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Hansa Rostock stolpert daheim - Merseburg nutzt jeden Konter

Es war eine dieser Nächte an der Ostsee, an denen das Meer friedlich rauscht, aber im Ostseestadion Sturm herrscht - zumindest auf den Rängen. 30.879 Zuschauer sahen am 14. Spieltag der 1. Liga Deutschland, wie Hansa Rostock mit 1:3 gegen den VfB Merseburg unterging. Und das, obwohl die Rostocker über weite Strecken mehr Ballbesitz hatten (knapp 59 Prozent) und den Gegner in deren Hälfte einschnürten. Nur: Tore schießen, das überließ man lieber den Gästen.

"Wir haben das Spiel eigentlich im Griff gehabt", knurrte Hansa-Trainer Marko Maniurka nach dem Abpfiff. "Aber anscheinend zählt Ballbesitz noch immer nicht auf der Anzeigetafel." Ein Satz, der so trocken war wie der Rasen nach 90 Minuten Sonne.

Dabei begann alles recht verheißungsvoll für die Hausherren. Schon in der 5. Minute prüfte Torvald Koch Merseburgs Keeper Robert McGowan mit einem satten Schuss - der erste von zehn Rostocker Versuchen aufs Tor. Doch Merseburg konterte mit chirurgischer Präzision. In der 20. Minute setzte Michele Romano einen Pass in die Gasse, Martin Pudil startete auf rechts durch, zog nach innen und schob eiskalt ins lange Eck ein. 0:1, und plötzlich war das Stadion still wie ein Museum am Montagmorgen.

Hansa antwortete energisch - zumindest für ein paar Minuten. In der 33. Minute kam die große Stunde von Torvald Koch, der nach einer butterweichen Flanke von Noe Waldoch per Direktabnahme zum 1:1 traf. Es war ein Tor, das die Fans wieder hoffen ließ. "In dem Moment dachte ich: Jetzt drehen wir das Ding", sagte Koch später mit einem bitteren Lächeln.

Doch die Pause tat Merseburg besser als Rostock. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 50. Minute, war es erneut Martin Pudil, der - diesmal nach Vorarbeit von Brandon Benett - den Ball kompromisslos unter die Latte nagelte. 1:2, und wieder jubelten die Gäste, die eigentlich gar nicht so viel vom Spiel hatten, aber dafür umso mehr mit Effizienz glänzten.

Kurz darauf folgte eine Szene, die sinnbildlich für den Abend stand: Merseburgs Spielmacher Michele Romano musste verletzt raus, Ersatzmann Benett kam - und bereitete prompt das zweite Pudil-Tor vor. Trainer Dieter Bergmann grinste nach dem Spiel: "Manchmal ist Fußball wie Schach. Nur dass man nicht immer weiß, ob man gerade zieht oder gezogen wird."

Den endgültigen Knockout setzte dann ein Mann, den man in dieser Rolle kaum erwartet hätte: Linksverteidiger Rafet Karaer. In der 64. Minute fasste er sich nach einem Doppelpass mit Egidius Tenbrook ein Herz und zog aus 25 Metern einfach mal ab - der Ball zischte unhaltbar in den Winkel. 1:3. Selbst neutralen Beobachtern blieb da die Spucke weg.

Und Tenbrook, der Vorlagengeber, schrieb sich wenig später selbst in die Schlagzeilen - allerdings negativ. Erst Gelb in der 37. Minute, dann Gelb-Rot in der 70. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte er beim Hinausgehen - während der Ball seelenruhig 20 Meter entfernt lag. Merseburg musste also die letzten 20 Minuten in Unterzahl überstehen, tat das aber erstaunlich souverän.

Hansa drückte, flankte, schoss - doch entweder war McGowan im Tor ein sicherer Rückhalt oder der Ball segelte ins Fangnetz. Die beste Chance hatte noch Carlos Ibano in der 61. Minute, aber sein Flachschuss strich Zentimeter am Pfosten vorbei. Maniurka verzweifelte an der Seitenlinie, schrie Anweisungen, die vom Wind in Richtung Ostsee getragen wurden.

"Wir haben zu brav gespielt", meinte Hansa-Kapitän Dario Albanese später. "Vielleicht hätten wir auch mal einen langen Ball schlagen sollen - oder wenigstens einen kurzen, der ankommt."

Merseburgs Trainer Bergmann dagegen hatte allen Grund zur Freude. "Wir wussten, dass Rostock das Spiel machen will. Also haben wir einfach gewartet, bis sie uns den Ball geben - und dann haben wir ihn reingeschossen", sagte er süffisant.

Mit 14 Torschüssen und nur 41 Prozent Ballbesitz zeigten die Gäste, dass Effizienz manchmal schöner ist als Dominanz. Hansa dagegen bleibt weiter in der Ergebniskrise, und die Fans verließen das Stadion mit dem Gefühl, dass selbst 60 Prozent Ballbesitz nichts nützen, wenn der Gegner weiß, wo das Tor steht.

Ein älterer Zuschauer auf der Tribüne brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Die Rostocker haben den Ball geliebt - aber Merseburg hat ihn geheiratet."

Und so endete ein Abend, an dem die Ostsee ruhig blieb, aber die Fußballseele in Rostock stürmte. Der VfB Merseburg nahm drei Punkte mit nach Hause - und Hansa Rostock bleibt nur die Erkenntnis, dass man Spiele nicht mit Statistik, sondern mit Toren gewinnt.

18.03.644003 18:14
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