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Hamburger SC erlebt Hordeler Sturmlauf - 1:6-Debakel am Millerntor

Ein Abend zum Vergessen für den Hamburger SC: Vor 23.295 Zuschauern im heimischen Stadion kassierten die Nordlichter eine schmerzhafte 1:6-Niederlage gegen den TuS Hordel. Wer zu spät kam, hatte Glück - er verpasste die ersten drei Gegentore und konnte sich noch in Ruhe eine Bratwurst holen, bevor das Unheil endgültig seinen Lauf nahm.

Dabei hatte Trainer Bernd Happel vor dem Spiel noch betont, man wolle "mutig nach vorne spielen". Mutig war es, ja - effektiv eher nicht. Schon nach 24 Minuten klingelte es das erste Mal im Hamburger Kasten: Marvin Fink brachte Hordel nach Zuspiel von Günther Pfeiffer in Führung. Nur 14 Minuten später erhöhte Tim Pfeiffer auf 2:0, und ehe die Hamburger Defensive überhaupt verstand, dass es jetzt ernst wird, legte Fink in der 39. Minute seinen zweiten Treffer nach. 0:3 zur Halbzeit - und das gegen einen Gegner, der zwischendurch auch noch mit Gelb-Rot dezimiert wurde.

"Ich hab zur Pause gesagt: Wir müssen aufwachen", knurrte Happel später. "Leider haben wir dann nur die Augen gerieben." Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug’s schon wieder ein: Filippo Villa erzielte zwar in Minute 47 den Ehrentreffer für den HSC nach feiner Vorarbeit von Samuel Perlman - immerhin ein kleiner Trost für die jungen Wilden im Team -, doch Hordel antwortete prompt. Nur 60 Sekunden später traf Curt Schöne zum 4:1, und das war’s dann endgültig mit der Hamburger Aufholjagd.

Was folgte, war ein Hordeler Sturmlauf, wie man ihn in der 2. Liga selten sieht: Fjodor Koroljuk schraubte das Ergebnis in der 52. Minute auf 5:1, und Detlev Foerster setzte in der 59. Minute noch einen drauf - ausgerechnet der Rechtsverteidiger, der nach dem Spiel verschmitzt grinste: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte andere Pläne."

Die Statistik unterstreicht die Einseitigkeit des Abends: 16 Torschüsse für Hordel, nur 5 für Hamburg; 52 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 45 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gastgeber - man könnte sagen, der HSC war zumindest höflich genug, dem Gegner Raum zu lassen.

Trotz des Platzverweises für Hordels Linksverteidiger Kurt Herbst (Gelb in der 2. Minute, Gelb-Rot in der 63.) blieb das Team von Trainerin Ute Finkeldy spielbestimmend. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon einer weniger sind, dann sollen die anderen eben doppelt laufen", lachte Finkeldy nach dem Spiel. "Und sie haben’s wörtlich genommen."

Auf der Hamburger Bank dagegen herrschte betretenes Schweigen. Happel wechselte zur Pause gleich dreimal, brachte frisches Blut, aber keinen frischen Geist. Youngster Gerhard Merz wich Aaron Cascarino, Joel Abel machte Platz für Juergen Lauer, und Zivojin Stevic durfte für Alain Fouquet ran - doch auch die Jugend konnte das sinkende Schiff nicht mehr retten. Als Happel in der 80. Minute noch einmal auf die Uhr blickte, soll er laut Augenzeugen gemurmelt haben: "Wenn das so weitergeht, pfeift der Schiedsrichter wohl aus Mitleid früher ab."

In den Katakomben nach dem Spiel suchten die Spieler nach Erklärungen. Torwart Marco Ruiz, der gleich sechsmal hinter sich greifen musste, nahm’s mit Galgenhumor: "Ich hab heute viel gelernt - vor allem, wie sich der Ball von hinten im Netz anhört." Kapitän Samuel Perlman zeigte sich kämpferisch: "Wir sind jung, wir machen Fehler. Aber wir hören nicht auf, Fußball zu spielen. Irgendwann gehen die Dinger für uns rein - und nicht in unser Tor."

Für TuS Hordel war es hingegen ein Abend zum Feiern. "Sechs Tore auswärts, das passiert uns nicht alle Tage", freute sich Doppeltorschütze Marvin Fink, der nach dem Abpfiff von den mitgereisten Fans mit Sprechchören gefeiert wurde.

Die Hamburger Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus hanseatischer Gelassenheit. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne fasste es trocken zusammen: "Wenn man 1:6 verliert, kann’s beim nächsten Mal ja nur besser werden."

So bleibt vom 19. Spieltag der 2. Liga ein Abend, der in Hamburg schnell vergessen, in Hordel aber wohl noch lange erzählt wird - irgendwo zwischen Wunder und Wahnsinn. Und Trainer Happel? Der versprach zum Schluss: "Wir trainieren weiter - vielleicht auch mal auf kleinere Tore."

Ein Satz, der nach diesem Abend mehr Wahrheit in sich trägt, als ihm lieb sein dürfte.

05.01.643991 02:31
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Ich halte nix von Sex vor dem Spiel, besonders weil ich mir das Zimmer mit Salou teile.
Jan-Aage Fjörtoft
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