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Es war der Auftakt, den man in Ponte Prata so schnell nicht vergessen wird - allerdings aus den falschen Gründen. 35.421 Zuschauer hatten sich am warmen Aprilabend im Estádio da Luz do Sul eingefunden, um den Start ihrer "Aurinegros" in die neue Saison der 1. Liga Brasilien zu feiern. Am Ende jubelten aber nur die Gäste von UD Teresina - dank eines einzigen, aber goldwerten Treffers von Haim Mitzna in der 72. Minute. Dabei begann der Abend für die Hausherren gar nicht schlecht. Ponte Prata spielte kontrolliert, ließ den Ball laufen, als hätten sie ihn mit Sekundenkleber an die Stollen geheftet. 48,7 Prozent Ballbesitz sprechen zwar nicht von Dominanz, aber von Gleichwertigkeit. Doch was half das, wenn der entscheidende Pass selten ankam? "Wir wollten ruhig aufbauen, aber manchmal war’s zu ruhig", knurrte Kapitän Nevio Moutinho später, der im Mittelfeld unermüdlich rackerte. Teresina dagegen kam mit klarer Marschrichtung: Offensive. Trainer Tobias Lang hatte seine Elf von Beginn an nach vorne gepeitscht - nicht lautstark, sondern mit einem dieser kalten Blicke, die sagen: "Wenn du nicht angreifst, greif ich dich an." Schon in der dritten Minute prüfte Massimiliano Saracena Heimkeeper Duarte Futre mit einem satten Schuss, der das Tornetz erzittern ließ. Kurz darauf folgten weitere Abschlüsse von Ricardo Arrieta (10.) und Mitzna (18.) - das Sturmtrio aus Italien, Spanien und Israel wirbelte, als wäre es ein mediterraner Orkan. Ponte Prata fand erst um die Viertelstunde herum ins Spiel. Holger Karlsson, der blonde Schwede auf dem linken Flügel, versuchte es gleich doppelt (15. und 16. Minute), doch Gästetorwart Bohus Dostalek pflückte die Bälle sicher herunter. "Ich hab’s mit Gefühl versucht, dann mit Wucht - vielleicht hätte ich’s mal mit Glück probieren sollen", sagte Karlsson später mit einem schiefen Grinsen. Bis zur Pause blieb das Geschehen offen, doch die besseren Chancen hatte Teresina - 8:3 Torschüsse in der ersten Hälfte sprachen Bände. UD Ponte Prata lauerte, Teresina belagerte. Gelbe Karten gab’s auch: Juanito Minguez sah früh Gelb (12.), weil er Elliot Long etwas zu deutlich zeigte, dass man am rechten Flügel lieber nicht so frei dribbelt. Nach der Pause änderte sich wenig. Ponte Prata blieb abwartend, Teresina blieb gefährlich. Ricardo Arrieta prüfte Futre erneut (55.), Lukas Rieger zog wenig später aus 20 Metern ab (58.) - es roch nach Tor, nur wollte der Ball nicht rein. Bis zur 72. Minute. Da kam, was kommen musste: Nico Fiedler, der linke Verteidiger, schlug eine Flanke aus dem Halbfeld - halb Pass, halb Gebet - und Haim Mitzna stieg hoch, als hätte er Trampoline in den Schuhen. Kopfball, Innenpfosten, Tor. 0:1. Das Stadion verstummte. Nur der kleine Block der mitgereisten Teresina-Fans jubelte, und Trainer Lang drehte sich seelenruhig um, als wäre das alles Teil seines Plans. "Wir wussten, dass Haim irgendwann trifft. Der Junge braucht nur ein Fensterbrett Platz", sagte er nach dem Spiel, während Mitzna selbst bescheiden blieb: "Der Kopf hat’s gemacht, der Rest war Glück. Aber das nehm ich gern." Ponte Prata versuchte danach, das Spiel noch einmal zu drehen. Moutinho (61.) und Coelho (29.) hatten zuvor schon gezeigt, dass sie gefährlich werden können, doch nach dem Rückstand fehlte die Präzision. Trainer der Hausherren - der Name blieb an diesem Abend ebenso blass wie sein Team - schickte seine Männer nach vorne, aber der Ball wollte nicht mehr ins Netz. Nur sechs Torschüsse in 90 Minuten - das ist einfach zu wenig, um eine kompakte Defensive wie die von Teresina zu knacken. Als der Schlusspfiff ertönte, blickten die Heimfans enttäuscht, einige pfiffen sogar leise. "Wir haben alles gegeben, aber manchmal spielt der Fußball seine eigenen Witze", meinte der sichtlich frustrierte Keeper Duarte Futre in der Mixed Zone. Teresina dagegen feierte den perfekten Start: 15 Schüsse aufs Tor, 51 Prozent Ballbesitz, drei Punkte im Gepäck. Der Held des Abends? Natürlich Mitzna, der sich nach dem Spiel selbstironisch lobte: "Ich hab endlich mal den Kopf benutzt - im wahrsten Sinne." Und so bleibt den Fans von Ponte Prata nur die Erkenntnis: Wer zu lange auf den einen Moment wartet, wird irgendwann vom Gegner überholt. Oder von Haim Mitzna. Vielleicht war’s nur ein Fehlstart. Vielleicht aber auch ein Weckruf. Jedenfalls hat die Saison gerade erst begonnen - und ein bisschen Drama gehört schließlich dazu. 22.03.643997 04:01 |
Sprücheklopfer
Ich bin der linke, mittlere, defensive Offensivspieler.
Christian Ziege