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Es war einer dieser Abende, an denen Fußballromantiker seufzen und Taktiknerds sich die Haare raufen: Ein wildes 3:5 zwischen dem AS Mailand und Gela am 11. Spieltag der 1. Liga Italien. 39 903 Zuschauer im San Siro sahen Tore im Minutentakt, Defensivreihen im freien Fall und einen Julien Matthieu, der mit einem Dreierpack zum Albtraum der Mailänder Hintermannschaft wurde. Kaum hatte Schiedsrichter Rinaldi angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. 60 Sekunden waren gespielt, als Gelas Rechtsaußen Julien Matthieu nach feinem Zuspiel von Ignacio Barbosa trocken ins lange Eck abschloss - 0:1. Trainer Michael Müller ballte an der Seitenlinie die Faust und brüllte: "So startet man ein Auswärtsspiel!" Mailands Coach Onerom Jackson dagegen blickte, als frage er sich, ob seine Mannschaft noch im Aufwärmmodus war. Doch Gela hatte Blut geleckt. In der 17. Minute revanchierte sich Barbosa für seine Vorlage, traf selbst nach Pass von Pablo Tarrega - 0:2. Die Mailänder Kurve schwieg, nur ein Junge auf der Tribüne rief verzweifelt: "Wacht endlich auf!" Und tatsächlich: Mailand wachte auf. Lasse Falk, der Torjäger im rot-schwarzen Trikot, legte los. Erst verwertete er in der 24. Minute eine präzise Flanke von Adrian Burkhardt zum 1:2, dann traf er nach 32 Minuten erneut, diesmal nach Vorlage von Rafael Makukula. Zwei Falk-Tore, zwei Mal die Faust gen Himmel - und das Stadion bebte. "Da dachte ich, wir reißen das noch rum", sagte Falk später. "Aber Fußball ist manchmal wie ein schlechter Witz - man lacht und dann tut’s weh." Mit 2:2 ging es in die Pause. Die Statistik sprach eine Sprache der Ausgeglichenheit: 12 Torschüsse Mailands, 15 von Gela, Ballbesitz fast pari (48 zu 52 Prozent). Beide Teams offensiv ausgerichtet, beide mit Lust am Risiko - nur einer sollte später die besseren Nerven haben. Direkt nach Wiederanpfiff knallte Javier Garcia den Ball zum 2:3 unter die Latte (47.), nach feinem Querpass von - wer sonst - Matthieu. Der Franzose war an diesem Abend überall: schnell, frech, unermüdlich. In der 56. Minute traf er selbst zum 2:4, vorbereitet von Marco Frechaut, und krönte sich später mit seinem dritten Treffer (69.) zum Mann des Spiels. "Ich habe einfach geschossen, wenn ich Lust hatte", grinste Matthieu nach Abpfiff. "Unser Trainer sagt immer: Wer nicht trifft, muss laufen. Ich wollte nicht laufen." Mailand stemmte sich zwar noch einmal dagegen, als der junge Luigi Soveria Simeri in der 59. Minute nach Burkhardt-Zuspiel zum 3:4 verkürzte - ein Treffer, der das Stadion wieder hoffen ließ. Doch Gelas Antwort ließ nur zehn Minuten auf sich warten: erneut Matthieu, erneut eiskalt. Die letzten zwanzig Minuten waren ein wilder Schlagabtausch. Gela zog sich nicht zurück, sondern presste hoch, als wollten sie beweisen, dass man auch mit 5:3-Führung noch Spaß haben darf. "Ich wollte, dass wir mutig bleiben", erklärte Coach Müller. "Fehler kann man verzeihen, Feigheit nicht." Eine Gelbe Karte für Silvestre Veloso (78.) und dessen anschließende Auswechslung waren das einzige Anzeichen, dass Gelas Kräfte nachließen. Mailand rannte an, aber es war der sprichwörtliche Kampf gegen Windmühlen. Niccolò Lorenzo setzte in der 90. Minute den letzten Schuss aufs Tor - vergeblich. Torwart Willem Veeder pflückte den Ball aus der Luft wie eine reife Frucht. Nach dem Schlusspfiff stand Gela jubelnd im Mittelkreis, während auf der anderen Seite Coach Jackson mit verschränkten Armen in die Leere starrte. "Wir haben offensiv gespielt, vielleicht zu offensiv", murmelte er später. "Manchmal ist ein Schritt zurück der Weg nach vorn - aber try telling that to my Stürmer." Fünf Tore auswärts, drei davon von Matthieu, dazu Vorlagen von Barbosa und Frechaut - Gela zeigte, dass Leidenschaft manchmal mehr wiegt als Ballbesitzprozente. Die Zuschauer verabschiedeten beide Teams mit Applaus, wohl wissend, dass sie Zeugen eines Spiels geworden waren, das eher einem Rockkonzert glich als einer taktischen Lehrstunde. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne schmunzelnd sagte: "Früher hat Mailand gewonnen, wenn sie drei Tore schossen. Heute verlieren sie charmant dabei." Ein sarkastisches, aber treffendes Fazit für einen Abend, an dem Tore regneten, Verteidigungen kollabierten und Julien Matthieu mit einem Lächeln davonzog - als wäre das alles nur ein ganz normaler Arbeitstag im Chaos namens Fußball. 07.03.643994 06:20 |
Sprücheklopfer
Ich werde einen Teufel tun und Ewald widersprechen. Der Ewald hat sich ja alles ganz genau notiert.
Felix Magath über eine Spielanalyse von Ewald Lienen