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Wenn man nach einem Sinnbild für Einbahnstraßenfußball sucht, dann genügt ein Blick auf diesen Abend im Stadio Carlo Castellani. 27.000 Zuschauer hatten sich am Donnerstagabend zur Pokalpartie zwischen dem AC Empoli und Gela eingefunden - und sahen ein Spiel, das die Gastgeber wohl am liebsten vergessen würden. 0:1 hieß es am Ende, und das Ergebnis schmeichelte Empoli beinahe. Von der ersten Minute an war klar: Gela war zum Spielen, Empoli zum Zuschauen gekommen. Schon in der zweiten Minute prüfte Lucas Cochran den Empoli-Keeper Riccardo Bruno, der an diesem Abend wohl mehr Schüsse abwehrte, als er in der ganzen Woche Trainingseinheiten sah. Kurz darauf versuchte es Jozef Kona aus der Distanz - der Ball rauschte nur Zentimeter über die Latte. In der 17. Minute fiel dann das, was man freundlich "die logische Konsequenz" nennt: David Martin, der flinken Füße wegen von seinen Mitspielern "il Pendolino" genannt wird, zog von links energisch in die Mitte und traf mit einem satten Schuss ins lange Eck. Niels Wegener hatte die Szene mit einem eleganten Steckpass eingeleitet, der die gesamte Empoli-Abwehr aussehen ließ, als hätte sie gerade erst erfahren, dass das Spiel begonnen hat. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste Martin später, "na ja, fast." Empoli versuchte, wenigstens den Anschein von Gegenwehr zu wahren. Doch was nützt eine offensive Ausrichtung, wenn man keinen einzigen Torschuss zustande bringt? Null - in Worten: null - Schüsse auf das gegnerische Tor. Trainerstatistikfreunde werden diese Zahl lieben, Empoli-Fans eher weniger. "Wir haben spielerisch Lösungen gesucht", sagte ein sichtlich frustrierter Empoli-Coach nach der Partie und ergänzte, "leider waren sie auf dem Platz nicht zu finden." Sein Name blieb an diesem Abend so blass wie die Leistung seiner Mannschaft. Gela dagegen zeigte, dass Ballbesitz nicht langweilig sein muss: 57 Prozent, und das mit Stil. Vitorino Postiga und Daniel Fabbri zogen im Mittelfeld die Fäden, während die Defensive um Tahsin Caliskan und Filipe Semedo jegliche aufkeimende Hoffnung der Hausherren im Keim erstickte. Nur einmal, in der 60. Minute, schien Gela kurz die Kontrolle zu verlieren, als Fabbri nach einem etwas ungeschickten Einsteigen die Gelbe Karte sah. Zehn Minuten später revanchierte sich Empolis Davide Martino mit einer eigenen Verwarnung - offenbar wollte er nicht ohne Souvenir vom Platz gehen. Dann die Szene, die das Publikum endlich aufrüttelte - allerdings aus den falschen Gründen: Empolis Francesco Romano blieb nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie und musste in der 68. Minute ausgewechselt werden. "Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes", sagte Teamkollege Georges Hannigan später, "aber ganz ehrlich - der Platz war heute unser kleinstes Problem." Gela wechselte clever, brachte in der Schlussphase noch frische Beine: Pablo Tarrega kam für Fabbri und hätte beinahe in der 86. Minute für das 2:0 gesorgt. Sein Schuss strich jedoch knapp am Pfosten vorbei - einer der insgesamt 15 Torschüsse der Gäste, ein Wert, der Empoli nur neidisch zurückließ. Trainer Michael Müller von Gela zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht überschwänglich. "Wir hätten früher den Sack zumachen müssen", sagte er in seinem trockenen Tonfall, "aber man soll ja nicht gierig sein." Dann lächelte er, als einer seiner Spieler vorbeikam und ihm zuraunte: "Chef, wir haben gewonnen, oder?" Müller nickte: "Dann passt’s ja." Und so endete dieser Pokalabend mit einem Resultat, das nüchtern betrachtet knapp, emotional aber eindeutig war. Empoli blieb vieles schuldig - Einsatz, Ideen, Torgefahr -, während Gela mit Ruhe, Präzision und einem Hauch süditalienischer Lässigkeit das Spiel bestimmte. Was bleibt? Ein Tor von David Martin, ein Dutzend verpasster Chancen, und ein Empoli, das sich fragt, ob man ein Spiel auch gewinnen kann, ohne aufs Tor zu schießen. Die Antwort kam an diesem Abend klar und unmissverständlich: Nein. Oder wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte, während er seine Jacke überzog: "Wenn Empoli so weitermacht, sparen sie wenigstens am Tornetz-Verschleiß." Ein bitterer Trost - aber immerhin ehrlich. 30.11.643999 22:15 |
Sprücheklopfer
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