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Hamburger SC siegt souverän mit 2:0 - Berkovic trifft und lacht

Ein kühler Januarabend, Flutlicht, 24.250 Zuschauer im Stadion - und ein Hamburger SC, der endlich wieder so spielt, wie Trainer Bernd Happel es immer betont: "Mit Herz, Verstand und, wenn’s sein muss, einem Hauch Wahnsinn." Am 14. Spieltag der 2. Liga Deutschland besiegten die Hanseaten den tapfer kämpfenden TuS Hordel mit 2:0 (1:0) und kletterten damit zumindest vorübergehend Richtung obere Tabellenhälfte.

Von Beginn an machten die Gastgeber klar, wer Herr im Haus ist. Bereits nach zwei Minuten prüfte Alain Fouquet den Hordeler Torwart Davide Lorenzo - und tat es in den folgenden Minuten gleich noch dreimal. "Ich wollte einfach sehen, ob er wach ist", grinste Fouquet später in der Mixed Zone. Lorenzo war wach - und wie! Der 18-jährige Keeper der Gäste hielt, was zu halten war, und rettete sein Team mehrfach vor einem frühen Rückstand.

Doch der Druck der Hamburger wurde immer größer. Eduardo Capucho und Asger Vinther wirbelten über die Flügel, während im Zentrum Vladan Mladenovic die Fäden zog. TuS Hordel versuchte, mit langen Bällen und gelegentlichen Kontern Nadelstiche zu setzen, doch es blieb meist beim Versuch. Nur einmal, in der 31. Minute, musste HSC-Keeper Marco Ruiz ernsthaft eingreifen, als Fjodor Koroljuk aus spitzem Winkel abzog. Ruiz klärte mit einer Hand - und winkte danach entspannt Richtung Tribüne.

In Minute 44 fiel dann das längst verdiente 1:0. Ausgerechnet Linksverteidiger Tzipi Berkovic, der zuvor Gelb gesehen hatte und sich lautstark über den Pfiff beschwerte ("Ich hab doch nur geguckt, ob der Ball rund ist!"), zog aus 18 Metern ab. Der Ball schlug unhaltbar ein - und das Stadion tobte. Assistgeber Philippe Gagnon verschwand in der Jubeltraube, während Berkovic später lachend erklärte: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn’s so gut aussieht, sag ich natürlich, das war Absicht."

Kurz nach der Pause nahm Happel den Torschützen vom Feld - "Sicher ist sicher, der Junge hatte schon Gelb und zu viel Adrenalin", wie der Coach später erklärte - und brachte Julian Bischoff. Der Spielfluss blieb davon unberührt. Hamburg kontrollierte Ball und Gegner, auch wenn der Ballbesitz mit 50,8 zu 49,2 Prozent fast ausgeglichen wirkte. Die Statistik täuscht: TuS Hordel kam kaum über die Mittellinie, während die Norddeutschen mit 17 Torschüssen ein wahres Feuerwerk abbrannten.

In der 60. Minute folgte die nächste taktische Umstellung: Happel brachte Joan Jorge, der sofort Akzente setzte. Nur sieben Minuten später belohnte Asger Vinther die Überlegenheit mit dem 2:0. Nach schöner Vorarbeit von Jorge traf der 21-jährige Däne aus kurzer Distanz. "Ich hab nur draufgehalten", sagte Vinther hinterher bescheiden - und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Aber ich hab gezielt draufgehalten."

TuS-Trainerin Ute Finkeldy nahm’s sportlich: "Wir wollten kontern, aber irgendwann fehlte uns schlicht die Luft. Hamburg war aggressiver, schneller, intensiver - das war heute Lehrgeld." Ihre Mannschaft hatte noch zwei Halbchancen: Ernst Kunkel (69.) und Fynn Huber (84.) zwangen Ruiz zu Paraden, die allerdings mehr nach Routine als nach Notfall aussahen.

In der Schlussphase gönnte Happel seinem Team noch einen Debütanten: der 18-jährige Fabian Kessler kam für Mladenovic und durfte ein paar Bälle verteilen. "Ich hab mich gefühlt wie auf dem Schulhof - nur lauter", sagte der Youngster nach seinem Zweitligadebüt strahlend.

Als Schiedsrichterin das Spiel abpfiff, war die Freude groß. Die Fans forderten eine La-Ola, die Spieler gaben sie - etwas unbeholfen, aber mit Herz. Happel klatschte in die Hände, drehte sich zur Bank und murmelte: "Endlich mal wieder ein Spiel, bei dem ich nicht altern musste."

Die Zahlen untermauern das Gefühl: 56,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17 Schüsse aufs Tor, kein Gegentreffer - ein souveräner Auftritt des Hamburger SC. Und dennoch ließ Berkovic den Satz des Abends fallen: "Ich hab getroffen, aber Fouquet hat viermal öfter aufs Tor geschossen. Der soll nächstes Mal auch mal treffen, sonst wird das langweilig."

Am Ende war es ein verdienter Sieg, ein Abend mit Humor, Herz und hanseatischer Gelassenheit. TuS Hordel kämpfte, doch Hamburg spielte - und das ist in dieser Liga meist das entscheidende Detail.

Oder, wie Coach Happel es mit einem Augenzwinkern zusammenfasste: "Wenn wir jetzt auch noch das dritte Tor erzielen, das wir jedes Mal liegen lassen, dann wird’s langsam unheimlich."

Ein Satz, der in Hamburg fast wie eine Drohung klingt - für die nächsten Gegner.

18.06.643987 14:13
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