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Ein lauer Märzabend, Flutlicht an der Alster, 26.117 Zuschauer und ein Hamburger SC, der endlich wieder Lust auf Fußball zu haben scheint. Mit 3:1 (2:0) schickten die Hanseaten den FV Bad Urach zurück auf die Schwäbische Alb - nicht ohne ein paar schräge Momente, gelbe Karten und eine Prise jugendlichen Übermuts. Trainer Bernd Happel hatte vor der Partie angekündigt, "endlich wieder aktiven Offensivfußball" zeigen zu wollen. Das war kein leeres Versprechen. Von der ersten Minute an pressten die Hamburger mutig, auch wenn der frühe Tatendrang fast nach hinten losging. Bereits in der dritten Minute prüfte Bad Urachs Frank Keller den jungen Keeper Marco Ruiz - der 20-Jährige lenkte den Ball mit den Fingerspitzen um den Pfosten. "Ich hab ihn gar nicht richtig gesehen, nur gespürt", grinste Ruiz später und ließ sich feiern, als hätte er das Spiel allein gewonnen. Doch dann übernahmen die Gastgeber die Kontrolle. Alain Fouquet, der bewegliche Mittelstürmer, kam früh zu mehreren Abschlüssen, fand aber noch keinen Weg am Uracher Torwart Jegor Schepelew vorbei. "Ich dachte schon, der Typ hat Magnete in den Handschuhen", schimpfte Fouquet lachend nach der Partie. Das Tor lag in der Luft - und in der 37. Minute platzte der Knoten. Der erst 18-jährige Gerhard Merz, zuvor wegen einer Gelben Karte ermahnt, schlenzte den Ball nach feinem Zuspiel von Asger Vinther ins lange Eck. Ein Treffer zum Verlieben. "Ich hab einfach abgezogen. Danach war alles schwarz, nur Jubel", erzählte Merz, dessen Lächeln nach Abpfiff ansteckend war. Kaum hatten die Fans das erste Tor verdaut, folgte Nummer zwei. Drei Minuten später zog Wladimir Gorgon aus 20 Metern ab - wieder hatte Vinther seine Füße im Spiel - und der Ball zappelte unhaltbar im Netz. 2:0, das Stadion vibrierte, und Coach Happel nickte zufrieden: "So stell ich mir das vor. Schnörkellos, direkt, mit Mut." Die zweite Hälfte begann mit einem kleinen Dämpfer. Bad Urach kam entschlossener aus der Kabine, Coach Giuseppe Spera hatte offenbar kräftig an den Stellschrauben gedreht. "Ich hab ihnen gesagt, dass sie den Ball auch mal ins Tor statt nur daneben schießen dürfen", witzelte er später. Und tatsächlich: In der 54. Minute traf der 18-jährige Nevio Sauer nach Vorlage von Innenverteidiger Olaf Neumann zum 2:1-Anschluss. Kurz flackerte Nervosität auf, die Hamburger Defensive wackelte, Ruiz musste zweimal glänzend parieren. Doch Happel reagierte klug, brachte den 17-jährigen Salvador Duran für Ashton Stokes und stabilisierte die rechte Seite. Danach übernahm der HSC wieder die Kontrolle, auch dank Philippe Gagnon, der links unermüdlich wirbelte. In der 70. Minute sah Benjamin Reich Gelb - ein Foul, das man auch als "herzhaften Gruß aus dem Mittelfeld" bezeichnen könnte. Bad Urachs Mut hielt nur kurz. Nach einem unglücklichen Zusammenprall musste Patrick Kramer verletzt raus, Sekunden später klingelte es hinten: Philippe Gagnon traf in der 87. Minute zum 3:1 nach Vorarbeit von Reich. Der Rest war Jubel, Gesang und eine La-Ola, die sogar den stets grimmigen Stadionsprecher kurz lächeln ließ. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur jung, sondern auch clever sein können", resümierte Happel. Sein Gegenüber Spera blieb fair: "Hamburg war besser. Wir haben uns gewehrt, aber irgendwann fehlte die Luft - und vielleicht ein bisschen Glück." Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: 50,6 Prozent Ballbesitz für Hamburg, 49,4 für Bad Urach. Doch 19:9 Torschüsse sprechen eine klare Sprache. Der HSC war gefährlicher, direkter und vor allem kaltschnäuziger. Besonders auffällig: Das Trio Merz-Vinther-Gorgon harmonierte, als hätte es schon hundert Spiele zusammen bestritten. "Wir haben einfach Spaß da draußen", sagte Vinther, "und wenn’s läuft, läuft’s." Als die Fans nach Abpfiff durch den Nieselregen Richtung Reeperbahn zogen, summte einer: "Das war mal wieder Fußball, wie man ihn in Hamburg sehen will." Vielleicht kein poetischer Satz, aber ein ehrlicher. Und so bleibt vom 31. Spieltag nicht nur ein verdienter 3:1-Sieg, sondern das Gefühl, dass beim Hamburger SC etwas wächst - jung, wild, manchmal ungestüm, aber endlich wieder mit Herz. Oder wie Happel beim Hinausgehen murmelte, halb zu sich selbst, halb zum Reporter: "Wenn sie so weitermachen, wird das eine richtig schöne Saison. Und ich muss mir endlich eine Sonnenbrille kaufen - vor lauter Strahlen." 03.09.643993 02:40 |
Sprücheklopfer
Vor der Saison hat man mir mitgeteilt, dass wir vorne gut bestückt sind.
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