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Gelsenkirchen feiert: Nachwuchs wirbelt den Hamburger SC mit 2:0 vom Platz

Wenn es eine Begegnung gab, die man als "Lektion in jugendlicher Unbekümmertheit" bezeichnen kann, dann war es das Duell zwischen Gelsenkirchen 04 und dem Hamburger SC am 28. Spieltag der 2. Liga. Vor 26 022 Zuschauern im altehrwürdigen Parkstadion ließen die jungen Wilden aus dem Ruhrgebiet den Hanseaten kaum Luft zum Atmen - und gewannen hochverdient mit 2:0 (0:0).

Schon die ersten Minuten machten klar, wer hier das Kommando führen würde. Gelsenkirchen spielte OFFENSIVE mit einem Hauch von Leichtsinn, während Hamburg sich in seine BALANCED‑Defensivtaktik flüchtete - was in der Praxis meist hieß: alle Mann hinter dem Ball. "Wir wollten erstmal stabil stehen", erklärte Trainer Bernd Happel nach dem Spiel mit einem Seufzer, "aber irgendwann standen wir nur noch."

Der erste Durchgang war eine Mischung aus jugendlicher Euphorie und hanseatischer Schadensbegrenzung. 20:3 Torschüsse sollte es am Ende heißen, und schon da zeichnete sich ab, wohin die Reise ging. Besonders Gelsenkirchens Stürmer Sergio Xavier, gerade 18 Jahre jung, prüfte Keeper Marco Ruiz gleich mehrfach. Dessen Paraden - teils artistisch, teils verzweifelt - hielten die Gäste im Spiel. In Minute 11 sah Ashton Stokes die erste Gelbe Karte, nachdem er einen Angriff über rechts mit der Brechstange stoppte. "Ich hab’ nur den Ball getroffen", beteuerte er später, und fügte nach kurzem Überlegen hinzu: "…glaube ich zumindest."

Zur Pause blieb es beim 0:0, doch Gelsenkirchens Trainer Andreas Meyer wirkte in der Kabine alles andere als unzufrieden. "Ich hab den Jungs gesagt: weiter so, irgendwann fällt einer rein. Und wenn nicht, dann eben zwei", grinste er auf der Pressekonferenz.

Sechs Minuten nach Wiederbeginn fiel tatsächlich der erste. Rechtsverteidiger Jannick Kurz - sonst eher fürs Grobe zuständig - stürmte nach einem feinen Zuspiel von Tomas Ledig nach vorn und drosch den Ball humorlos ins kurze Eck (50.). Ruiz streckte sich, fand aber nur Luft. Das Stadion bebte. Kurz, dem man die eigene Überraschung anmerkte, rannte jubelnd in Richtung Eckfahne, wo ihn seine Mitspieler fast erdrückten. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später mit einem Augenzwinkern zu, "aber manchmal hat der Ball wohl eigene Pläne."

Nur sechs Minuten danach setzte der 18‑jährige Bertalan Bicskei den Deckel drauf. Nach einem kraftvollen Vorstoß von - man ahnt es - Jannick Kurz, landete dessen Flanke punktgenau auf dem rechten Fuß des Ungarn. Bicskei nahm den Ball volley, 2:0 (56.). Es war einer jener Momente, in denen man die pure Freude am Spiel spürt. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte der Torschütze nach Abpfiff und grinste breit. "Vielleicht war das genau das Richtige."

Hamburgs Antwort blieb aus. Drei Torschüsse in 90 Minuten - das ist wenig mehr als symbolischer Widerstand. Zudem musste Wladimir Gorgon nach 48 Minuten verletzt raus, was Happels ohnehin wackeliges Mittelfeld endgültig zum Kartenhaus machte. Die jungen Ersatzspieler kämpften, aber ohne Zielstrebigkeit. Bis zur 79. Minute sammelte man immerhin noch zwei Gelbe Karten und reichlich Frustpunkte.

Gelsenkirchen dagegen ließ Ball und Gegner laufen, 53 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 56 Prozent untermauerten die Kontrolle. Selbst in der Schlussphase, als Meyer noch dreimal wechselte - Lindemann, Bach und Mayer kamen für frische Beine - blieb der Druck hoch. In der 93. Minute prüfte Lindemann den Hamburger Keeper nochmals, der sich mit einem Hechtsprung in die Herzen der Gästefans warf.

Nach dem Schlusspfiff applaudierten die Zuschauer lange. Meyer klatschte seine Jungs ab und rief ihnen hinterher: "So spielt man Fußball, Jungs - und jetzt bitte nicht übermütig werden!" Happel hingegen sprach von einem "gebrauchten Abend", lobte aber fair: "Die Gelsenkirchener haben uns heute einfach gezeigt, was Tempo bedeutet."

Fazit eines Abends, der kaum spannender, aber umso unterhaltsamer war: Gelsenkirchen 04 steht mit diesem Sieg wieder deutlich im Aufstiegsrennen. Zwei Tore, 20 Abschlüsse, jugendlicher Übermut - und das alles gegen ein Hamburger Team, das mehr verteidigte als spielte. Wenn die Ruhrpott‑Talente so weitermachen, wird man in der Liga noch öfter von ihnen hören.

Oder, wie ein Fan beim Bierverkauf im Block C lakonisch meinte: "Wenn die so weiterkicken, kriegen wir bald wieder Erstligapreise - aber das wär’s wert."

09.08.643993 02:52
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Wir überlegten, jemanden vom Arbeitsamt zu holen, der den Spielern Alternativberufe zeigt.
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