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Germania Ilmenau triumphiert im Elfmeterkrimi gegen TSV Rosenheim

59 000 Zuschauer hielten am Montagabend im Pokalfinale zwischen Germania Ilmenau und dem TSV Rosenheim den Atem an - und viele dürften noch heute heiser sein. Nach 120 Minuten, zahllosen Schüssen, vier Gelben Karten und einem Nervenkrieg vom Punkt setzte sich Ilmenau mit 6:5 (0:1) nach Elfmeterschießen durch. Ein Spiel, das alles bot - außer Langeweile.

Rosenheim begann, als wolle es die Pokalfrage schon in der ersten Viertelstunde klären. Noach Van Keuren prüfte Ilmenaus Keeper Luis Kern bereits nach drei Minuten, Lorenzo Figline legte nach. In der 18. Minute dann der verdiente Lohn: Enzo Piane traf nach feiner Vorarbeit von Joris Manser zum 0:1. "Der Ball kam perfekt, ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste Piane später und fügte hinzu: "Schade, dass’s am Ende nichts wert war."

Ilmenau wirkte da noch wie ein Team, das den Pokal lieber aus der Ferne betrachtet. Karl Maus und Lucas Reimann vergaben gute Chancen, Ralph Walter sah früh Gelb, vermutlich um zu zeigen, dass wenigstens einer wach war. Trainer Thorben Hartung schüttelte an der Seitenlinie den Kopf und rief: "Jungs, das hier ist kein Freundschaftsspiel gegen die Altherren!"

Nach der Pause änderte sich das Bild. Ilmenau, das in der ersten Halbzeit nur 42 Prozent Ballbesitz hatte, drehte auf. Der eingewechselte Luís de Freitas brachte Struktur ins Mittelfeld, und in der 70. Minute war es dann soweit: Jari Vuorinen, gerade zehn Minuten auf dem Platz, zog nach Zuspiel von de Freitas ab - 1:1! Der Ausgleich, der das Stadion explodieren ließ. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Vuorinen hinterher lachend zu, "aber wenn’s passt, dann passt’s."

Rosenheim antwortete mit Wut, brachte Thomas Satchmore und später Lewis Preston, doch Ilmenau hielt dagegen - mit allem, was noch laufen konnte. Georg König und Ben Haase sahen Gelb, Christopher Schultz tat es ihnen gleich, und Hartung kommentierte trocken: "Wenn’s heute keine gelbe Wand gibt, dann wenigstens gelbe Karten."

Die Verlängerung bot Chancen auf beiden Seiten. Haase prüfte in der 96. Minute Rosenheims Keeper Karsten Lange, Juanito Coelho und Tim Kolb scheiterten an Kern. Beide Teams spielten mit offenem Visier, aber ohne Zielwasser. "Da war einfach nix mehr im Tank", stöhnte Ilmenaus Sven Adler, der trotzdem noch in der 124. Minute abschloss - vorbei.

Dann also Elfmeterschießen. Der Pokalabend bekam seinen dramaturgischen Höhepunkt. Jari Vuorinen eröffnete souverän, Adler, Schultz, Reimann und Haase trafen ebenfalls. Rosenheim hielt zunächst mit - Manser, Bilic, Satchmore und Kolb verwandelten sicher. Und dann kam Zoltan Detari. Der Mittelfeldmann lief an, verzögerte, schaute Kern aus - und drosch den Ball in die Ilmenauer Fankurve. Stille. Dann Jubel. Ein ganzer Block sang (falsch, aber laut): "Germania, du bist mein Verein!"

"Ich hab nur gedacht: Bitte nicht ich", gestand Torwart Kern später. "Aber als der Ball über die Latte flog, wusste ich: Heute schreibe ich Geschichte - ohne was gehalten zu haben." Trainer Hartung fiel ihm in die Arme, die Ersatzspieler stürmten den Platz, und irgendwo zwischen Konfettiregen und Feuerwerk sah man sogar den sonst so stoischen Georg König grinsen.

Statistisch gesehen war Rosenheim das aktivere Team: 57 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse, 50 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Aber Fußball wird bekanntlich nicht auf Tabellenkalkulatoren entschieden. Ilmenau, mit 16 Abschlüssen und dem klaren Willen zum Risiko, hatte am Ende die besseren Nerven - und vielleicht auch das Quäntchen Glück, das man im Pokal braucht.

"Wir sind keine Ballbesitz-Mannschaft, wir sind eine Überlebensmannschaft", sagte Hartung auf der Pressekonferenz, während er sich mit einer Flasche Wasser (angeblich) zuprostete. "Und heute haben wir überlebt - im besten Sinne."

So endet ein Pokalabend, über den in Ilmenau wohl noch lange gesprochen wird. Rosenheim trauert, Ilmenau feiert, und irgendwo in der Kabine summt Jari Vuorinen vermutlich immer noch: "Elfmeterschießen, mein Lieblingssport."

Manchmal schreibt der Fußball eben keine Märchen - sondern Thriller mit Happy End.

26.06.644000 13:00
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