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Gelsenkirchen siegt mit Glück, Beuel verzweifelt an sich selbst

Was war das bitte für ein Fußballabend in der 1. Liga Deutschland! 28.917 Zuschauer im Gelsenkirchener Stadion sahen ein Spiel, das eher an ein Kunstprojekt zum Thema "Effizienz" erinnerte. Denn während der SV Beuel 23 Mal auf das Tor schoss, traf der Ball nur einmal ins Netz - und das schon in der sechsten Minute. Am Ende jubelte jedoch das Heimteam, Gelsenkirchen 04, über einen 2:1-Sieg, der so glücklich war, dass selbst Fortuna verlegen lächelte.

Es begann furios: Beuels rechter Verteidiger Elof Anderson, sonst eher Freund der Grätsche als der Schusstechnik, zog in der sechsten Minute einfach mal ab - und siehe da, der Ball zappelte im Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Anderson später, "aber dann war er plötzlich drin. Vielleicht sollte ich öfter schießen."

Doch die Gelsenkirchener Antwort kam postwendend. Nur zwei Minuten später setzte sich der 17-jährige Douglas Costa auf der linken Seite durch, bekam den Ball von Dirk Thomas zugespielt und traf eiskalt ins kurze Eck. Das Publikum tobte, und Trainer Andreas Meyer sprang an der Seitenlinie so hoch, dass selbst der vierte Offizielle kurz zusammenzuckte. "Der Junge ist 17!", brüllte Meyer nach dem Spiel begeistert in die Mikrofone. "Der hat mehr Nerven als manche Spieler mit 300 Erstligaspielen."

In der 30. Minute dann die Wende - und die Entscheidung: Ferenc Klausz, der Gelsenkirchener Routinier im Sturm, nutzte eine Unachtsamkeit in Beuels Abwehr. Nach feinem Zuspiel von Mittelfeldmotor Jannick Bach schob er zum 2:1 ein. Danach schien Gelsenkirchen die Führung wie ein rohes Ei zu hüten.

Das Spiel kippte, zumindest optisch, klar zugunsten der Gäste. Beuel rannte, kombinierte, schoss - und verzweifelte. Ganze 23 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz für die Hausherren hin oder her, der Druck kam aus Beuel. Torwart Robert Hein, der in der Pause durch den jungen Wilhelm Preuss ersetzt wurde, hatte Schwerstarbeit zu leisten. Preuss parierte in der zweiten Halbzeit gleich mehrfach glänzend. "Ich hatte das Gefühl, die schießen auf mich aus allen Himmelsrichtungen", sagte der 23-Jährige später lachend. "Aber das war auch cool - endlich mal ein Spiel, in dem ich mehr Bälle gefangen hab als WhatsApp-Nachrichten."

Beuel-Trainer René Kuhl hingegen wirkte nach dem Abpfiff wie ein Mann, der gerade eine Rechnung bezahlt und trotzdem kein Essen bekommen hat. "Wir waren das klar bessere Team", knurrte er. "Aber Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb. Sonst wären wir heute auf Platz eins der Tabelle."

Die Statistik unterstrich die bittere Wahrheit: Gelsenkirchen 04 mit fünf Torschüssen, zwei Tore. Beuel mit 23 Torschüssen, einem Treffer. Dazu eine Gelbflut, die sich gewaschen hatte - gleich vier Verwarnungen, unter anderem für Beuels Bernt Burger, der nach seiner Einwechslung offenbar dachte, Gelb sei Teil des neuen Trikots.

Auch Verletzungen spielten eine Rolle: Gelsenkirchens junger Flügelspieler Dirk Thomas musste in der 65. Minute angeschlagen vom Feld. "Nur eine Zerrung", erklärte Coach Meyer, "aber der Junge wollte trotzdem weitermachen. Ich musste ihn quasi vom Spielfeld tragen." Auf der Gegenseite erwischte es Beuels Mittelfeldmann Jürgen Michels kurz vor Schluss, der nach einem Zweikampf humpelnd ausgewechselt wurde.

In den letzten Minuten warf Beuel alles nach vorn - inklusive der guten Manieren. Tiago Almeida, Jorge Quaresma und Pascal Charpentier feuerten, was das Leder hergab. Doch Gelsenkirchen verteidigte, als hinge das Überleben des Ruhrgebiets davon ab. Die Fans schrien, die Uhr tickte, und als Schiedsrichter Degen in der 93. Minute endlich abpfiff, fiel selbst Trainer Meyer auf die Knie - ob aus Dankbarkeit oder Erschöpfung, blieb offen.

"Wir wollten über die Flügel kommen, das hat geklappt - zumindest zweimal", sagte Meyer später und grinste schelmisch. "Danach war’s halt Arbeit. Aber Arbeit ist ja auch ehrlicher Fußball."

Beuel-Kapitän Anderson nahm es mit Galgenhumor: "Wenn Tore nach Schönheit vergeben würden, hätten wir 5:2 gewonnen. Leider zählt nur, was im Netz landet."

Ein Spiel, das zeigt, wie grausam und großartig Fußball zugleich sein kann: Der eine trifft zweimal aus fünf Versuchen, der andere schießt sich die Schuhe heiß und fährt ohne Punkte nach Hause.

Oder, wie es ein Gelsenkirchener Fan beim Hinausgehen so treffend sagte: "Manchmal reicht eben ein bisschen Glück - und ein Douglas Costa mit 17 Jahren, der noch nicht weiß, dass man so was eigentlich nicht darf."

04.05.643994 01:57
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