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Gela zittert sich mit 4:3 gegen AS Varese ins Pokal-Viertelfinale

Es war ein Pokalabend, wie ihn Drehbuchautoren lieben: sieben Tore, zwei Gelbe Karten, ein Torwartwechsel - und 43.500 Zuschauer, die zwischen Euphorie und Herzstillstand pendelten. Am Ende jubelte Gela, das sich mit einem wilden 4:3 gegen AS Varese in die nächste Runde schleppte.

Gelas Trainer Michael Müller grinste nach dem Schlusspfiff gequält: "Ich habe in meinem Leben schon viele Spiele gesehen, aber dieses… das war eher ein Nervenexperiment als Fußball."

Dabei hatte alles so gemütlich begonnen - zumindest aus Sicht der Hausherren. Schon in der 7. Minute ließ Javier Vazques die Tribünen beben. Nach einem cleveren Zuspiel von Ignacio Barbosa drosch der linke Flügelstürmer den Ball humorlos ins Netz. Nur sieben Minuten später legte Vazques nach, diesmal nach Vorarbeit von Linksverteidiger Mattias Lindström. 2:0 nach einer Viertelstunde - und die Fans begannen bereits, vom Viertelfinale zu träumen.

Doch AS Varese war nicht nach Gela gekommen, um Statist in einer Heimparty zu sein. In der 35. Minute brachte Joseph Schuster die Gäste zurück ins Spiel. Sein Schuss, vorbereitet von Joel Satchmore, traf unhaltbar ins linke Eck. Kurz darauf kassierte Vareses Abwehrrecke Nathan Nelis Gelb - wohl aus Frust über zu viel gela’sche Leichtigkeit.

Mit 2:1 ging’s in die Pause. Müller schien zufrieden, während sein Gegenüber Georg Wagner in der Kabine vermutlich die Taktiktafel mit der bloßen Hand umdekorierte. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens spektakulär", scherzte Wagner später mit einem bitteren Lächeln.

Und spektakulär wurde es tatsächlich: Nach Wiederanpfiff übernahm Varese das Kommando. Schuster schnürte in der 53. Minute seinen Doppelpack - diesmal nach Vorlage von Fabio Cervicati. Nur fünf Minuten später drehte Satchmore selbst auf und traf zum 3:2 für die Gäste. Das Stadion verstummte kurz, man hörte nur Müllers ungläubiges "Das darf doch nicht wahr sein!" durch die Coaching-Zone hallen.

Doch Gela wäre nicht Gela, wenn sie nicht auf chaotische Art zurückkämen. In der 66. Minute, als viele schon an den Pokal-K.o. glaubten, wuchtete Vitorino Postiga - Sekunden vor seiner Auswechslung - nach Zuspiel von Julian Martins den Ball zum 3:3 in die Maschen. "Ich wollte mich mit Stil verabschieden", grinste Postiga später.

Danach wurde es wild. Beide Teams feuerten aus allen Lagen. Insgesamt 28 Torschüsse verzeichneten die Statistiker - 13 von Gela, 15 von Varese. Ballbesitz? 51,6 zu 48,4 Prozent für die Hausherren, also praktisch Gleichstand. Taktisch? Beide Teams im Dauer-Offensivmodus, als hätten sie Pressing und Absicherung im Trainingslager vergessen.

In der 75. Minute wechselte Wagner sogar seinen Torhüter: Toni Sjölund raus, Vilmos Orth rein. Angeblich, weil Sjölund "zu viel gezittert" habe, wie der Coach mit einem Augenzwinkern bemerkte.

Das Spiel steuerte auf die Verlängerung zu, als Gela noch einmal alles nach vorn warf. In der 89. Minute dann die Explosion: Pablo Tarrega, der bis dahin eher unauffällig geblieben war, verwandelte nach Vorlage von Barbosa eiskalt - 4:3! Das Stadion glich einem Vulkan. Müller rannte die Seitenlinie entlang, stolperte fast über ein Ersatztrikot und brüllte: "Da ist das Ding!" - obwohl es eigentlich erst das Achtelfinale war.

Varese versuchte in der Nachspielzeit alles, Schmitt prüfte Gelas Keeper Caio Nene in der 96. Minute noch einmal, doch der hielt - und wurde danach von seinen Mitspielern fast erdrückt.

"Das war kein Fußballspiel, das war eine Achterbahnfahrt", meinte Gawriil Tregubow, der rechte Flügelstürmer, der zuvor selbst drei gute Chancen vergeben hatte. "Aber irgendwie sind wir immer besser, wenn alles brennt."

Auch Wagner nahm’s sportlich: "Wir haben vier Tore kassiert, aber wenigstens nicht geschlafen dabei."

Am Ende stand ein 4:3, das in Gela wohl noch lange erzählt werden wird. Ein Spiel, das keine Taktiktafel erklären kann, aber jedes Fußballherz höher schlagen ließ.

Vielleicht bringt es Müller auf den Punkt: "Schön? Nein. Effektiv? Irgendwie. Weiter? Ja! Und das ist alles, was zählt."

Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb der Gedanke: Wenn das Achtelfinale schon so aussieht, sollte man für die nächsten Runden besser den Defibrillator bereithalten.

08.02.644000 07:13
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