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71550 Zuschauer im prall gefüllten Eschborner Stadion sahen an diesem lauen Maiabend ein Pokal-Achtelfinale, das alles bot - außer Hoffnung für den Gastgeber. Am Ende setzte sich Hannover mit 3:1 durch, und das Ergebnis war so verdient wie ernüchternd für den 1. FC Eschborn. Die Niedersachsen spielten abgeklärt, nutzten ihre Chancen eiskalt und ließen sich auch von einem späten Platzverweis nicht aus der Ruhe bringen. Eschborn begann mutig. Trainer Yas Sin hatte seine Mannschaft auf "kontrollierte Offensive" eingestellt - zumindest bis zur 18. Minute. Da nämlich schlug Hannovers Hugo Assis zum ersten Mal zu. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Javi Bernal, der offenbar kurzzeitig vergessen hatte, dass er eigentlich kein Spielmacher ist, nahm Assis die Kugel volley und traf zum 0:1. "Ich hab den Ball einfach gespürt", grinste der 33-Jährige nach dem Spiel. "Und dann gehofft, dass er nicht in der dritten Etage landet." Tat er nicht - stattdessen im Netz, und Eschborns Keeper Logan Cochran schaute hinterher, als würde er gerade die Lottozahlen verpasst haben. Eschborn ließ sich davon nicht beirren. Jacob Holz prüfte Hannovers Torwart Adam MacIntyre mehrfach, Tomasz Buchholz wühlte sich auf links durch, und Alexander Willoughby versuchte, das Mittelfeld zu ordnen. Doch die Gäste blieben gefährlich. Besonders Ediz Sargun sorgte mit seinem bulligen Antritt für Unruhe und zwang Cochran gleich mehrfach zu Glanzparaden. Es blieb beim 0:1 zur Pause, aber die Zuschauer hatten das Gefühl, da sei noch was drin. Nach dem Seitenwechsel kam Eschborn mit frischem Wind - und Hannover mit einem Nackenschlag. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da zappelte der Ball schon wieder im Netz: Henrich Hlinka erhöhte in der 46. Minute auf 0:2. Eine butterweiche Flanke von Nikolaj Grigorenko, ein kurzer Blick, ein trockener Abschluss - Lehrbuchkombination. "Da war kurz Stille im Stadion", meinte Eschborns Verteidiger Bram Van Butsel später, "außer bei den drei Hannover-Fans im Gästeblock, die plötzlich meinten, sie wären im Opernhaus." Doch Eschborn zeigte Moral. In der 61. Minute war es dann soweit: Tomasz Buchholz traf nach Vorarbeit von Xavier Ximenis zum 1:2-Anschluss. Der Jubel war ohrenbetäubend. Trainer Yas Sin sprang an der Seitenlinie so hoch, dass selbst der vierte Offizielle kurz irritiert wirkte. "Das war der Moment, an den wir geglaubt hatten", sagte Sin später. "Leider hat der Moment nur zwölf Minuten gehalten." Denn in Minute 73 machte Hannovers Daniel Ramiro den Deckel drauf. Nach einem energischen Vorstoß von Max McGee knallte der Rechtsverteidiger den Ball aus 16 Metern unter die Latte - 1:3. Ein Tor, das man so nicht alle Tage sieht, und das Ramiro mit einem schlichten Schulterzucken kommentierte: "Eigentlich wollte ich flanken." Danach wurde es noch hitzig. Hannovers Harvey Combe kassierte in der 87. Minute eine glatte Rote Karte, nachdem er Bernt Geier etwas zu leidenschaftlich umgerannt hatte. "Er hat mich gefragt, ob ich fliegen kann", witzelte Geier später. Hannover brachte das Spiel trotzdem über die Zeit, auch weil Torwart MacIntyre in der Schlussphase noch zweimal gegen den unermüdlichen Holz rettete. Die Statistiken malten ein trügerisches Bild: 56 Prozent Ballbesitz für Eschborn, zehn Torschüsse - mehr als genug, um ein Spiel enger zu gestalten. Aber Hannover war schlicht effizienter, hatte 14 Schüsse und nutzte drei davon. Eine Quote, die jedem Mathematiklehrer Tränen der Freude in die Augen treiben würde. Trainer Daniel Dietrich lobte seine Mannschaft: "Wir haben clever gespielt, auch wenn wir am Ende etwas zu ruppig unterwegs waren. Pokal ist halt kein Kindergeburtstag." Und Eschborns Coach Sin nahm die Niederlage sportlich: "Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Nur eben nicht lange genug." Als die Spieler nach Abpfiff in die Kabinen verschwanden, blieb das Publikum noch eine Weile. Applaus für den Außenseiter, der sich nicht versteckte, sondern mit Herz spielte - und mit leeren Händen dastand. Ein kleiner Junge auf der Tribüne fasste es treffend zusammen: "Papa, die in Rot haben gewonnen, aber die Blauen waren cooler." Vielleicht war das das ehrlichste Fazit dieses Abends. Und wer weiß - im nächsten Jahr könnte Eschborn wiederkommen. Mit weniger Ehrfurcht, mehr Zielwasser und hoffentlich besserem Timing bei den Jubelsprüngen ihres Trainers. 08.02.644000 17:38 |
Sprücheklopfer
Wo isch mei Kanohn?
Fritz Walter Junior ungeduldig vor seiner Ehrung als Torschützenkönig