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Mit einem leisen Pfeifen pfiff Schiedsrichter Valdez am Sonntagabend das Spektakel ab - und die 26.169 Zuschauer im Estadio de los Halcones wussten nicht so recht, ob sie jubeln oder fluchen sollten. Ein 2:2 stand auf der Anzeigetafel, ein Ergebnis, das CD Halcones schmeichelte und Diablos Coatepeque gleichzeitig stolz und wütend machte. Dabei hatte alles nach einem souveränen Heimsieg ausgesehen. Schon nach sechs Minuten ließ der 36-jährige Charlie Kirwan die Tribünen erbeben. Der Altmeister, dessen Stutzen vermutlich älter sind als mancher Nachwuchsspieler, drosch den Ball nach feiner Vorarbeit von Joaquin Pérez ins Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen - aber dann hat er mich angeschaut, als wolle er sagen: ’Spiel mich rein’", grinste Pérez später in der Mixed Zone. Acht Minuten später folgte der nächste Paukenschlag: Innenverteidiger Bernardo Villar, sonst eher zuständig für rustikale Klärungsaktionen, köpfte nach einer Costinha-Flanke das 2:0. Trainer Rudi Fischer riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Wir haben das trainiert: Wenn Bernardo kopft, duck dich lieber", witzelte Fischer. Doch der Himmel über Huehuetenango färbte sich bald diabolisch rot. Coatepeque, zunächst mit seltsam lethargischer Körpersprache (Ballbesitz hin oder her - 53 Prozent nützen nichts, wenn man zuschaut), fing an, die Halcones zu pressen. Ruben Jordao, der rechte Flügelteufel, tauchte in der 42. Minute plötzlich frei vor Keeper Alberto Djalo auf - 2:1. Der Anschluss kam wie aus dem Nichts und sorgte für nervöses Murmeln im Publikum. "Wir haben uns zu sicher gefühlt", gab Halcones-Kapitän Marek Skrtel zerknirscht zu. "Vielleicht haben wir gedacht, Diablos heißt nur so, weil sie rote Trikots tragen." Nach der Pause verlor das Spiel an Struktur, aber nicht an Spannung. Die Halcones schossen, was das Leder hergab - 14 Mal, um genau zu sein -, doch jedes Mal war Diablos-Keeper Kevin Probst zur Stelle oder das Tornetz blieb unberührt. Auf der anderen Seite lauerte Coatepeque auf Fehler. Und einer kam, natürlich. In der 75. Minute war es wieder Jordao, diesmal nach Pass des quirligten Carl Acevedo, der den Ball eiskalt ins lange Eck schlenzte. 2:2 - und plötzlich roch es nach einem Auswärtssieg. Trainer Fischer stapfte an der Seitenlinie auf und ab, rief, gestikulierte, fluchte - und wechselte in der 85. Minute den 18-jährigen Filipe Mingo ein. Der Junge wirkte so nervös, dass ihm das Einlaufen fast misslang. "Ich hab nur gedacht: Bitte nicht stolpern", erzählte Mingo hinterher lachend. Viel zu retten war da aber nicht mehr. Die Schlussphase brachte noch Gelb für den leicht übermotivierten Jarne Lardenoit ("Ich hab nur laut gelacht, Herr Schiri!"), einige verzweifelte Flanken und einen kuriosen Torwartwechsel in der Nachspielzeit - offenbar wollte Fischer dem 18-jährigen Fernando Moran noch ein paar Sekunden Profiluft gönnen. "Man weiß ja nie, wann’s gebraucht wird", kommentierte er augenzwinkernd. Statistisch betrachtet war’s ein Duell auf Augenhöhe: 14 zu 10 Torschüsse, 47 zu 53 Prozent Ballbesitz, ein Tacklingverhältnis von 51 zu 49 zugunsten der Halcones. Doch die nackten Zahlen verschleiern, dass Coatepeque in den entscheidenden Momenten die kälteren Nerven hatte. Ruben Jordao, doppelt erfolgreich und sichtlich zufrieden, sagte nach dem Spiel: "In der Hölle ist’s heißer als hier - aber fast so laut." Und grinste dabei teuflisch. Fazit: CD Halcones verschenkte nach frühem Blitzstart zwei Punkte, während die Diablos Coatepeque mit einem späten Comeback zeigten, warum man sie nie abschreiben sollte. Ein Spiel, das alles hatte - Tempo, Tore, Emotionen, ein bisschen Chaos und eine Prise Ironie. Oder, wie ein Halcones-Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn wir schon fliegen heißen, sollten wir irgendwann auch mal landen." 29.09.643996 17:38 |
Sprücheklopfer
Wir sollten nicht alles ins Korn schmeißen.
Franz Beckenbauer