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Gelsenkirchen 04 siegt knapp - Hordel kämpft, Engelhardt glänzt

Ein lauer Maiabend, 32.387 Zuschauer im Hordeler Stadion, und ein Spiel, das alle Zutaten für eine gute Fußballgeschichte hatte: junge Helden, alte Routiniers, ein bisschen Drama - und ein Ergebnis, das TuS Hordel zwar schmerzt, aber irgendwie auch stolz macht. Am Ende hieß es 1:2 (0:1) gegen Gelsenkirchen 04, die damit ihren ersten Auswärtssieg der Saison einfuhren.

"Wir wollten eigentlich nur nicht wieder in der 22. Minute ein Tor kassieren", murmelte Hordels Trainerin Ute Finkeldy nach dem Abpfiff, halb lachend, halb seufzend. Genau in dieser verflixten Minute hatte der 19-jährige Lukas Engelhardt für die Gäste getroffen - und das, wie es sich für einen aufstrebenden Flügelstürmer gehört, mit jugendlichem Übermut und erstaunlicher Kaltschnäuzigkeit. Nach einem präzisen Zuspiel von Linksverteidiger Yanik Schrader zog Engelhardt einfach mal ab, und der Ball zappelte im Netz.

Da stand es 0:1, und Hordel wirkte kurz wie eingefroren. "Ich dachte, der Junge spielt noch A-Jugend", stöhnte Verteidiger Nico Blum später in der Mixed Zone. Doch die Gelsenkirchener machten weiter Druck. Ganze 19 Torschüsse feuerten sie im gesamten Spiel ab - das sind sechsmal so viele wie Hordel. Allein Marvin Mayer prüfte den Hordeler Keeper Davide Lorenzo mehrfach aus allen Lagen, aber der Torwart zeigte, warum er im Ruhrgebiet längst als "die Katze von Hordel" bekannt ist.

Lorenzo flog, hechtete, brüllte seine Abwehr zusammen - und hielt seine Mannschaft im Spiel. In der 43. Minute musste er dann allerdings mitansehen, wie sich Rechtsverteidiger Robert Held verletzte. Finkeldy tauschte ihn sofort gegen den jungen Detlev Foerster aus, der später noch eine Gelbe Karte bekam, aber immerhin mit einem makellosen Frisuren-Scheitel glänzte.

Gelsenkirchen schien alles im Griff zu haben. Trainer Andreas Meyer stand stoisch an der Linie, die Hände in den Taschen, als sei das 1:0 eine Formsache. "Wir wollten ruhig bleiben, das Spiel kontrollieren. Und vielleicht ein zweites Tor schießen, falls uns langweilig wird", grinste Meyer nachher.

Und tatsächlich fiel das zweite Tor - in der 77. Minute. Diesmal war es Tomas Ledig, der nach einem Pass von Dirk Thomas aus halblinker Position abzog. Der Ball schlug unhaltbar im langen Eck ein, und die Gelsenkirchener Bank jubelte, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

Doch wer Hordel kennt, weiß: Aufgeben ist keine Option. Nur eine Minute später, die 78., kombinierte sich das Heimteam über Günther Pfeiffer durchs Mittelfeld. Ein kurzer Doppelpass, ein beherzter Sprint, und schließlich brachte Bruder Tim Pfeiffer den Ball über die Linie. 1:2 - und plötzlich bebte das Stadion.

"Da war kurz Feuer drin", meinte Marvin Mayer später, "ich hab gedacht, das kippt noch." Und beinahe hatte er recht. In der 88. Minute zwang Hordels Stürmer Pfeiffer Gästetorwart Wilhelm Preuss noch einmal zu einer Glanzparade. Der Ball strich knapp über die Latte, und die Fans rissen sich die Haare.

Die Schlussminuten waren dann mehr Kampf als Kunst. Karsten Runge sah Gelb, Foerster ebenso, und Schiedsrichterin Hagemann hatte alle Hände voll zu tun, die Emotionen im Zaum zu halten. "Ich hab nur gepfiffen, was nötig war", erklärte sie später trocken. Man könnte sagen, das war eine steile Untertreibung.

Statistisch gesehen war Gelsenkirchen das klar bessere Team: 51 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fast zwanzig Abschlüsse. Hordel dagegen brachte nur drei Schüsse aufs Tor - dafür aber einen Treffer, der das Stadion kurzzeitig in Ekstase versetzte.

Die Taktik spiegelt das wider: Gelsenkirchen spielte ausgewogen, geduldig, immer Herr der Lage. Hordel dagegen versuchte es offensiv, mit langen Bällen und viel Herzblut. "Wir wollten sie überraschen", sagte Finkeldy. "Hat auch geklappt - einmal."

Nach dem Schlusspfiff klatschten die Fans ihre Spieler trotzdem ab. Der laute Applaus sagte: Ihr habt’s versucht, Jungs. Und wer weiß - vielleicht fällt der Ball beim nächsten Mal nicht an den Pfosten, sondern rein.

Oder, wie Hordel-Kapitän Günther Pfeiffer es formulierte: "Wir verlieren lieber mit Stolz als ohne Mut." Ein Satz, der nach Fußschweiß, Ascheplatz und ehrlichem Fußball klingt - und genau deshalb so schön ist.

In Gelsenkirchen wird man über den knappen Sieg wohl nicht allzu viel philosophieren. Drei Punkte sind drei Punkte, und Engelhardt dürfte sich über die Schlagzeilen freuen. "Ich hab einfach draufgehauen", grinste der Torschütze des Abends, "und dann war’s halt drin."

Manchmal ist Fußball eben ganz einfach. Und manchmal braucht es nur einen 19-Jährigen mit Mut, um den Unterschied zu machen.

21.11.644002 12:37
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