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Greenwalds Geniestreich beschert Liverpool einen Arbeitssieg in Finnland

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball so gar nichts von dem hielt, was er versprach. 27.000 Zuschauer im Haka-Stadion, die Lichter hell, die Ränge laut - und am Ende ein mageres 0:1 aus Sicht der Gastgeber FF Haka gegen die Liverpool Reds. Doch das war kein langweiliges Spiel, sondern eine jener zähen Partien, in denen jeder Grashalm umkämpft ist, jede Grätsche nach Abenteuer klingt und ein einziger Moment alles entscheidet.

Dieser Moment kam in der 45. Minute, kurz bevor Schiedsrichter Mikkelsen schon an die Pfeife greifen wollte. Luke Greenwald, der 22-jährige Linksaußen der Reds, zirkelte den Ball nach Vorarbeit von Jordi Xavier unhaltbar ins lange Eck. Hakas Keeper Özer Saglik flog, streckte sich, betete - vergeblich. "Ich hab’ kurz überlegt, ob ich ihn mit den Augen rauslenken kann", sagte Saglik später mit einem Grinsen, "aber Greenwalds Schuss hatte seine eigene Meinung."

Dabei hatte Haka gar nicht schlecht begonnen. In den ersten zwanzig Minuten besaßen sie mehr Ballbesitz (am Ende 54 Prozent) und suchten immer wieder über die Flügel den Weg nach vorn. Besonders Jefim Filatow, der quirlige linke Stürmer, war ständig unterwegs. Dreimal prüfte er Liverpools Schlussmann Charlie Leachman, der jedoch mit stoischer Ruhe parierte. "Ich mag kalte Nächte", witzelte Leachman, "da bleiben die Finger wach."

Es war ein Spiel zwischen Kontrolle und Chaos. Liverpool schoss 17-mal auf das Tor, Haka nur 8-mal - doch die Finnen wirkten oft gefährlicher, wenn sie einmal durchkamen. Trainer Holter Kos gestikulierte an der Seitenlinie, als wolle er die Bälle selbst über die Linie drücken. Nach dem Schlusspfiff meinte er sarkastisch: "Wir haben das Spiel kontrolliert - nur leider nicht den Ball, der ins Tor ging."

Die Partie begann temperamentvoll. Schon in der zweiten Minute sah Arnor Samuelsson Gelb, nachdem er Robert Warriner etwas zu liebevoll an der Eckfahne umarmt hatte. "Er hat mich gefragt, ob ich später noch Sauna mache", scherzte Warriner später. In der 43. Minute revanchierte sich Liverpools linker Verteidiger Callum Hawn mit einem ähnlich beherzten Zweikampf - auch Gelb. Beiden Teams war der Wille anzusehen, aber die Raffinesse blieb oft auf der Strecke.

Taktisch war es ein Duell der Spiegelbilder: beide Teams in ausgewogener Formation, beide mit zurückhaltendem Pressing. Liverpool ließ Haka kommen, um dann blitzschnell umzuschalten - und genau so fiel das Tor. Xavier trieb den Ball über rechts, flankte flach in die Mitte, Greenwald rauschte heran und traf. "Das war einstudiert", behauptete Reds-Trainer Kurt Kaiser anschließend mit einem Zwinkern. "Na gut, eigentlich war’s Zufall, aber ein schöner."

In der zweiten Halbzeit versuchte Haka alles. Pekka Heikkinen, der bullige Rechtsaußen, rackerte, rutschte, kassierte Gelb (53.) und schoss trotzdem weiter. Filatow prüfte Leachman in der 60. und 78. Minute erneut, doch der englische Keeper blieb unbezwingbar. Liverpool verlegte sich aufs Kontern - Robert Warriner feuerte in Serie (39., 44., 52., 57.), doch Saglik hielt Haka im Spiel.

Kurz vor Schluss wechselte Kaiser noch dreimal: Pedro Meireles, Matthias Van Hoost und Janos Zele kamen, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen. "Ich hab’ ihnen gesagt: Stellt euch einfach in die Sonne - ach, Moment, es war ja Nacht", grinste Kaiser nach dem Spiel.

Haka drückte in der Nachspielzeit, doch der Ball wollte nicht ins Tor. Als Schiedsrichter Mikkelsen endlich abpfiff, sank Trainer Holter Kos in die Hocke, als habe ihm jemand den Stecker gezogen. "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Herz, aber weniger Glück", fasste er zusammen.

Statistisch sah das Ganze fast ausgeglichen aus - abgesehen von den 17 Liverpooler Torschüssen. Doch es war eine dieser Begegnungen, in denen Zahlen nur die halbe Wahrheit erzählen. Liverpool spielte reifer, Haka mutiger, und beide hätten wohl verdient, dass der Schlusspfiff ein bisschen später kommt.

Luke Greenwald, der Mann des Abends, hatte da schon sein Trikot getauscht. "Ich wollte eigentlich nur flanken", gestand er ehrlich, "aber wenn der Ball so schön fliegt, soll man ihn auch nicht stören." Ein Satz, den man sich merken kann - nicht nur für Fußball.

Am Ende blieb den Finnen der Trost, den die Statistik nicht kennt: Sie hatten den Favoriten geärgert, die Zuschauer begeistert und gezeigt, dass Leidenschaft manchmal lauter ist als ein Ergebnis. Liverpool nahm die drei Punkte mit, Haka den Applaus. Und irgendwo im Tunnel klopfte Saglik Greenwald auf die Schulter und sagte: "Beim Rückspiel flieg ich früher los."

Ein Satz, der nach Hoffnung klingt - und nach einer Revanche, die schon in der Luft liegt.

08.04.643994 22:22
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