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Hamburger SC dreht nach der Pause auf - 4:2 gegen Union Berlin

Manchmal braucht ein Fußballspiel einfach einen kräftigen Schlag auf den Wecker. 45 Minuten lang plätscherte das Duell zwischen dem Hamburger SC und Eisern Union Berlin vor 28.806 Zuschauern im Volksparkstadion dahin, als hätten beide Teams noch den Sonntagsbraten im Magen. Doch dann kam Minute 52 - und mit ihr Sandor Feldmann.

Der 22-jährige Rechtsaußen nahm sich ein Herz, zog nach feiner Vorarbeit von Vladan Mladenovic ab, und plötzlich war das Spiel wach. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil keiner was gesagt hat", grinste Feldmann später. Trainer Bernd Happel nickte dazu trocken: "So stell ich mir Mut im Mittelfeld vor - nicht nur Querpässe, sondern auch mal ein Risiko."

Doch wer dachte, Union würde nun in sich zusammenfallen, irrte. Keine zehn Minuten später schickte Abwehrrecke David Rivilla den 17-jährigen Curt Frank auf die Reise, und der Teenager fackelte nicht lange - 1:1 in der 60. Minute. "Ich hab gar nicht nachgedacht, sonst wär der bestimmt drüber gegangen", stammelte Frank nach seinem ersten Profitor. Berlin jubelte, Hamburg schaute kurz irritiert - und dann wurde’s wild.

Nur drei Minuten später: Fouquet legt auf, Mladenovic zieht ab, 2:1 für den HSC. Zwei Minuten danach: Eckball, Kopfballverlängerung, und wieder Feldmann - 3:1. Das Stadion tobte, die Nordtribüne sang sich die Seele aus dem Leib. "Da war endlich Dampf drin", meinte Happel, der mit offenem Hemdkragen an der Seitenlinie mehr vibrierte als seine Mannschaft in der ersten Hälfte.

Union-Trainer Roter Jan versuchte es mit einem Doppelwechsel, brachte frische Beine - und tatsächlich, in Minute 74 traf der eingewechselte Rhys Catrall nach Vorarbeit von Frank zum 3:2. Der Anschlusstreffer war wie ein Weckruf für beide Teams: Union witterte die Chance, Hamburg die Gefahr.

"Da dachte ich kurz: Das wird wieder so ein typisches HSV-Spiel", raunte ein älterer Fan auf der Haupttribüne - man konnte es ihm nicht verdenken. Doch diesmal behielt Hamburg die Nerven. Leandro Postiga, der schon zuvor jede Menge Betrieb auf der rechten Seite gemacht hatte, krönte seine Leistung in der 88. Minute mit dem 4:2. Vorlage? Natürlich vom unermüdlichen Alain Fouquet, der sich durch die Berliner Abwehr tankte, als hätte er ein Abo auf den Strafraum.

"Ich hab ihm gesagt: Lauf einfach weiter, irgendwann kommt der Ball", sagte Postiga lachend über die Szene. Und er kam - präzise, flach, unhaltbar. Der Rest war Jubel, Konfetti, und ein sichtlich erleichterter Bernd Happel, der nach Abpfiff verkündete: "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur schön, sondern auch effektiv spielen können. Und dass Feldmann zwei Tore schießen kann, ohne umzufallen, war das Sahnehäubchen."

Union hatte über weite Strecken nicht weniger Torschüsse (14 zu 13), aber weniger Effizienz. Ihre 44,9 Prozent Ballbesitz waren solide, doch Hamburg hatte mit 55 Prozent das Geschehen meist im Griff - zumindest optisch. Dass Union in den Zweikämpfen leicht vorne lag (51,3 Prozent), half am Ende wenig.

In der Nachspielzeit sah man noch, wie Happel seinem jungen Rechtsverteidiger Ashton Stokes auf die Schulter klopfte. "Der Junge hat mit 19 keine Angst, da reinzuhalten. So was mag ich", murmelte der Trainer, während sein Berliner Kollege Roter Jan mit verschränkten Armen auf die Anzeigetafel starrte.

"Vier Gegentore sind zu viel, egal wie sie fallen", knurrte Jan. "Aber wenn ein 17-Jähriger trifft, kann man wenigstens etwas Positives mitnehmen."

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - auch, weil die zweite Halbzeit eine kleine Show geliefert hatte, die diesen kalten Februarabend in Hamburg erträglich machte.

Und als die Flutlichter langsam erloschen, stand Feldmann noch immer auf dem Rasen, den Ball unterm Arm, die Fans winkend. "Zwei Buden, das ist schon was", lachte er. "Aber nächste Woche mach ich drei - sagt mein Opa jedenfalls."

So hat der Hamburger SC an diesem 32. Spieltag der 2. Liga nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch wieder ein wenig Selbstvertrauen. Und wer weiß - vielleicht war das ja der Weckruf zur richtigen Zeit.

Denn wie sagte Happel mit einem Augenzwinkern beim Verlassen der Mixed Zone? "Manchmal muss man erst einschlafen, um richtig aufzuwachen."

02.04.643990 02:47
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