Tuttosport
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Gelas Gala am Mittelmeer: 4:0 gegen Tigri Cremonesi

Ein lauer Sommerabend, 43.500 Zuschauer im Stadion von Gela - und eine Heimmannschaft, die von der ersten Sekunde an keine Fragen offenließ. Schon nach 60 Sekunden zappelte der Ball im Netz: Tiago Almeida, der Mittelstürmer mit dem Lächeln eines Straßenkünstlers und dem Instinkt eines Raubtiers, traf eiskalt nach feinem Zuspiel von Javier Deco. "Ich hab einfach geschossen, bevor ich nachdenken konnte", grinste Almeida später - vermutlich das Geheimnis seines Treffers.

Trainer Michael Müller stand da noch mit verschränkten Armen in der Coachingzone, als würde er sagen wollen: "Genau so hab ich mir das vorgestellt." Und das war kein leeres Gerede - Gela spielte in der Folge, als hätte man das Spieltempo auf "Schnellvorlauf" gestellt. Tigri Cremonesi, die Gäste aus der Lombardei, wirkten überrascht, als müssten sie sich erst vergewissern, dass der Anpfiff tatsächlich schon erfolgt war.

Die Gäste hatten zwar mehr Ballbesitz (57 Prozent), wussten damit aber so wenig anzufangen wie ein Tourist mit einer italienischen Speisekarte ohne Bilder. Ihre drei Torschüsse waren eher höfliche Anfragen als ernsthafte Versuche, Torwart Albert Valente aus der Ruhe zu bringen. Der stand während der ersten Halbzeit mehr in der Sonne als im Spiel.

In der 36. Minute kam die nächste kalte Dusche für Cremonesi: György Miriuta, der flinke Linksaußen, zog nach Vorlage von Jeno Lisztes ab - 2:0. Die Fans sangen, die Sonne glühte, und Tigri wankte. Nur fünf Minuten später war es wieder Miriuta, diesmal nach Pass von Niels Wegener. 3:0, Halbzeit. Müller sagte später: "Ich hätte ihnen in der Pause am liebsten eine Decke gegeben - sie sahen so müde aus."

Tony Granato, der Coach der Gäste, schüttelte in der Pause nur den Kopf. "Wir hatten eigentlich einen Plan", murmelte er danach, "aber Gela hat ihn offensichtlich gelesen." Seine Mannschaft blieb auch nach dem Seitenwechsel harmlos. Die Taktik blieb "balanced", das Pressing blieb aus - und Gela blieb gnadenlos.

In Minute 52 machte Eric Jonsson den Deckel drauf. Der Schwede traf nach erneuter Vorlage von Javier Deco, und wenn man ehrlich ist, war das schon der Moment, in dem die Zuschauer begannen, den Sonnenuntergang zu bewundern. "Ich wollte einfach Spaß haben", lachte Jonsson nach Abpfiff, "und der Ball hat mitgespielt."

Danach ließ Gela es ruhiger angehen - 20 Torschüsse waren es am Ende, und man hatte den Eindruck, dass sie jederzeit noch zwei oder drei hätten nachlegen können. Müller nutzte die Schlussphase für Luxuswechsel: Marco Frechaut durfte in der 79. Minute raus, David Martin kam fürs Schaulaufen. In der Nachspielzeit bekamen auch Javier Deco und Jeno Lisztes ihren verdienten Applaus, ersetzt von Ignacio Barbosa und Timo Schlotterbeck.

Während die Fans jubelten, wirkte Granato an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade überlegt, ob er den Bus oder doch lieber den Zug zurücknehmen sollte. Seine "Tigri" wirkten zahnlos, trotz ordentlicher Spielanlage. "Wir hatten mehr Ballbesitz", sagte er leicht trotzig, "aber Ballbesitz gewinnt keine Spiele." Stimmt, Tony. Vor allem nicht, wenn der Gegner so effizient auftritt wie Gela.

Mit 4:0 und einer Tacklingquote von fast 57 Prozent zeigte Gela, dass Offensivgeist und defensive Stabilität keine Gegensätze sein müssen. Die Kombination aus Müller’s mutiger Ausrichtung und der Spielfreude seiner Offensivreihe funktionierte wie ein gut geöltes Uhrwerk.

Ein Reporter fragte Miriuta nach dem Spiel, ob er nun an den Titel glaube. Der Ungar grinste nur: "Ich glaube an Pasta und drei Punkte - das reicht fürs Erste."

So endete ein Abend, an dem fast alles passte: das Wetter, die Tore, die Witze des Stadionsprechers. Nur die Gäste dürften den Rückflug etwas leiser antreten. Für Gela dagegen war es ein Fußballfest - eines jener Spiele, bei denen sich Fans noch Jahre später fragen: "Weißt du noch, damals, als sie Tigri 4:0 weggeputzt haben?"

Und wer weiß - vielleicht war dieser 12. Spieltag der 1. Liga Italien der Moment, an dem aus einem soliden Team ein ernsthafter Titelkandidat wurde. Aber das wird sich erst zeigen. Bis dahin darf man in Gela ruhig noch ein paar Tage feiern - verdient hätten sie’s.

23.02.644003 14:25
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