: Enrique Doreste, der sich kurz darauf verletzte, wurde durch Jorge Etxebarria ersetzt. Eine symbolische Maßnahme - das Spiel war da längst entschieden. Nach dem Abpfiff applaudierte das Publikum höflich. Nicht etwa, weil man zufrieden war, sondern weil man wusste, dass Pfeifen nichts mehr bringt. "Wir müssen das aufarbeiten", murmelte Trainerin Köthur. "Aber vielleicht sollten wir vorher mal tief durchatmen." Gela dagegen feierte ausgelassen. Tarrega schnappte sich den Spielball, Barbosa grinste in alle Kameras. "So ein Tag macht Spaß", sagte er mit einem Schulterzucken. "Manchmal läuft’s einfach." Und Udinese? Die suchten noch auf dem Heimweg nach Antworten. Vielleicht hätten sie sie im Ballbesitz gefunden - aber Ballbesitz gewinnt bekanntlich keine Spiele. Ein Abend, an dem Taktik, Wille und Effizienz eine klare Sprache sprachen. Und die hieß: Gela. Schlusswort: Wenn der Gegner fünfmal trifft und man selbst nur Statist bleibt, hilft kein VAR, kein Glück und kein "Hätte, wäre, wenn". Dann hilft nur Humor. Vielleicht nennt man das in Udine künftig "Gelassenheit". 11.05.644000 03:05 |
Sprücheklopfer
Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.
Mario Basler nach einer Niederlagenserie