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Wer am Montagabend in Frickenhausen pünktlich zum Anpfiff im Stadion war, wurde mit einem Fußballabend belohnt, der das Herz jedes neutralen Zuschauers höherschlagen ließ - und den Puls der Heimfans bis zur letzten Sekunde strapazierte. 3475 Zuschauer sahen im Oberliga-E-Spiel zwischen Frickenhausen und Grün-Weiß Leipzig ein 1:1 (0:0), das alles bot: Geduld, Wut, Gelbe Karten, ein spätes Tor - und dann noch ein späteres. Die Leipziger starteten so, wie man es von einem Team mit Aufstiegsambitionen erwartet: selbstbewusst, passsicher und mit einem Schuss Überheblichkeit. Schon in der achten Minute prüfte Jan Herzog erstmals Frickenhausens Keeper Walter Behrens, der an diesem Abend eine Bewerbung für den Titel "Mann mit den meisten blauen Flecken" abgab. Leipzig schoss insgesamt 21 Mal aufs Tor - aber zumeist so, dass die Fangzäune mehr Arbeit hatten als die Balljungen. Frickenhausens Trainer Ezequiel Gargano hatte seine Elf gewohnt offensiv eingestellt - zumindest auf dem Papier. Auf dem Rasen sah das zunächst mehr nach kontrolliertem Chaos aus. "Wir wollten früh stören", erklärte Gargano später mit einem Grinsen, "aber Leipzig hatte offenbar das gleiche Hobby." Die Folge: Ein Pressing-Gewitter, das sich bald in ein Mittelfeld-Gewusel verwandelt, bei dem der Ballbesitz mit 54 zu 46 Prozent klar an die Gäste ging. Otto Gunnarsson, Frickenhausens quirliger Linksaußen, hatte schon in der sechsten Minute die erste gute Gelegenheit - eine Art Warnschuss für das, was später noch folgen sollte. Doch Leipzig antwortete mit Dauerfeuer: Bachmann, Krogh, Fischer - sie alle versuchten sich, aber Frickenhausens Abwehr blockte und grätschte, als ginge es um eine Prämie pro abgefangenen Ball. Die erste Halbzeit endete torlos, aber keineswegs ereignislos. Leipzigs Nils Fischer sah in der 36. Minute Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass man den Gegenspieler nicht gleichzeitig treten und umarmen darf. Frickenhausens Fans nutzten die Pause, um die Nerven mit Stadionbier zu beruhigen - eine gute Entscheidung, wie sich später zeigen sollte. Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Leipzig drückte, Frickenhausen hielt dagegen. Bendt Krogh, Leipzigs quirliger Rechtsaußen, rannte so oft die Linie entlang, dass man ihm am Ende ein Bonus-Trikot für Laufleistung hätte überreichen können. Doch das Tor fiel lange nicht - und als es fiel, sah es so aus, als würde der Fußballgott einen schlechten Witz machen. 86. Minute: Krogh zieht auf rechts durch, flankt halbhoch in den Strafraum, wo Dennis Meissner, bisher eher durch eine Gelbe Karte (76.) aufgefallen, volley abzieht. Der Ball zappelt im Netz. 0:1. Leipzig jubelt, Frickenhausen starrt fassungslos. "Da dachte ich, das war’s", sagte Frickenhausens Torhüter Walter Behrens später. "Ich überlegte schon, wie ich die Jungs morgen wieder aufbaue." Doch kaum zwei Minuten später hatte Otto Gunnarsson etwas dagegen. In der 88. Minute, nach einem feinen Pass von Emilio Pelaez, tauchte der 21-Jährige im Strafraum auf, ließ zwei Leipziger stehen und schob den Ball mit der Gelassenheit eines Mannes, der keine Nerven kennt, ins lange Eck. 1:1 - das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Gunnarsson nach dem Spiel. "Wenn ich nachdenke, schieße ich daneben." Trainer Gargano kommentierte trocken: "Er denkt selten - Gott sei Dank." Leipzig war konsterniert. 21 Torschüsse, zwei Gelbe Karten, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem nur ein Punkt. Trainer Norbert Klose (der sich hinterher demonstrativ in sein Notizbuch vergrub) knurrte: "Wenn du so viele Chancen hast und am Ende mit einem 1:1 heimfährst, brauchst du kein Videostudium mehr - nur eine Therapiestunde." Frickenhausen hingegen feierte den Punkt wie einen Sieg. Die jungen Spieler klatschten sich ab, als hätten sie gerade die Champions League verteidigt, während Gargano an der Seitenlinie in den Abendhimmel grinste. "Das war Leidenschaft pur", sagte er. "Und ein bisschen Glück. Aber das gehört dazu - sonst würde ja Leipzig jedes Spiel gewinnen." Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Teams nicht wirklich hilft, aber jedem Zuschauer ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte. Und als die Flutlichter erloschen, hörte man aus der Kabine noch Otto Gunnarsson lachen: "Nächstes Mal fangen wir halt früher an zu treffen." Man darf gespannt sein, ob er das ernst meinte - oder ob er einfach nur den Leipziger Torhüter nochmal ärgern wollte. 06.07.644000 20:30 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ