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Ein kalter Aprilabend, Flutlicht an, 12.500 Zuschauer im Stadion Gratkorn - und am Ende ein einziger, aber umso süßer Treffer: Der SC Gratkorn ringt den favorisierten FC Eisenstadt mit 1:0 nieder. Es war kein Fußballfest, eher eine zähe Mischung aus Beton und Geduld, doch wenn man dreckige Siege liebt, kam man auf seine Kosten. Trainer Andi Garagengold stand nach dem Abpfiff mit einem zufriedenen Grinsen an der Seitenlinie. "Manchmal ist’s schöner, wenn man nicht weiß, wie man gewonnen hat", sagte er, während er seinem Matchwinner Alfonso Quiles zuprostete. Der 31-jährige Mittelfeldmann erzielte in der 63. Minute das Tor des Abends - nach einem weiten Ball von Linksverteidiger Orhan Mansiz, den er sehenswert aus der Luft nahm und trocken ins rechte Eck hämmerte. "Ich hab gar nicht überlegt", meinte Quiles später. "Wenn ich nachdenke, geht’s meistens schief." Bis dahin hatte das Spiel alles, was man von einem 0:0 zur Pause erwartet: viel Mittelfeldgeplänkel, einige harmlose Schüsse auf die Torhüter, ein paar verzweifelte Rufe von der Tribüne ("Schießt’s doch endlich!") und Trainer Garagengold, der in der Coachingzone mehr Meter machte als mancher seiner Spieler. Eisenstadt, unter der Leitung des alten Taktikfuchses Didi Kühbauer, hatte mehr Ballbesitz - satte 55 Prozent - und wirkte zunächst strukturierter. Doch Struktur allein gewinnt keine Spiele. Ihre neun Torschüsse fanden allesamt den Weg nicht vorbei an Gratkorns Keeper Tikhon Schamnow, der in der 88. Minute sogar einen brandgefährlichen Versuch von Ezequiel Aguas aus dem Winkel fischte. "Ich hab den Ball nicht gesehen, nur gespürt", flachste Schamnow danach. Dabei begann alles recht vielversprechend für die Gäste: Schon in der dritten Minute prüfte Pavel Kerbr den Gratkorner Torwart mit einem Distanzschuss. Später hatte Jonas Hauser gleich mehrfach den Ausgleich auf dem Fuß - in der 76. und 82. Minute -, doch immer fehlte das Quäntchen Glück oder schlicht Präzision. Garagengold reagierte auf den zunehmenden Druck mit zwei Wechseln in der 60. Minute: Riley Millington und Mihaly Borbas kamen ins Spiel, um frischen Wind auf den Flügeln zu bringen. Eine Minute später fiel prompt das Tor. "Zufall?", grinste der Coach auf Nachfrage. "Na klar, das war natürlich alles minutiös so geplant." Eisenstadt musste indessen verletzungsbedingt umstellen: Joao Travassos humpelte in der 64. Minute vom Platz, nachdem er unglücklich mit Orhan Mansiz zusammengestoßen war. "Er hat einfach die härtere Stirn", knurrte Kühbauer anschließend, halb ärgerlich, halb bewundernd. Für Travassos kam Corneliu Niculescu, der zwar für Stabilität sorgte, aber das Angriffsspiel kaum belebte. In der Schlussphase wurde es ruppiger. Daniel Castello verletzte sich bei einem Abwehrversuch, musste raus, und Marwin Bergmann ersetzte ihn. Eisenstadts Christian Nicola holte sich in der Nachspielzeit noch eine gelbe Karte ab - vermutlich als Souvenir eines frustrierenden Abends. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: 10:9 Torschüsse, 51:49 Zweikampfquote, aber eben 1:0 Tore. Mehr braucht man manchmal nicht. "Wir haben uns an die eigene Nase gefasst - und da war Schweiß und Dreck dran, aber kein Glitzer", meinte Garagengold poetisch, während Kühbauer nur trocken feststellte: "Wir hätten noch eine Stunde spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht rein." Die Gratkorner Defensive, taktisch diszipliniert und mit eiserner Aggressivität (im wahrsten Sinne des Wortes), hielt bis zum Schluss dicht. Das Pressing blieb meist auf Sparflamme, aber die Ordnung stimmte. Eisenstadt dagegen spielte brav, kombinierte gefällig, doch ohne Biss. Als die letzten Flutlichter ausgingen, hallte noch ein Ruf über den Platz: "Gratkorn lebt!" - vermutlich aus der Kehle eines euphorischen Fans, vielleicht auch aus der von Garagengold selbst. Ein Sieg, der in keinem Lehrbuch stehen wird, aber in Gratkorn noch lange erzählt werden dürfte. Oder, wie Alfonso Quiles in der Kabine grinste: "Ein schönes Tor ist wie ein guter Espresso - kurz, heiß, und du willst gleich noch einen." Man darf gespannt sein, ob Gratkorn beim nächsten Spiel wieder so kaltschnäuzig bleibt - oder ob sie dann wirklich anfangen, Fußball zu spielen. 24.08.643996 10:48 |
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Mehmet Scholl auf die Frage, wie es war, als Bundeskanzler Kohl nach dem EM-Sieg 1996 in die Kabine kam