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Was für ein Fußballabend in der Champions League! 79.500 Zuschauer im brodelnden Stadion von Gentofte-Vangede erlebten ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst: ein Heimteam, das 45 Minuten lang wie entfesselt spielt, und Gäste aus Gela, die aus dem Nichts zurückkommen - und am Ende tatsächlich mit 3:2 triumphieren. Dabei fing alles so verheißungsvoll an für die Dänen. Nach einer Viertelstunde zappelte der Ball erstmals im Netz: Callum Buchan, der flinke Linksaußen mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen eines Mannes, der auch bei Gegenwind noch den Torjubel übt, schlenzte das Leder nach feinem Zuspiel von Jannik Johansson ins lange Eck. "Ich hab den Ball einfach getroffen - und gehofft, dass der Torwart noch überlegt, ob er springen soll", grinste Buchan später. Nur fünf Minuten später wiederholte sich die Szene fast spiegelbildlich. Diesmal kam die Vorlage von Evan O’Dea, und erneut war es Buchan, der die Kugel über Gelas Keeper Arkadiusz Dziekanowski hinweg in die Maschen setzte. 2:0 - die Arena stand Kopf, Trainer Hans Meier klatschte mit jedem Ersatzspieler ab, als wäre der Gruppensieg bereits sicher. Doch während Gentofte jubelte, begann Gela, sich leise zu sammeln. Trainer Michael Müller, an der Seitenlinie mit verschränkten Armen und dieser Miene, die sagt: "Ich hab’s euch ja gesagt", wechselte in der Pause nichts - aber offenbar einiges im Kopf seiner Mannschaft. "Ich habe nur gefragt, ob sie schon müde sind oder ob wir noch Fußball spielen wollen", verriet Müller später mit einem schmalen Lächeln. Und siehe da: Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, schlug Gela zurück. In der 48. Minute nutzte Julian Martins eine der zahllosen Flanken von Eric Jonsson und traf per Volley zum 1:2. Der Anschluss, der das Spiel kippte. Plötzlich war die italienische Offensive ein Dauergewitter - 22 Torschüsse am Ende sprechen Bände. Gentofte-Vangede, zuvor souverän, wirkte zunehmend fahrig. Die Beine schwer, die Pässe ungenau, der Torhunger gestillt. "Wir wollten das 3:0, aber irgendwie ist dann der Stecker gezogen worden", murmelte Kapitän Linus Nmecha nach dem Spiel. In der 71. Minute kam der Ausgleich - und wieder war es eine Kombination des Willens. Rechtsverteidiger Bernardo Ochoa, zuvor wegen einer Gelben Karte kurz vor dem Platzverweis schwebend, flankte butterweich auf den zweiten Pfosten, wo Javier Vazques lauerte. Der 32-Jährige nickte ein, als hätte er nie etwas anderes getan. 2:2 - und Gela roch Blut. Hans Meier reagierte nervös, brachte in der 77. Minute Jacinto Calvente für den müde gelaufenen Johansson und zwei Minuten später Tobias Bang im Mittelfeld. Doch an diesem Abend half kein Systemwechsel, kein Coaching und kein Glück. Denn in der 84. Minute passierte das Unvermeidliche: Eric Jonsson, der schon das ganze Spiel über wie ein geölter Blitz über die rechte Seite fegte, bekam von Innenverteidiger Timo Schlotterbeck einen langen Ball. Jonsson nahm ihn mit der Brust, ließ einen Verteidiger stehen und schob eiskalt ein - 2:3. Das Stadion verstummte. Nur der kleine Gästeblock explodierte in Jubel. "Ich hab einfach weitergemacht", sagte Jonsson später lakonisch. "Wenn du 20 Mal schießt und keiner geht rein, muss der 21. halt sitzen." Gentofte versuchte noch einmal alles, warf in den Schlussminuten alles nach vorn. Der eingewechselte Georgi Penew flankte, Marcel Bratu köpfte - aber Dziekanowski hielt, was zu halten war. Am Ende blieb es beim 2:3, und während Gela jubelte, blickte Hans Meier mit leerem Blick auf die Anzeigetafel. "Wir haben in der Kabine wohl die zweite Halbzeit vergessen", kommentierte er trocken. Statistisch gesehen war es ein Spiel auf Augenhöhe - 50 zu 50 Prozent Ballbesitz, aber Gela mit doppelt so vielen Torschüssen. Der Unterschied lag in der Konsequenz. Während Gentofte seine frühe Dominanz nicht konservieren konnte, zeigte Gela, wie man aus Druck Energie macht. "Wir waren nie tot", sagte Trainer Müller, "nur kurz ohnmächtig." So entführt Gela drei wertvolle Punkte aus Dänemark und schiebt sich in der Gruppe nach vorn. Gentofte-Vangede dagegen muss sich fragen, wie man ein 2:0 in ein 2:3 verwandelt - vielleicht eine Lektion fürs Leben. Oder, wie es Callum Buchan mit einem bitteren Lächeln zusammenfasste: "Manchmal ist Fußball eben kein Märchen. Eher eine Tragikomödie - mit uns in der Hauptrolle." 07.03.644003 05:08 |
Sprücheklopfer
Wir haben gegen zwei Mannschaften gewonnen, die von sich behaupten, ein Titelkandidat zu sein. Aber es war doch geradezu abenteuerlich von Leverkusen, mit drei Punkten als Ziel nach Schalke zu kommen. Wir sind doch schließlich nicht der SV Grün-Weiß Köln-Kalk.
Rudi Assauer nach dem 1:0-Erfolg gegen Europapokalsieger Borussia Dortmund, eine Woche nach dem 2:1 gegen Vizemeister Bayer Leverkusen