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Gunners drehen wildes 2:2 in Southampton - Puljiz schießt doppelt

49.291 Zuschauer im St. Mary’s Stadium sahen am Donnerstagabend ein Fußballspiel, das eher an ein Rockkonzert erinnerte: laut, chaotisch, emotional - und mit einem Solisten, der alle anderen übertönte. Hrvoje Puljiz, 33 Jahre alt und offenbar unsterblich, erzielte zwei Tore und leitete den 3:2-Auswärtssieg seiner London Gunners beim FC Southampton ein.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll für die Hausherren begonnen. Nach nur zehn Minuten bebte die Südküste: Meir Pizanti traf nach Vorlage von Liam Allington zum 1:0. Eine Minute später legte William Corey nach - 2:0, und die Tribüne sang bereits vom sicheren Klassenerhalt. "Ich dachte, das wird heute ein Spaziergang", gestand Trainer Michael Böning später mit einem schiefen Lächeln. "Da habe ich wohl den falschen Weg eingeschlagen."

Denn dann kam Puljiz. Der bullige Kroate, der aussieht, als würde er in seiner Freizeit Eisenstangen frühstücken, brauchte nur 23 Minuten, um die Partie zu drehen. Erst drückte er in der 33. Minute einen Pass von Marco Runge über die Linie, dann zimmerte er eine Minute später den Ball aus spitzem Winkel in die Maschen. "Ich hab’s einfach probiert", sagte Puljiz anschließend mit diesem typisch müden Grinsen alter Torjäger. "Wenn du zu viel denkst, landet der Ball am Parkplatz."

Das 2:2 zur Pause schmeichelte den Londonern kaum - Southampton hatte 52,9 Prozent Ballbesitz und elf Torschüsse, doch jeder Angriff wirkte ein Stück kopfloser als der vorige. In der Kabine wechselte Böning gleich doppelt: Kai Peter kam für den wackeligen Ordono in die Innenverteidigung, und der junge Keeper Brandon Lithgow durfte für Clancy ran. "Ich wollte frischen Wind - und bekam erst mal Gegenwind", seufzte Böning später.

Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug wieder der Blitz namens "Gunners". In der 48. Minute zirkelte Linksverteidiger Ernesto Moutinho - ja, der Linksverteidiger! - den Ball aus 20 Metern in den Winkel. Vorlagegeber war Innenverteidiger Oscar Tonel, der danach mit ironischer Geste beide Hände zum Himmel hob, als wolle er sagen: "Ich kann auch offensiv."

Southampton rannte an, hatte Chancen durch Pizanti (58.) und Hartshorn (60.), doch der Ball wollte einfach nicht mehr ins Tor. "Da klebte wohl ein Gunners-Logo auf dem Pfosten", witzelte Abwehrmann Leo Broderick, der sich in der 84. Minute noch eine Gelbe Karte abholte - vermutlich aus Frust über die Ungerechtigkeit des Fußballs.

In den letzten zehn Minuten warf Böning alles nach vorn, inklusive der Ersatzjugend. Dusko Pantelic, 19 Jahre alt und mit einem Bart, der noch in der Ausbildung ist, kam in der 85. Minute und rannte, als hinge sein Führerschein davon ab. Doch die Gunners, mittlerweile mit eiserner Miene im Dauerpressing-Modus, brachten das Ergebnis über die Zeit. Trainer Hubert Wetzel grinste nach Abpfiff wie jemand, der gerade ein besonders kompliziertes Sudoku gelöst hat: "Wir haben schlecht angefangen, aber dann Fußball gespielt, wie er mir gefällt - mit Herz, Chaos und einem Torwart, der nicht viel zu tun hatte."

Tatsächlich hatte Avi Peretz im Londoner Kasten einen ruhigen Abend. 11 Schüsse der Saints, aber nur wenige echte Prüfungen. Auf der anderen Seite kamen die Gunners auf 13 Abschlüsse - und drei Treffer. Effektivität, thy name is Puljiz.

Nach Abpfiff klatschten die Gäste mit ihren Fans, während die Heimkurve pfiff. Pizanti, der Torschütze zum 1:0, stand mit hängenden Schultern am Mittelkreis. "Es tut weh, wenn du 2:0 führst und trotzdem verlierst", meinte er. "Aber vielleicht brauchen wir manchmal so ein Spiel, um zu merken, dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauert - nicht 35."

So endete ein Abend, der alles bot: frühe Ekstase, dramatische Wende, eine Portion Slapstick in der Abwehr und zwei Trainer, die ihre Mannschaften offenbar mit Shakespeare-Zitaten motivieren. Southampton bleibt damit im unteren Mittelfeld stecken, während die London Gunners auf Europapokal-Kurs bleiben - zumindest bis zum nächsten Spiel, wenn Puljiz wieder entscheidet, wann der Vorhang fällt.

Und irgendwo in den Katakomben des St. Mary’s soll man Böning murmeln gehört haben: "Ich hasse es, wenn der Linksverteidiger trifft." Ironischerweise war genau das der Unterschied zwischen einem Punkt und keinem. Fußball eben - manchmal ist er gerecht, meistens nicht, aber immer gut für eine Schlagzeile.

11.01.643997 23:29
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