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Gelsenkirchen 04 ringt Fortuna Chemnitz in wildem Schlagabtausch 3:2 nieder

Ein lauer Sommerabend, 28.181 Zuschauer im Stadion, und ein Spiel, das in der ersten Halbzeit an Kamillentee erinnerte - beruhigend, aber einschläfernd. Doch dann verwandelte sich das Duell zwischen Gelsenkirchen 04 und Fortuna Chemnitz in einen turbulenten Fußballkrimi, der selbst den abgebrühtesten Stadionsprecher ins Schwitzen brachte. Am Ende stand ein 3:2-Sieg für die Gastgeber, die sich mit ordentlich Drama und einem Schuss Selbstironie zurück in die obere Tabellenhälfte der 2. Liga Deutschland ballerten.

Die erste Halbzeit war, um es freundlich zu sagen, zäh wie ein Kaugummi auf dem Stadionboden. Gelsenkirchen spielte zwar fleißig nach vorne, 13 Torschüsse in den ersten 45 Minuten, aber zumeist war Fortuna-Keeper Corey Ross der Spielverderber. "Ich dachte schon, wir spielen Handball - so viele Bälle, wie die da vorne kreisen ließen", grinste Gelsenkirchens Trainer Andreas Meyer nach dem Spiel. Fortuna Chemnitz hingegen wirkte, als habe man die Busfahrt in den Beinen - zwei zaghaft gefährliche Aktionen, mehr war nicht.

Dann kam die 57. Minute, und mit ihr der Dosenöffner: Tomas Ledig, der junge Linksaußen, zog nach einem feinen Zuspiel von Rechtsverteidiger Jannick Kurz ab und traf trocken zum 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Ledig nach Abpfiff schmunzelnd zu, "aber manchmal hilft der Zufall mehr als das Training." Das Stadion erwachte, und Gelsenkirchen legte nach: In Minute 68 vollstreckte Marvin Mayer nach Vorarbeit des eingewechselten Günter Meissner zum 2:0. Ein Tor, wie aus dem Lehrbuch - und das Lehrbuch stammte offenbar aus der Kategorie "endlich mal Effizienz".

Doch wer dachte, die Messe sei gelesen, kennt Fortuna Chemnitz schlecht. Trainer Maik Oberländer warf in der Schlussphase alles nach vorne, und prompt fiel in der 76. Minute der Anschlusstreffer: Vincent Galindo, frisch eingewechselt, verwertete eine Flanke von Dirck De Groot per Kopf - 2:1. Nur drei Minuten später stellte Gelsenkirchens Oldie Ferenc Klausz den alten Abstand wieder her. Der 33-Jährige, der schon in der ersten Halbzeit Chancen am Fließband verballert hatte, traf endlich - und ballte die Faust Richtung Himmel, als wolle er sagen: "Na also, geht doch!"

Das letzte Wort hatte allerdings noch Chemnitz’ Isaac Simard, der in der 81. Minute aus spitzem Winkel das 3:2 erzielte. "Da war kurz Panik angesagt", gestand Gelsenkirchens Torwart Wilhelm Preuss, "ich hab schon überlegt, ob ich mich krankmelde." Doch die Hausherren retteten den Vorsprung mit Kampf und Chaos über die Zeit. Fortuna drückte, Gelsenkirchen konterte - und das Publikum bekam endlich das Spektakel, das es in der ersten Hälfte so schmerzlich vermisst hatte.

Statistisch gesehen war Gelsenkirchen klar überlegen: 21 Torschüsse zu 5, 52 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Fortuna Chemnitz hielt tapfer dagegen, aber das reichte nicht. "Wir haben zu spät gemerkt, dass auch 45 Minuten reichen können, um ein Spiel spannend zu machen", meinte Oberländer trocken nach der Partie. Und fügte an: "Immerhin haben wir die Zuschauer wachgehalten."

Ein kleiner Wermutstropfen für Gelsenkirchen: Innenverteidiger Jürgen Wegener musste nach einer Verletzung in der 52. Minute ausgewechselt werden. Trainer Meyer versuchte, die Sorgen kleinzureden: "Jürgen hat gesagt, es ziept nur ein bisschen. Aber er sagt das auch, wenn ihm das Bein fehlt."

Als der Schlusspfiff ertönte, atmete die Heimkurve kollektiv auf. 3:2, Arbeitssieg, Durchatmen. Marvin Mayer winkte den Fans zu und rief in Richtung Trainerbank: "Chef, ich hab doch gesagt, ich treff heute!" - worauf Meyer nur kopfschüttelnd grinste: "Ja, nach acht Versuchen darf man auch mal."

So endete ein Spiel, das alle Facetten des Unterhaus-Fußballs bot: vergebene Chancen, heroische Paraden, ein bisschen Slapstick und viel Herzblut. Fortuna Chemnitz fährt zwar ohne Punkte nach Hause, aber mit der Gewissheit, dass man selbst in der Niederlage für Unterhaltung sorgen kann. Und Gelsenkirchen 04? Die feiern, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht.

Oder, wie Ferenc Klausz es in der Mixed Zone zusammenfasste: "Fußball ist manchmal wie ein altes Auto - läuft’s einmal, dann lieber nicht anhalten."

Ein Satz, der an diesem Abend wohl für beide Teams galt - nur dass Gelsenkirchen mit etwas mehr Benzin im Tank unterwegs war.

26.12.644002 06:06
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Als ich zum FC Bayern kam, war ich ein Schnäppchen, heute bin ich rund 50 bis 60 Millionen Mark wert.
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