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Hamburg, 8. März 2026 - Es war einer dieser Abende, an denen Fußballromantiker sich bestätigt fühlen und Trainer graue Haare bekommen. Der Hamburger SC besiegt den FC Marzahn mit 2:1 (1:1) - dank eines Last-Minute-Treffers von Asger Vinther in der 90. Minute. 24.435 Zuschauer im Volkspark erlebten ein Spiel, das zwischen jugendlicher Unbekümmertheit und nervöser Selbstzerstörung pendelte. Schon die Startaufstellung des HSC ließ ahnen, dass Trainer Bernd Happel Mut zur Jugend beweisen würde: Gleich vier Teenager standen auf dem Platz - einer von ihnen, der 18-jährige Gerhard Merz, eröffnete nach zwölf Minuten den Torreigen. Nach einem energischen Sprint über die linke Seite und präziser Vorlage von Asger Vinther bugsierte er den Ball in die Maschen. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Merz später. "Der Ball war so schön rund, das musste klappen." Doch die Freude währte nur acht Minuten. FC-Marzahn-Stürmer Caio Gome bewies, dass Routine manchmal die bessere Waffe ist. Nach einem geschmeidigen Doppelpass mit Pedro Valdes traf der 27-Jährige abgeklärt zum Ausgleich. "Wir hatten das Spiel danach eigentlich im Griff", knurrte Marzahn-Trainer Frank Henning nach der Partie. "Aber Fußball ist halt kein Wunschkonzert, sonst wären wir heute Opernsänger." Tatsächlich schien der FC Marzahn lange näher am Sieg. 18 Torschüsse, knapp 48 Prozent Ballbesitz und ein Pressing, das den Hamburgern phasenweise den Spaß am Kombinieren nahm. Vor allem Caio Gome und sein Sturmpartner Tyler Carsley prüften HSC-Keeper Lionel Carvalho immer wieder - der 20-Jährige hielt, was zu halten war, und manchmal auch, was eigentlich nicht zu halten ist. "Ich hab einfach gehofft, dass keiner durch meine Beine schießt", gab Carvalho lachend zu. Zur Pause wechselte Happel gleich dreimal. Der jugendliche Elan bekam frisches Futter: Zivojin Stevic, 17 Jahre alt, und Vitor Dominguez, ebenfalls 17, kamen aufs Feld, dazu Sandor Feldmann für den blass gebliebenen Benjamin Reich. "Ich wollte einfach mal sehen, ob die Jungs wissen, wo das Tor steht", erklärte Happel später süffisant. Die zweite Halbzeit gehörte dann zunächst dem FC Marzahn. Zwischen Minute 50 und 70 schien es, als hätten sie ein Dauerabo auf gefährliche Abschlüsse - Carsley, Valdes, Gome, alle durften mal. Nur das Tor wollte einfach nicht fallen. Und als ob das noch nicht frustrierend genug gewesen wäre, kassierten die Berliner in der Schlussphase auch noch eine Gelbe Karte - allerdings für den falschen: Der Hamburger Linksverteidiger Tzipi Berkovic sah Gelb, nachdem er Gome recht unfreundlich an die Bande erinnerte, wo die Auslinie verläuft. "Ich wollte ihm nur den Weg zeigen", verteidigte sich Berkovic später mit einem schiefen Grinsen. Als alles schon nach einem gerechten Unentschieden aussah, kam die 90. Minute. Berkovic, der eben noch Gelb kassiert hatte, stürmte über links und flankte butterweich auf Vinther. Der Däne nahm den Ball aus vollem Lauf und drosch ihn unter die Latte - 2:1! Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend, Vinther verschwand in einer Traube aus Mitspielern und Balljungen. "Ich hab gar nicht gesehen, ob der Ball drin war", sagte er später. "Aber als Bernd (Happel) plötzlich losrannte, wusste ich: Da stimmt was." Marzahn versuchte es noch mit einem letzten Angriff, aber der Schlusspfiff kam schneller. Happel riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Naja", murmelte Henning nachdenklich, "wer in der 90. Minute so schläft, der hat auch kein Recht auf Mitleid." Statistisch gesehen war es ein knappes Duell: 12 Hamburger Torschüsse gegen 18 aus Berlin, 51,9 Prozent Ballbesitz für die Nordlichter, 48,1 für die Gäste. Doch Zahlen erzählen eben nicht die ganze Geschichte. Es war ein Spiel, das von jugendlicher Energie, unruhigen Momenten und einem Hauch Wahnsinn lebte. Am Ende bleibt ein Hamburger Abend voller Kontraste: ein 18-Jähriger trifft früh, ein 22-Jähriger spät, und ein 23-Jähriger mit Gelb auf dem Konto liefert die Vorlage des Abends. Trainer Happel brachte es nach Abpfiff auf den Punkt: "Wenn man junges Blut ins Spiel bringt, darf man sich über Herzrasen nicht beschweren." Und so feierte der Hamburger SC einen Sieg, der so spät wie verdient kam - und der wohl noch lange in den Köpfen der Fans nachhallen wird. In Marzahn dagegen dürfte man sich fragen, wie viele Chancen man eigentlich liegen lassen kann, bevor der Fußballgott genervt den Spielbericht schreibt. 10.08.643993 23:33 |
Sprücheklopfer
Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.
Andreas Möller