Außenseiter
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Gerda GFC Berlin ringt FC Gotha in wildem 3:2 nieder

Das Flutlicht über dem Berliner Westend flimmerte noch, als 3676 Zuschauer bereits die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. "Ich dachte, wir spielen heute Schach, so ruhig wie’s anfing", grinste Gerdas Trainer Günter Urban später - und hatte damit gar nicht so unrecht. Zehn Minuten lang passierte kaum etwas außer ein paar Alibi-Schüssen in die Abendluft. Doch dann nahm das Spiel zwischen Gerda GFC Berlin und dem FC Gotha Fahrt auf - und was folgte, war ein Oberliga-Abend voller Tempo, Dramatik und einem Hauch Chaos.

Die Berliner starteten mit offensiver Ausrichtung, wie man sie selten so konsequent in der "Oberliga A" sieht. Jason Fuchs und Joschua Horn wirbelten früh, doch zunächst scheiterte Fuchs in der achten Minute am guten Gotha-Keeper Olaf Lauer. "Ich hab den so satt getroffen, der Ball muss sich vorher noch umentschieden haben", meinte der 21-Jährige später mit einem Grinsen. In der 20. Minute machte sein Sturmpartner Horn es besser: Nach feinem Zuspiel von Fuchs nahm er den Ball mit der Brust, drehte sich blitzschnell und schlenzte ihn ins lange Eck - 1:0 für Gerda. Der Jubel war so laut, dass selbst die Currywurststände kurz innehielten.

Gotha wirkte kurz konsterniert, fing sich aber. Im Mittelfeld zog Marwin Fiedler die Fäden - bis er in der 15. Minute Gelb sah, was symbolisch für den zähen Kampf um jeden Meter war. Gerdas rechte Seite musste zudem nach 35 Minuten umgebaut werden: Niels Jahn verletzte sich und humpelte vom Platz. "Da hat’s geknackt - aber nicht im positiven Sinne", fluchte er am Spielfeldrand. Für ihn kam Routinier Wolfgang Schön, der später noch eine Hauptrolle spielen sollte.

Nach dem Seitenwechsel wachten die Gäste endgültig auf. Wilhelm Wenzel, der bis dahin eher unauffällige linke Mittelfeldmann, traf in der 48. Minute nach Zuspiel von Marjan Vucicevic zum Ausgleich. Der Berliner Keeper Oskar Sonne sah dabei aus, als habe er den Ball erst gehört, als er schon im Netz zappelte. Und kaum hatten die Hausherren den Schock verdaut, drehte Gotha weiter auf: Patrik Maass verwertete in der 56. Minute eine butterweiche Flanke von Mathias Beck - plötzlich stand es 1:2. Auf der Gästebank sprang Trainer Yannik Zimmer auf, die Faust geballt, während Urban nur die Stirn rieb. "Ich wollte ruhig bleiben, aber innerlich hab ich gekocht", gab er später zu.

Doch Gerda zeigte Moral. Nur drei Minuten nach dem Rückstand kam die Antwort: Der eingewechselte Schön flankte von rechts, Günter Kirsch rauschte heran und köpfte wuchtig ein - 2:2! Das Stadion tobte, Schön grinste breit: "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich!" - was man ihm zwar glaubte, aber niemanden störte.

Das Spiel wogte nun hin und her, der Ballbesitz (48 zu 52 Prozent) spiegelte das ausgeglichene Bild wider. Doch Gerda hatte den längeren Atem und den torgefährlicheren Fuchs. In der 69. Minute nahm der Angreifer eine Vorlage von Berndt Meyer auf, ließ zwei Gegenspieler stehen und drosch das Leder unter die Latte - 3:2! Urban sprang diesmal selbst in die Luft, als hätte er gerade das Champions-League-Finale gewonnen. "Das war pure Willenskraft", jubelte Fuchs danach.

Gotha warf in der Schlussphase alles nach vorn, doch es blieb beim Berliner Sieg. Patrik Maass hatte in der Nachspielzeit noch eine dicke Chance, sein Schuss in der 92. Minute strich jedoch knapp vorbei. "Wenn der reingeht, reden wir hier anders", murmelte Zimmer nach Abpfiff, während er seinem Team aufmunternd auf die Schultern klopfte.

Die Zahlen erzählten am Ende die Geschichte eines intensiven Spiels: 15 Torschüsse für Gerda, 9 für Gotha, zwei Gelbe Karten, ein verletzter Flügelspieler - und ein Publikum, das sich bestens unterhalten fühlte. Selbst der Stadionsprecher wirkte noch heiser, als er zum letzten Mal "Endstand 3:2!" ins Mikro rief.

"Wir haben heute gezeigt, dass wir Rückschläge wegstecken können", bilanzierte Urban, "und dass man auch mit jungen Wilden Spiele gewinnt." Sein Gegenüber Zimmer nickte nur: "Wir haben das Spiel in fünf Minuten verschenkt."

Und während die Berliner Fans noch auf den Rängen sangen, stieg über dem Stadion der Duft von Bratwurst und Siegesfreude auf. Ein lauer Aprilabend, an dem Gerda GFC Berlin bewies, dass Leidenschaft manchmal eben wichtiger ist als Ballbesitz.

Oder, wie es ein Zuschauer beim Hinausgehen zusammenfasste: "War nicht alles schön - aber schön war’s trotzdem."

14.11.643996 22:17
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