Cardiff Sports
+++ Sportzeitung für Wales +++

**Harry Bail schockt Port Talbot - Blues siegen eiskalt mit 1:0**

Ein kühler Abend in Port Talbot, 28.722 Zuschauer, ein Flutlicht, das sogar die Möwen aus dem Hafen anlockte - und ein Fußballspiel, das zwar nicht immer glitzerte, aber einen Helden fand: Harry Bail. Der Linksaußen der Holyhead Blues entschied das Duell am 8. Spieltag der 1. Liga Wales mit einem einzigen Tor in der 66. Minute - präzise, trocken, und so nüchtern wie ein walisischer Wintermorgen.

Dabei hatten die Port Talbot Steelmen alles andere als Stahl im Spiel: viel Wille, etwas Rost und am Ende ein bitteres 0:1. "Wir sind vorne einfach zu brav", knurrte Mittelfeldmann Samuel Dunn nach dem Abpfiff, "wir hätten noch zwei Stunden spielen können - der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen."

Schon zu Beginn legten die Hausherren los wie ein Hochofen auf Betriebstemperatur. Nach zwei Minuten prüfte Kai Baker den Blues-Keeper Milan Majak zum ersten Mal. Der Schlussmann, dessen Frisur so unbewegt blieb wie seine Strafraumbeherrschung sicher war, parierte lässig. Holyhead antwortete im Gegenzug mit einem Schuss von Harry Bail (7.), der das Netz zwar erzittern ließ - allerdings von außen.

Es war ein munteres Hin und Her, ein bisschen wie Tischtennis mit Stahlkappen. Port Talbot suchte den geordneten Aufbau, Holyhead lauerte auf Konter. Ramon Vaz, der Dreh- und Angelpunkt der Blues, zog die Fäden im Mittelfeld, während die Steelmen versuchten, ihre Flügelspieler Benjamin Lewis und Lewis Hannigan ins Spiel zu bringen. Doch immer wieder stand da eine blaue Wand, angeführt von Innenverteidiger Thierry Barnier, der gefühlt jeden hohen Ball magnetisch anzog.

Nach einer halben Stunde war deutlich: Beide Teams hatten Lust auf Fußball, aber keine auf Risiko. Statt zündender Kombinationen sah man sichere Querpässe und höfliche Zweikämpfe. Selbst die gelben Karten für Santiago Andrade (27.) und Harry Bail (30.) wirkten eher wie spontane Farbtupfer auf einer grauen Leinwand. "Ich wollte einfach mal ein Zeichen setzen", erklärte Andrade später mit einem Grinsen, "leider war’s das falsche Zeichen."

Nach der Pause änderte sich wenig - bis zur besagten 66. Minute. Ramon Vaz, bisher schon der Taktgeber, schickte Bail mit einem butterweichen Pass in die Tiefe. Der Linksaußen nahm den Ball mit der Brust, ließ Daniel Hennessy ins Leere grätschen und schob eiskalt ins lange Eck ein. 0:1, und das Stadion fiel für einen Moment in Schockstarre. "Ich hab’s einfach probiert", sagte Bail hinterher, "der Ball war so schön, den konnte ich nicht beleidigen, indem ich ihn verpasste."

Danach drückten die Steelmen, als wollten sie den Rückstand mit purem Willen wegschmelzen. Dunn (78.) und Verdasco (88.) scheiterten jeweils knapp, Keeper Majak flog, als hinge sein Vertrag davon ab - und das tat er vielleicht sogar. Coach Jürgen Steinmetz, sonst ein Mann der trockenen Worte, rief seinen Spielern von der Seitenlinie zu: "Jetzt bloß keine Kunststücke! Wir führen, nicht wir malen!"

Port Talbot-Coach - der Name blieb an diesem Abend unauffällig wie seine Taktik - setzte auf kontrollierte Offensive, doch die Blues hielten mit 16 Torschüssen und 52 Prozent Ballbesitz das Zepter fest in der Hand. Selbst die späten Versuche der Gastgeber wirkten eher verzweifelt als zwingend.

In der 93. Minute noch einmal ein Aufschrei: Ramon Vaz zog aus der Distanz ab, Keeper Luís Custodio klärte spektakulär zur Ecke. Der Schlusspfiff kam wie eine Erlösung - zumindest für die Blues.

"Wir haben das Spiel auf unsere Art kontrolliert", sagte Steinmetz nach dem Abpfiff. "Ein bisschen Glück, ein bisschen Disziplin - und ein Harry Bail in Torlaune. Damit kann man leben." Dunn konterte trocken: "Wenn Glück eine Taktik ist, sind sie Tabellenführer."

Die Steelmen müssen sich nun fragen, warum neun Torschüsse und fast 48 Prozent Ballbesitz nicht reichten, um wenigstens ein Tor zu erzwingen. Vielleicht fehlte die letzte Überzeugung, vielleicht einfach ein Harry Bail.

Am Ende jubelten die 500 mitgereisten Fans der Blues lautstark, während die Heimtribünen sich in Schweigen hüllten. Nur ein älterer Zuschauer murmelte beim Verlassen des Stadions: "Die Steelmen heißen so, aber heute waren sie eher aus Zinn."

Ein Satz, der den Abend treffend zusammenfasst.

Das Fazit: Holyhead mit kühler Effizienz, Port Talbot mit heißem Herz - aber kaltem Lohn. Fußball kann grausam sein, besonders, wenn er so ehrlich ist.

08.01.644003 11:01
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Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen.
Uli Hoeneß
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