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Ein warmer Aprilabend, Flutlicht an, 36.008 Zuschauer im Stadion - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst. Germania Ilmenau verabschiedet sich mit einem 2:1‑Sieg gegen den SV Fuhlenbrock aus der Saison und sorgt dafür, dass auf der heimischen Tribüne das Bier noch ein bisschen besser schmeckte. Es war kein Fußballfest der feinsten Sorte, aber eines mit reichlich Drama, Schweiß und jugendlichem Heldenmut. Schon in der zweiten Minute ließ Fuhlenbrocks Stürmer Nuno Fernandes mit einem satten Linksschuss aufhorchen. Germania‑Keeper Luis Kern musste früh zeigen, dass er nicht nur wegen seines Nachnamens Stabilität symbolisiert. "Ich wollte einfach mal gleich wach sein", grinste Kern später. Wach war auch Karl Maus - der flinke Ilmenauer Linksaußen prüfte den gegnerischen Torwart Van Antwerp gleich dreimal in den ersten zehn Minuten. Der Ball wollte aber nicht rein, und Trainer Thorben Hartung fluchte lautstark Richtung Himmel: "Wenn der Ball ein Hund wär, hätte Karl ihn längst gefangen!" Dann der Rückschlag: In der 37. Minute nutzte Fuhlenbrock eiskalt eine Unaufmerksamkeit im Ilmenauer Mittelfeld. Haim Eban passte perfekt in den Lauf von Fernandes, der aus spitzem Winkel vollstreckte. 0:1 - und das Stadion verstummte kurz, bevor die Germania‑Fans die Trommeln wieder anwarfen. Der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten: Fünf Minuten später zirkelte der unermüdliche Ben Haase eine Flanke auf Lucas Reimann, der den Ball volley ins Netz drosch. 1:1, und die Arena bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Reimann später lachend. "Wenn du nachdenkst, ist der Ball schon weg." Die zweite Halbzeit begann mit viel Kampf und wenig Glanz. Ilmenau hatte leicht mehr Ballbesitz (50,8 Prozent) und kam insgesamt auf zwölf Torschüsse, während Fuhlenbrock nur fünf Mal aufs Tor zielte. "Das war kein Leckerbissen, aber wir haben gearbeitet wie auf dem Kartoffelacker", meinte Hartung mit einem Augenzwinkern. Der Satz gefiel den Fans, die ihm später beim Interview lautstark zujubelten. In der 65. Minute wechselte Hartung den 19‑jährigen Ralf Baumann ein - und der sollte zur Schlüsselfigur werden. Zuvor hatte Fuhlenbrock seinen verletzten Torschützen Fernandes verloren: ein unglücklicher Zusammenprall, der den Portugiesen mit bandagiertem Knöchel vom Feld humpeln ließ. Trainer Mike Lowrey wirkte an der Seitenlinie, als würde er innerlich den Spielplan zerreißen. "Das war der Moment, in dem uns vorne die Zähne fehlten", sagte er nachher, "ohne Nuno waren wir harmlos." In der Schlussphase wurde es hitzig: Ilmenaus Linksverteidiger Ralph Walter sah in der 74. Minute Gelb, nachdem er den schnellen Andrade etwas unsanft gestoppt hatte. Walter kommentierte trocken: "Er wollte fliegen, ich hab ihm nur Starthilfe gegeben." Das Publikum lachte, der Schiedsrichter weniger. Dann kam die 88. Minute - und der Moment, der alles entschied. Der junge Baumann, kaum 20 Minuten auf dem Platz, stand plötzlich goldrichtig, als der Ball nach einem abgeblockten Schuss vor seine Füße fiel. Ohne zu zögern zog er aus 18 Metern ab, und das Leder zappelte im Netz. 2:1! Der Jubel war ohrenbetäubend. Baumann riss die Arme hoch, seine Mitspieler begruben ihn unter sich. "Ich hab einfach getroffen, weil ich keine Zeit hatte, nervös zu werden", sagte der Matchwinner später mit rotem Kopf. Fuhlenbrock versuchte noch einmal alles, brachte frische Kräfte, doch der späte Druck verpuffte wirkungslos. Andrade probierte es in der 87. Minute noch einmal mit einem Distanzschuss - drüber. Danach war die Luft raus. Thorben Hartung fasste das Spiel später mit typisch trockener Ironie zusammen: "Wir wollten schön spielen, haben’s aber lieber spannend gemacht. Am Ende zählt der Sieg - und dass keiner beim Feiern verletzt wurde." Sein Gegenüber Mike Lowrey nickte, leicht frustriert: "Wir hatten unsere Chancen, aber Germania hat den längeren Atem gehabt. Vielleicht lag’s am Thüringer Bier." So endete der 34. Spieltag für Germania Ilmenau mit einem Arbeitssieg und einem Hoffnungsschimmer für die Zukunft - dank eines Teenagers, der sich wohl noch lange an diesen Abend erinnern wird. Fuhlenbrock dagegen reist mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf heim. Und als das Flutlicht erlosch, rief ein Fan vom Zaun: "Baumann for Kanzler!" - worauf Hartung lachend antwortete: "Er darf erstmal beim nächsten Spiel wieder auf die Bank." Fußball, wie er sein soll: unberechenbar, ehrlich, ein bisschen verrückt. 25.02.643997 00:17 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum