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Gormick Zabrze dreht das Spiel - Spätes Happy End gegen Katowice

18775 Fans im Stadion von Zabrze bekamen am Samstagabend ein Spektakel, das man so nicht alle Tage erlebt. Gormick Zabrze schlug den FC Katowice nach 90 aufregenden Minuten mit 3:2 (0:1) - und das nach einem Rückstand zur Pause. Trainer Jose Raul Capablanca, sonst eher Schachgroßmeister im Denken als im Jubeln, schmiss nach dem Schlusspfiff fast sein Notizbuch in die Luft.

Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem Heimsieg aus. In der 14. Minute traf Dusan Janocko für Katowice, nach Vorarbeit von Sebastian Hajto, der an diesem Abend die rechte Seite rauf und runter marschierte, als hätte er noch drei Lungenreserven im Gepäck. "Wir haben Gormick in der ersten Halbzeit dominiert", meinte Katowice-Coach Oli Dudek später mit bitterem Grinsen. Tatsächlich hatte sein Team mehr Ballbesitz (54,6 Prozent) und spielte die eleganteren Pässe, doch Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb.

Capablanca hingegen wirkte zur Halbzeit wie ein Mann, der das Ende eines schlechten Romans gelesen hatte. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr schon den Ball verliert, dann wenigstens mit Stil!", gab er später lachend zu Protokoll. Und siehe da - kaum war der Pausentee verdaut, schlug Gormick zurück.

In der 48. Minute war es Florea Coras, der nach feinem Zuspiel von Zbigniew Zarzycki den Ball aus 16 Metern unhaltbar ins rechte Eck drosch. Der Jubel war so laut, dass man in den umliegenden Wohnblöcken vermutlich die Gläser klirren hörte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Coras trocken. "Wenn man nicht schießt, trifft man auch nicht - das hat schon mein Onkel gesagt, und der war Torwart."

Der Ausgleich beflügelte die Gastgeber. Nur 13 Minuten später, in der 61. Minute, drehte Zarzycki selbst das Spiel. Der Rechtsaußen, mit 20 Jahren jung und wild, nutzte eine Unordnung in der Katowicer Abwehr eiskalt aus. 2:1 - und das Stadion bebte.

Doch wie so oft kam Katowice zurück. Josef Bogusz glich in der 65. Minute wieder aus, nach einem perfekten Pass von - natürlich - Sebastian Hajto. Kurz darauf war die Partie wieder völlig offen. Die Fans wechselten zwischen Begeisterung und Nervenzusammenbruch, während Capablanca an der Seitenlinie nervös auf seinem Kaugummi herumkaute.

"In solchen Spielen hilft dir keine Taktik", meinte später der erfahrene Verteidiger Paul Freitag. "Da brauchst du Herz und ein bisschen Glück - und beides hatten wir heute."

Das Glück zeigte sich schließlich in der 88. Minute in Person von Archie Onnington. Der junge Engländer war zur Pause eingewechselt worden und stand genau da, wo ein Stürmer stehen muss: Im richtigen Moment am richtigen Ort. Nach einem abgefälschten Ball reagierte er am schnellsten - 3:2! Der Jubel war grenzenlos, die Ersatzbank stürmte aufs Feld, und Capablanca soll leise "Mate!" gemurmelt haben - Schachmatt.

Katowice versuchte in den letzten Minuten noch einmal alles, doch Jan Janas’ Gelbe Karte in der 90. Minute war sinnbildlich für die Frustration der Gäste. Sie hatten mehr Ballbesitz, aber weniger Effizienz. Zabrze dagegen bewies mit neun Torschüssen, dass Mut manchmal wichtiger ist als Statistik.

"Wir haben heute gelernt, dass man auch mit 45 Prozent Ballbesitz drei Tore schießen kann", sagte Capablanca bei der Pressekonferenz. "Ich werde das meinen Schachfreunden erzählen - vielleicht hilft’s ihnen beim nächsten Turnier." Sein Kollege Dudek blieb gefasst: "Wir waren gut, aber nicht klug genug. Zabrze hat das clever gespielt. Und ehrlich gesagt - die Fans haben sie getragen."

Während die letzten Zuschauer das Stadion verließen, sang ein kleiner Junge im Trikot von Zarzycki auf den Rängen: "Gormick, Gormick!" - und sein Vater rief ihm zu: "So spielt man Fußball, Sohn!"

Ein Abend, der in Zabrze sicher noch lange Gesprächsthema bleiben wird. Ein Spiel, das zeigte, dass Leidenschaft manchmal präziser trifft als jede Statistik. Und irgendwo, in der Kabine, soll Capablanca tatsächlich gelächelt haben - fast wie ein Mann, der gerade den perfekten Zug gemacht hat.

26.04.643997 00:22
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Was soll man schon erwarten? Der hat früher immer Dynamo Ost-Berlin zum Titel gepfiffen.
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