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Gelsenkirchen 04 ringt Hannover nieder - frühes Tor, später Zittern

Ein Fußballabend wie aus einem alten Ruhrgebietsmärchen: Dampf, Drama und ein Tor in der vierten Minute - danach 86 Minuten Zittern, Schwitzen und Beten. Gelsenkirchen 04 gewinnt sein Heimspiel gegen Hannover mit 1:0 und lässt 35.165 Zuschauer mit pochendem Herzen in die Nacht hinaus.

Es war kaum angepfiffen, da explodierte die Arena. Marvin Mayer, der flinke Rechtsaußen mit der Frisur eines Rockstars und dem Selbstbewusstsein eines Stürmers, der weiß, dass er gleich Geschichte schreibt, verwertete in der 4. Minute einen scharfen Querpass des 17-jährigen Lukas Engelhardt zum 1:0. Ein Treffer, so früh, dass einige Fans noch an der Bratwurstschlange standen. "Ich hab nur das Netz wackeln sehen und gedacht: Na toll, wieder verpasst", schimpfte ein Zuschauer lachend auf der Tribüne.

Danach aber wurde es zäh. Trainer Andreas Meyer ließ seine "Königsblauen" - pardon, Gelsenkirchener - in bewährter Konterhaltung verharren. Ballbesitz? 48 Prozent. Torschüsse? Zwei. Effektivität? Hundert Prozent. "Wir wollten kontrolliert verteidigen", sagte Meyer nach dem Spiel mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung pendelte. "Wenn du führst, musst du nicht schön spielen. Nur richtig stehen."

Hannover probierte es dagegen mit allem, was das Offensivlehrbuch hergibt. Zehn Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - alles für die Statistik. Nicht für die Tabelle. Aldo Locatelli, der dreimal aufs Tor drosch, war der tragische Held des Abends. In der 89. Minute zirkelte er den Ball haarscharf am Pfosten vorbei - der Moment, in dem Gästecoach Daniel Dietrich die Hände vors Gesicht schlug. "Ich glaube, der Ball hat sich in letzter Sekunde umentschieden", seufzte er später.

Schon früh in der Partie deutete sich an, dass Hannover an diesem Abend gegen eine Wand anlaufen würde. Robert Hein, der 33-jährige Schlussmann von Gelsenkirchen, hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich unhaltbar war. In der 37. Minute fischte er einen Locatelli-Schuss aus dem Winkel, dass selbst der Gästetrainer kurz applaudierte. "Hein war heute unser Fels in der Brandung", lobte Coach Meyer. "Und wenn er mal in Rente geht, will ich wissen, wo ich so einen herbekomme."

Der Rest war Kampf und Krampf. Hannovers Bruno Castel sah in der 64. Minute Gelb, nachdem er den jungen Douglas Costa - ebenfalls 17, ebenfalls frech - etwas zu rustikal stoppte. "Der Junge hat Tempo, da bleibt einem manchmal nur das Trikot", erklärte Castel hinterher mit einem schiefen Lächeln.

Kurz nach der Pause tauschte Meyer den erfahrenen Lindemann gegen den 20-jährigen Heinrich Petersen aus - ein Zeichen, dass der Coach das Mittelfeld stabilisieren wollte. "Heinrich sollte ein bisschen Ruhe reinbringen", so Meyer. "Hat er auch, indem er sich konsequent vom Ball fernhielt", witzelte ein Reporter in der Mixed Zone.

Hannover wechselte fleißig - viermal insgesamt -, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Weder Xavi de Almeida, noch Ersatzmann Viktor Breschnew konnten das Bollwerk knacken. "Wir hatten heute 90 Minuten Druck, aber null Fortune", bilanzierte Dietrich trocken. "Manchmal ist Fußball wie ein kaputtes Navigationssystem - du weißt, wo du hinwillst, aber du kommst einfach nicht an."

Und so blieb es beim 1:0. Ein Ergebnis, das Gelsenkirchen 04 nicht nur drei Punkte beschert, sondern auch ein Kapitel für die Kategorie "Arbeitssieg" liefert. Auf der Pressekonferenz fragte ein Journalist, ob Meyer mit dieser "defensiven Meisterleistung" zufrieden sei. "Zufrieden? Ich bin glücklich!", rief der Trainer. "Wir haben einen Plan gehabt und ihn 86 Minuten lang erfolgreich verteidigt."

Die Fans sahen es ähnlich - zumindest die in Blau. "Manchmal reicht ein Tor, wenn’s das richtige ist", brüllte ein älterer Herr beim Hinausgehen, während hinter ihm ein Kind mit Schal und Zuckerwatte auf den Schultern des Vaters saß und rief: "Marvin Mayer ist der Beste!"

Hannover dagegen fuhr mit hängenden Köpfen nach Hause. "Wir haben alles gegeben", meinte Kapitän Marc Oliveira, "aber der Fußballgott war wohl im Ruhrpott geboren."

So endete ein Abend, der sportlich überschaubar, emotional aber groß war. Ein frühes Tor, ein tapfer verteidigtes Ergebnis und ein Trainer, der wohl noch heute Nacht vom perfekten 1:0 träumt.

Oder, wie Marvin Mayer es lachend zusammenfasste: "Wenn du in der vierten Minute triffst, darfst du danach auch mal 86 Minuten schwitzen."

15.11.643996 05:07
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Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund
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