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Haifa triumphiert im Elfmeterdrama - Herzliya verpasst Pokal um Zentimeter

Das Pokalfinale zwischen den Herzliya Yellows und Maccabi Haifa war nichts für schwache Nerven. 43.500 Zuschauer im ausverkauften Nationalstadion sahen am Samstagabend ein Spiel, das erst nach 120 Minuten und einem nervenzerfetzenden Elfmeterschießen entschieden wurde - 6:7 (0:1) hieß es am Ende aus Sicht der Yellows. Es war ein Finale, das alle Zutaten eines Fußballkrimis bot: frühe Führung, späte Ausgleichstore, Gelbe Karten im Minutentakt und ein Held im grünen Trikot, der am Ende die Trophäe gen Himmel reckte.

Schon nach elf Minuten setzte Maccabi Haifa das erste Ausrufezeichen. Levi Goldmann, der Kapitän und Dauerläufer auf der linken Seite, zog nach feinem Zuspiel von Demir Özcan einfach mal ab - und traf trocken ins rechte Eck. Herzliya-Keeper Joao Antunez streckte sich vergeblich, während Goldmann jubelnd in Richtung Trainerbank sprintete. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste der Torschütze später. "Manchmal ist weniger Nachdenken mehr."

Danach begann das große Ringen. Herzliya, vom leidenschaftlichen Kula Shaker an der Seitenlinie dirigiert, kombinierte gefällig, doch im letzten Drittel fehlte der Punch. 13 Torschüsse, 48 Prozent Ballbesitz und 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Statistiken belegen, dass es keineswegs an Einsatz mangelte. "Wir haben ihnen kaum Luft gelassen", knurrte Shaker nach Abpfiff, "aber Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb."

Nach der Pause erhöhten die Yellows das Tempo. Tiago Antonio und Bruno Albinana kurbelten das Spiel an, während Maccabi Haifa zunehmend auf Konter lauerte. In der 72. Minute wurde der Druck endlich belohnt: Albinana nutzte ein Durcheinander im Strafraum und drückte den Ball zum 1:1 über die Linie. Das Stadion explodierte. Sogar die Ersatzspieler sprangen sich jubelnd in die Arme. "Ich dachte, das Ding kippt jetzt", erzählte Innenverteidiger Kamil Nawalka. "Aber Haifa hat einfach nicht aufgegeben."

Tatsächlich wirkte Haifa in der Verlängerung wie neu belebt. Trainer David Goldmann - kein Verwandter des Torschützen, aber ebenso ehrgeizig - hatte seine Jungs offenbar mit einer Mischung aus Espresso und Kabinenpredigt aufgeweckt. "Ich sagte ihnen: Wenn ihr jetzt lauft, lauft ihr in die Geschichte", verriet er anschließend augenzwinkernd. Und seine Mannschaft hörte zu.

In der 110. Minute war es wieder Bruno Albinana, der die Yellows in Führung brachte - ein wuchtiger Kopfball nach Flanke von Tiago Antonio. Schon sah alles nach einem Märchenabend für Herzliya aus, doch nur zwei Minuten später stach Haifa zurück. Der junge Diego Espriu, 24 Jahre jung und bis dahin eher unauffällig, bugsierte den Ball nach Pass von Haim Pizanti sehenswert ins Netz. 2:2. Verlängerung vorbei, Elfmeterschießen her.

Und dieses Elfmeterschießen hatte es in sich. Für die Yellows trafen Ben, Beto, Albinana und Brito, während Robert Sebo den Ball weit über das Tor drosch - so weit, dass ein Ordner scherzhaft ein Fangnetz für den Rückflug aufspannte. "Ich wollte sicher gehen, dass er nicht gehalten wird", flachste Sebo später mit Galgenhumor.

Haifa dagegen blieb eiskalt: Andre Herzog, Diego Espriu, Demir Özcan, Odysseas Halkias und schließlich Levi Goldmann verwandelten alle ihre Versuche. Der letzte Schuss von Goldmann zischte unhaltbar in den Winkel - 7:6, und plötzlich war alles grün. Die Fans von Maccabi Haifa stürmten fast das Feld, während Goldmann im Jubelmeer verschwand.

"Elfmeterschießen ist immer Glückssache", sagte Herzliyas Tiago Antonio mit leerem Blick. "Heute war das Glück eben grün gekleidet." Trainer Kula Shaker nahm’s sportlich: "Wir haben alles gegeben. Vielleicht brauchen wir einfach mehr Nerven aus Stahl - oder weniger Espresso vor dem Spiel."

Maccabi-Coach Goldmann hingegen strahlte, als hätte er gerade das Rezept für ewige Jugend gefunden. "Das war kein Spiel, das war ein Herztest", lachte er. "Meine Jungs haben bestanden."

Ein würdiges Finale also, das in Erinnerung bleiben wird - nicht nur wegen der Dramatik, sondern auch wegen der kleinen Geschichten dazwischen: der Gelben Karte für Bernard Lockwood, der beim Einwurf den Ball zu lange in den Händen hielt ("Ich wollte ihn nur abwischen!"), oder der Szene, in der Gudmund Clausen seinen Gegenspieler über die Bande schob und sich dafür prompt Gelb abholte.

Am Ende bleibt ein Pokal für Maccabi Haifa, ein gebrochenes Herz für Herzliya - und ein Fußballabend, der wieder einmal bewiesen hat, dass das schönste Spiel der Welt manchmal einfach grausam ehrlich sein kann.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn das kein Drama war, dann weiß ich auch nicht, was Shakespeare verpasst hat."

03.02.643997 18:34
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Toni Polster
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