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Gelsenkirchen 04 siegt glanzlos - Hordel scheitert an sich selbst

Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob die Flutlichtanlage mehr Energie verbraucht hat als die Spieler auf dem Platz. TuS Hordel empfing am 15. Spieltag der 2. Liga Gelsenkirchen 04 - und verlor knapp, aber verdient, mit 0:1. 30.331 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger durch fußballerische Brillanz als durch jugendliche Unbekümmertheit auf Seiten der Gäste auffiel.

Das goldene Tor fiel ausgerechnet kurz vor der Pause, in der 45. Minute. Der erst 19-jährige Tomas Ledig, bis dahin eher unauffällig, nahm auf der linken Seite Fahrt auf, zog mit frechem Selbstbewusstsein in den Strafraum und vollendete nach klugem Zuspiel des 18-jährigen Bertalan Bicskei trocken ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt - ich dachte, der geht drüber", grinste Ledig nach Abpfiff, während Trainer Andreas Meyer ihm väterlich auf die Schulter klopfte.

Bis dahin hatte Gelsenkirchen 04 die Partie weitgehend im Griff, auch wenn die Statistiken ein fast ausgeglichenes Bild zeigen: 50 Prozent Ballbesitz zu 49,9 für Hordel - aber 14:5 Torschüsse zugunsten der Gäste sprechen eine deutlichere Sprache. TuS Hordel kämpfte, rannte, grätschte, und dennoch wirkte vieles wie Stückwerk. Trainerin Ute Finkeldy, die während des Spiels mehrfach wild gestikulierte, sagte später: "Wir haben nie richtig Zugriff gefunden. Vielleicht hätten wir einfach mal den Ball fragen sollen, wohin er will."

Schon früh zeigte sich, dass Gelsenkirchen moderner und strukturierter auftrat. Ihre Offensivreihe - Xavier, Hein und Bicskei - beschäftigte die Hordeler Defensive permanent. In der 6. Minute prüfte Bicskei erstmals Torhüter Kay Fuhrmann, der die Kugel spektakulär zur Ecke lenkte. Kurz darauf folgten weitere Abschlüsse durch Dirk Thomas und Sergio Xavier, doch der Ball wollte noch nicht hinein.

Hordel versuchte es derweil mit langen Bällen und beherztem Körpereinsatz. Fynn Huber kam in der 24. Minute zur besten Chance der Gastgeber, sein Schuss aus zwölf Metern strich hauchdünn am Pfosten vorbei - und ließ die Fans kollektiv aufstöhnen. "Wenn der reingeht, kippt das Spiel vielleicht", murmelte Kapitän Gustav Hauser später, "aber Fußball ist kein ’wenn’, sondern meistens ein ’ach Mist’."

Nach dem Seitenwechsel reagierte Finkeldy gleich dreifach: Neuer Torwart, neuer Innenverteidiger, neuer Linksverteidiger. Es half - bedingt. Zwar stand Hordel nun stabiler, aber offensiv blieb vieles harmlos. Tiago Valente versuchte es in der 67. Minute mit einem Schlenzer, später noch einmal in der 88. Minute - beide Male war Gäste-Keeper Wilhelm Preuss zur Stelle, der ansonsten einen ruhigen Abend verbrachte.

Gelsenkirchen 04 blieb seiner Linie treu: offensiv, aber ohne übertriebenes Risiko. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht ruinieren", erklärte Trainer Meyer trocken. Seine Mannschaft spielte geduldig, ließ Ball und Gegner laufen, und wenn es gefährlich wurde, war meist der flinke Bicskei beteiligt. Auch Joschua Lindemann, der zur zweiten Hälfte kam, hatte in der Schlussphase zwei gute Gelegenheiten (83. und 87. Minute), aber scheiterte an Fuhrmann, der trotz Niederlage zu den Besten seines Teams zählte.

Man merkte den Hordelern an, dass sie wollten - aber nicht wussten, wie. Die langen Bälle verpufften, die Zweikämpfe gingen meist verloren (Zweikampfquote: 45,7 Prozent), und am Ende blieb nur der bittere Beigeschmack einer ordentlichen, aber brotlosen Leistung. "Wir haben uns nicht versteckt", sagte Mittelfeldmann Sascha Günther, "aber manchmal ist Fußball wie Mathe: Du rechnest richtig und kriegst trotzdem null Punkte."

Gelsenkirchen dagegen darf sich über drei Punkte freuen, auch wenn der Sieg alles andere als glanzvoll war. Ein Tor, ein Hauch Taktik, und viel jugendlicher Schwung - das reichte an diesem Freitagabend.

Vielleicht das schönste Bild des Abends: Nach Abpfiff stand Tomas Ledig mit einem breiten Grinsen vor der Kurve, während Bicskei ihm den Arm um die Schulter legte. "So jung und schon der Matchwinner", rief ein Fan vom Zaun. Ledig lachte und antwortete: "Ich hab nur gemacht, was Bertalan mir gesagt hat - und der ist der Chef."

Trainer Meyer fasste es passend zusammen: "Wir haben viele Talente, aber auch viel zu tun. Heute war’s ein Schritt - kein Sprung." Und TuS Hordel? Wird weiter kämpfen, analysieren, hoffen - und vielleicht beim nächsten Mal nicht nur den Ball, sondern auch das Glück auf seiner Seite haben.

Ein Spiel, das schnell vergessen geht - aber für Gelsenkirchen 04 ein kleiner, wichtiger Sieg in einer langen Saison. Für Hordel bleibt die Erkenntnis: Man kann alles richtig machen und trotzdem verlieren. Oder, wie Ute Finkeldy es zum Schlusspfiff flüsterte: "Willkommen im echten Leben des Fußballs."

29.11.643990 15:55
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